Andritz-CEO: "Der Kunde hat immer Vorrang"
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Herr Schönbeck, was kann die Andritz, was andere nicht können? - Joachim Schönbeck: Unser Anspruch ist es, der Technologiepartner zu sein, mit dem unsere Kunden am liebsten zusammenarbeiten. Unser Ziel ist es, in unseren Märkten weltweit der führende Anbieter zu sein. Für uns ist es entscheidend, dass wir in allem, was wir tun, etwas haben, das uns besonders macht. In dem schwierigen Markt, in dem wir uns gegenwärtig befinden, ist das sicherlich die Erfolgsstrategie.
Können Sie das konkretisieren? – Wir sind nah am Kunden und reagieren sofort, wenn die Dinge in Schieflage kommen und laufen in schwierigen Situationen nicht davon. Es gefällt unseren Kunden, wenn sie einen Partner haben, auf den sie sich verlassen können.
Sie sprechen von einem aktuell schwierigen Markt. Der Maschinen und Anlagenbau ist in den letzten 20 oder 30 Jahren durch eine dramatische Konsolidierungswelle gegangen. Jetzt gibt es aber gerade für Anlagenbauer im Energiebereich ein großes Wachstumspotenzial. Profitiert die Andritz davon? – Der Energiehunger und die Elektrifizierung treiben momentan unser Wachstum an. Wir wachsen vor allem mit der Wasserkraft und Biomassekraftwerken. An dem Ausbau von Wind- und Solarenergie profitieren wir indirekt, indem wir Lösungen zur Netzstabilisierung sowie Schlüsseltechnologien und die elektromechanische Ausrüstung für Pumpspeicherwerke liefern.
Worin besteht ihre Expertise? – Wir haben zahlreiche Pumpspeicherprojekte mitentwickelt. Im Grunde sind das riesige natürliche Batterien, in denen sie sehr große Energiemengen speichern können. Das wird mit dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien immer wichtiger. Wind- und Solarenergie wird nicht immer dann erzeugt, wenn sie gebraucht wird. Deshalb brauchen wir Speicherlösungen und gleichzeitig erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur und deren Stabilität. Hinzu kommt ein zweiter großer Wachstumstreiber: Der Strombedarf steigt weltweit massiv – nicht zuletzt durch die Datencenter und den Rückgang fossiler Brennstoffe.
Was liefern sie dafür? – Wir steuern den Generatoranteil für die dezentrale Stromerzeugung, die den riesigen Strombedarf der Datencenter decken. Unser größter Markt dafür ist die USA. Dort entstehen viele neue Rechenzentren, weil im Gegensatz zu Europa ausreichend Energie zu wettbewerbsfähigen Kosten verfügbar ist.
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Liefern sie lokal? – Wir fertigen in Europa und liefern weltweit. Manche Kunden bevorzugen aus strategischen oder regulatorischen Gründen eine Fertigung und Lieferung aus Europa.
Wird an allen Andritz-Standorten konkurrenzfähig produziert? – Das ist unser Ziel und gilt auch für die Länder, die es uns derzeit schwer machen, wettbewerbsfähig zu produzieren. Zu diesen zählt leider auch Österreich. Hier ist die Kostensteigerung der Entwicklung der Produktivität zuletzt davongelaufen. Wir sind zum Glück in der Lage, das über unser globales Fertigungsnetzwerk abzufedern, sodass wir auch in Österreich noch mehr Arbeitsplätze in der Fertigung schaffen können.
Wo investieren Sie? – In Österreich investieren wir fast 100 Millionen in Linz und Weiz. Darüber hinaus investieren wir insbesondere auch in China und Indien.
Was gefällt Ihnen an Indien? - Ich bin außerordentlich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit Infrastrukturprojekte angegangen werden. Es gibt einen starken politischen Willen die Industrialisierung des Landes voranzutreiben. Wir sehen das an der steigenden Nachfrage in vielen unserer Märkte.
Was liefern sie dorthin? – Vor allem Pumpspeicherkraftwerke, Walzwerke, Automobilpressen und weitere Einzelanlagen für viele verschiedene Märkte.
Sie sagen, dass man das Ohr am Kunden haben muss. Wie oft sind Sie in Graz? - Ich bin immer da, wo ich sein muss. Da wir alle zwei Wochen eine Vorstandssitzung haben, bin ich häufig hier - aber ein Kunde hat immer Vorrang.
Andritz ist 25 Jahre an der Börse. Worauf sind Sie stolz? - Wir freuen uns, dass dieser schwierige Börsengang vor 25 Jahren Andritz zu einer anderen Firma gemacht hat, und dass Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre gleichermaßen stark profitiert haben. Wir haben seit dem Börsengang unsere Belegschaft versiebenfacht, unsere Umsätze verachtfacht und das Ergebnis versechzehnfacht. Unsere Aktionäre haben eine Gesamtrendite von über 6.000 Prozent erzielt. Das macht einen schon froh und zeigt auch, dass der Börsenplatz Wien, genau das leistet, was ein österreichisches Unternehmen braucht - nämlich die finanzielle Freiheit für eine gute Unternehmensentwicklung.

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