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Interview

Lenzing: Hygiene ohne Kunststoff

Patricia Sargeant ist seit Juli 2025 bei der Lenzing AG für den Auf- und Ausbau des Hygieneproduktportfolios verantwortlich – ein weltweiter Milliardenmarkt. Auch plastikfreie Filterlösungen fallen in ihre Zuständigkeit.

Veröffentlicht

27.07.2026

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© Lenzing AG
"Wir wissen, dass unsere Faser großartig ist, aber die Faser allein lässt sich nicht gut mit einer Marke verbinden – die Kunden interessieren sich für Produkte. ­Genau darauf konzentrieren wir unsere Investitionen", sagt Patricia Sargeant im Gespräch mit dem Börsianer.

Die gelernte Technikerin und Maschinenbauingenieurin Patricia Sargeant hat eine große Leidenschaft für Vliesstoffe, die aus holzbasierten Zellulosefasern von Lenzing produziert werden und die sie groß rausbringen möchte. Unterstützung bekommt Sargeant durch die Single-Use-Plastics Direktive (SUPD) der Europäischen Union, die darauf abzielt, Plastik und Kunststoffe auch in ausgewählten Hygieneprodukten für den Konsumenten sichtbar zu machen. Die Lenzing AG arbeitet dabei mit vielen Großunternehmen aus der FMCG-Branche sowie Private Labels zusammen, um plastikfreie Alternativen zu produzieren.

Lassen Sie uns über Hygiene sprechen. Patricia Sargeant: Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viel Plastik in einigen dieser Produkte steckt, also in der Babypflege, Windeln, in Inkontinenzprodukten, Tampons oder auch in Körperpflegeprodukten. Wir haben bei Lenzing die richtige Faser und müssen die jetzt in das richtige Lösungsformat bringen.

Kunststoff ist billiger? – Der Kostenfaktor ist ein Thema, denn Kunststoff war immer in großen Mengen in vielen Teilen der Welt vorhanden. Baumwolle ist eine großartige Faser, aber sie ist nur begrenzt verfügbar. Wir können mit unseren Fasern, also Lyocell und Viskose, den Markt für Vliesstoffe in der erforderlichen Menge bedienen. Derzeit werden 18 bis 19 Millionen Tonnen Fasern jährlich zu Vliesstoffprodukten verarbeitet, und im Moment würde ich sagen, dass im Durchschnitt wahrscheinlich zwischen 75 und 80 Prozent davon noch aus Kunststoff bestehen. Auch im Hygienebereich enthalten Produkte noch immer Plastik. Die Verbraucher sind durch die Mikroplastikdiskussionen wachsamer geworden und erhöhen den Druck auf Hersteller und Marken.

Gibt es treibende Kräfte, die die plastikfreie Zukunft beschleunigen? – In Europa auf jeden Fall die SUPD und der Wunsch nach mehr biobasierten Materialien. Die großen Marken entwickeln daher proaktiv nachhaltigere Produkte, um neuen Vorschriften und damit etwaigen Mehrkosten voraus zu sein. In Großbritannien dürfen bald keine klassischen Einweg-Feuchttücher mit Kunststoff im Einzelhandel verkauft werden. In den USA funktioniert es anders, da geht es mehr ums Marketing. Die großen Marken sagen zu uns: Gebt uns eine Geschichte. Und die heißt: Was ist das beste Produkt fürs Wohlbefinden für mich als Frau und für mein Baby? Es gibt also großes Wachstumspotenzial. Die großen Marken brauchen ebenfalls die Gewissheit einer sicheren Versorgung. Disruption kommt hingegen sehr oft von den kleineren oder den Eigenmarkenherstellern.

Wo liegen die Herausforderungen? – Wir wissen, dass unsere Faser großartig ist, aber die Faser allein lässt sich nicht gut mit einer Marke verbinden – die Kunden interessieren sich für Produkte. ­Genau darauf konzentrieren wir unsere Investitionen. In diesem Markt dreht sich alles um das Anfassen und das Gefühl, ob das Produkt passt. Man muss unseren Kunden etwas bieten, womit sie sich gegenüber den Verbrauchern identifizieren können, denn sie kennen ihre Kunden sehr gut. Das ist derzeit unsere Aufgabe im Hygienebereich, unsere oberste Priorität.

Wann fliegt das Ding? – Wir nutzen das Jahr 2026, um unsere Produkte zu entwickeln, die wir auf den Markt bringen können. Normalerweise dauert der Prozess im Hygienebereich etwa zwölf Monate, und dann beginnt man mit dem Hochfahren der Vermarktung. Ich gehe also davon aus, dass wir im Jahr 2027 weitere Erfolge verbuchen werden.

Gibt es außerhalb des Hygienesegments Anwendungsfelder der Lenzing-Faser? – Bei Spezialanwendungen für die Medizinbranche, Tabakindustrie oder Filtrationsindustrie sind oft einzigartige Lösungen gefragt. Die finden wir. —

Ingrid Krawarik

Autor

Ingrid Krawarik

Chefredaktion, Börsianer Print, Börsianer Salon, Börsianer Roadshow

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