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Perspektiven

CO2-Bilanz: Grüne Kredite, graue Depots?

Österreichs Banken schneiden bei der Dekarbonisierung ihrer Kreditportfolios europaweit gut ab, bei den eigenen Wertpapierbeständen zeigt sich jedoch ein deutlich weniger grünes Bild. Was sagt uns das?

Veröffentlicht

24.06.2026

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A balance scale with a green building on one side and a smoking factory on the other, symbolizing environmental versus industrial impact.
© Börsianer
Kredite top? Wertpapierveranlagung flop? Ganz so einfach ist es bei der grünen Transformation auch nicht.

Europas Banken sollen die grüne Transformation der Wirtschaft finanzieren. Wie weit sie dabei sind, zeigen die jährlich veröffentlichten „Carbon Emission Indicators“ der Europäischen Zentralbank.

Wer die Daten genauer analysiert – dabei hilft ein aktueller Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) –, erkennt bei österreichischen Banken einen klaren Trend zur Dekarbonisierung im Kreditgeschäft. Zwischen 2020 und 2023 sank der CO₂-Fußabdruck ihrer Kreditportfolios um fast 40 Prozent. Im Euroraum zählen heimische Banken damit zu den Instituten mit den emissionsärmsten Kreditportfolios. Was auch an der Häufung der CO₂-ärmeren Kredite an den Dienstleistungssektor liegt.

Das eigentliche Transitionsrisiko der Banken steckt auf den ersten Blick in den Wertpapierbeständen. Bei den selbst gehaltenen Wertpapieren weisen österreichische Banken laut OeNB den größten CO₂-Fußabdruck im Euroraum auf. Ursache ist die starke Konzentration auf Unternehmen aus energieintensiven Branchen sowie dem fossilen Energiesektor.

Daten wenig aussagekräftig

Was sagt uns das? Weniger, als die Zahlen zunächst vermuten lassen. Die „Carbon Emission Indicators“ berücksichtigen derzeit nur direkte Emissionen (Scope 1) und liefern daher kein vollständiges Bild der Klimarisiken. Zudem sind Finanzierungen von CO₂-intensiven Unternehmen nicht automatisch negativ zu bewerten. Schließlich benötigen gerade energieintensive Industrien Kapital, um ihre Produktion klimafreundlicher umzubauen. Kredit- und Wertpapierfinanzierungen können daher auch Teil der Lösung sein.

So kommt auch der Report der Nationalbank zu folgendem Schluss:  Ein vollständiges Risikoprofil im Bankensektor lässt sich nicht allein mit einfachen Kennzahlen erstellen, sondern erfordert den Einsatz weiterführender Instrumente wie sektorspezifischer Klimaszenarien, langfristiger Transitionspfade und umfassender Klimastresstests. Erst durch diese Methoden können Banken abschätzen, welche potenziellen Wertverluste und Anpassungskosten unter unterschiedlichen Entwicklungen der Energiewende entstehen. Die sogenannten Carbon Emission Indicators spielen dabei lediglich eine ergänzende Rolle: Sie liefern eine erste Orientierung über mögliche Transitionsrisiken, ersetzen jedoch keine tiefgehende Risikoanalyse.

 

Daniel Nutz

Autor

Daniel Nutz

Chefredaktion

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