Hintergrundfarbe
Farbe
Neutral
Grün

Wachstumsmarkt: Andritz will mit US-Partner Textilrecycling revolutionieren

Mit dem geplanten Einstieg ins Textilrecycling will die steirische Andritz AG gemeinsam mit dem US-Start-up Circ zu einem Vorreiter der Kreislaufwirtschaft werden. Das Geschäftsfeld könnte riesig werden.

Veröffentlicht

02.12.2024

Lesezeit

2 min
Teilen auf
Kreislauf Recycling
© Andritz AG
Die Rückführung von Mischgeweben ist das zentrale Thema hinsichtlich der Einführung von Prozessen der Kreislaufwirtschaft in die Textilindustrie.

Was längst bei Papier, PET-Flaschen oder Altglas selbstverständlich ist, stockt bei Textilien noch erheblich. Das Recycling von Textilien macht aufgrund der industriellen Verwendung von Mischgeweben aus Polyester und Baumwolle – die wir alle aus den Kaufhäusern von H&M über Zara bis zu Nobelmarken kennen – erhebliche Probleme. Der steirische Maschinenbauer Andritz AG hat nun gemeinsam mit dem US-Start-up Circ einen Weg gefunden, wie man Textilien in die Kreislaufwirtschaft bringen kann.

Investoren überzeugen

Nun erhielt die Andritz AG einen Engineering-Auftrag für eine Textilrecyclinganlage im US-Bundesstaat Ohio. Was heißt das? „Es geht um die kommerzielle Machbarkeit. Wenn Sie so wollen, entwickeln wir einen Plan – oder eine Vorstufe – mit der die Investoren von Circ dann entscheiden können, ‚ob und wie‘ sie diese geplante Textilrecyclinganlage realisieren“, erklärt Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei der Andritz AG, gegenüber dem Börsianer Grün.

Zuletzt litt die in Graz ansässige Andritz AG - wie andere Industriewerte - an der der Börse. Ein Aktienrückkaufprogramm soll noch bis voraussichtlich bis Ende Januar 2025 laufen und für Kursimpulse sorgen. Hier die Performance der vergangenen 12 Monate.

Nachhaltiger Markt entsteht

Warum ist dieser erste Schritt dennoch sehr relevant? Bislang war es aus den eingangs erwähnten Gründen nicht möglich, die allermeisten Textilien einem Kreislaufprozess zuzuführen. Bei der Transformation der Wirtschaft spielt dies aber eine entscheidende Rolle, weshalb sich hier ein großer Markt eröffnen dürfte. „Angesichts der bevorstehenden gesetzlichen Beschränkungen für Deponien und die Verbrennung von Textilien sehen wir Potenzial. Jedes Jahr fallen über 90 Millionen Tonnen Textilabfälle an, von denen derzeit jedoch nur 12 Prozent recycelt und weniger als 1 Prozent zu neuer Kleidung verarbeitet werden. Diese Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit besserer Recyclingpraktiken, zumal Prognosen von einem Anstieg auf über 134 Millionen Tonnen bis 2030 ausgehen“, erklärt Waupotitsch.

Michael Waupotitsch im Gespräch
© Copyright: Croce &amp
Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling, erklärte Börsianer Grün die Markt-Chancen von Textilrecycling.

Mittelfristig könnte sich der Markt ähnlich wie jener mit Karton- und Altpapierrecycling entwickeln, zeigen Analysen. Gerade aus Investorensicht sei aber eine derzeit noch recht schwammige „Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien“ ein Problem: Die EU agiere da zwar als Vorreiter, aber es gebe einen unklaren Zeitplan der Umsetzung. Neben der Förderung von Forschung und Entwicklung brauche es Einsatzquoten von rezyklierten Materialien. Das konkrete Beispiel zeigt, wie industrielle Innovationen auch von einer – maßvollen – Regulatorik abhängen. Wir dürfen gespannt sein, wie die Kommission von der Leyen II dabei verfährt. Für das US-Unternehmen Circ aus dem erzkonservativen Bundesstaat Ohio, übrigens die Heimat des kommenden Vizepräsidenten J.D. Vance, stellt sich die Herausforderung, Investments in Cleantech trotz des republikanischen Gegenwindes zu sichern.


Daniel Nutz

Autor

Daniel Nutz

Chefredaktion

Teilen auf

Mehr in der Kategorie
Grün

Grün

Porr AG: KI als Straßenbauhelfer?

Der Baukonzern Porr setzt jetzt auf künstliche Intelligenz, um Recyclingmaterialien in Asphalt und Beton gezielter und effizienter einzusetzen. Das Potenzial könnte erheblich sein.
17.02.2026
Daniel Nutz
Betonierer bei der Arbeit: drei Menschen beim Straßenbauen
News
Grün

Glaube trifft Börse: Vatikan legt Indexfonds auf

Mit zwei neuen Indexfonds verbindet die Vatikanbank wirtschaftliche Kennzahlen mit katholischer Soziallehre und positioniert sich als religiös geprägte Alternative zu klassischen ESG-Produkten.
12.02.2026
Daniel Nutz
Petersdom und Hände und Charts
Advertorial

Zeit zum Handeln: verlängerte Handelszeiten wochentags & samstags

Wer mit Wertpapieren handelt, hat mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Handelsplätze zahlreiche Auswahlmöglichkeiten. Das gilt sowohl für institutionelle Investoren als auch für über unsere Kooperationspartner vermittelte Privatanleger. Ein Überblick über die Vorteile der verlängerten Handelszeiten.
18.02.2026
Grün
Gastkommentar

Der neue Standard für Dekarbonisierung im Finanzsektor

Was benötigen Finanzunternehmen, um Klimaziele für ihr Kerngeschäft zu definieren? Und wie können Fortschritte der Dekarbonisierung systematisch erfasst werden? Eine innovative und für alle zugängliche Methode wird beim Beantworten dieser Frage nun helfen – entwickelt wurde sie von der österreichischen Initiative Green Finance Alliance.
10.12.2025
Pedram Payami
Kugel in grün mit Bäumen
Grün
Interview

Grüne Wirtschaft nach KI größter Wachstumstreiber

Die Stimmung rund um Klimaschutz ist zuletzt gekippt, doch die Realität sieht anders aus: Die grüne Wirtschaft wächst rasant und bietet Unternehmen enorme Chancen. Eine neue Studie zeigt, dass der Markt bereits über 5 Billionen US-Dollar schwer ist – und bis 2030 auf mehr als 7 Billionen anwachsen könnte. Studien-Co-Autor Patrick Herhold gab uns folgendes Interview.
05.12.2025
Daniel Nutz
Patrick Herhold im Anzug