Neues Doppel: Thiem spielt jetzt im Team Generali
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Vor sechs Jahren setzte Dominic Thiem mit dem Gewinn der US Open sein Karrierehighlight. Seine zweite Karriere macht den 32‑Jährigen heute nicht nur zu einem Investor mit Blick auf nachhaltige Geschäftskonzepte. Wie Börsianer erfuhr, wird Thiem ab Herbst neuer Partner von Generali Österreich. Bei einem exklusiven Treffen im Hotel Stanglwirt nahe Kitzbühel fragten wir nach und baten Thiem sowie Generali‑CEO Gregor Pilgram zum Interview.
Mit Dominic Thiem hat die Generali einen neuen Partner an ihrer Seite. Wie kam es dazu, und wie passen Dominic Thiem und Generali zusammen?
Dominic Thiem: Für mich war die Generali immer mit Tennis verbunden. Ich war als Kind beim Generali Open in Kitzbühel, das war ein großer Name. Und ich habe die Generali seitdem automatisch mit Sport, Gesundheit und einem professionellen Umfeld verknüpft. Deshalb passt es für mich sehr gut.
Gregor Pilgram: Für uns ist die Partnerschaft der nächste Entwicklungsschritt. Wir sind einer der wichtigsten Krankenversicherer in Österreich. Wir wollen nicht nur da sein, wenn etwas passiert – wir wollen Prävention verständlich machen. Die Welt ist extrem komplex geworden: Longevity‑Trends, Gadgets, KI, Gesundheitsdaten. Dominic bringt die Erfahrung eines Spitzensportlers ein, der sein Leben lang gespürt hat, wie der Körper reagiert. Wir bringen Daten, Technologie und Beratung. Diese Kombination ist ideal.
Inwiefern geht die Rolle von Dominic Thiem über die eines klassischen Testimonials hinaus?
Pilgram: Wir entwickeln gemeinsam neue Ideen für Prävention und Gesundheit. Viele Trends sind eigentlich simpel: richtig essen, bewegen, schlafen. Aber durch tausende Gadgets wird es kompliziert. Wir wollen das entwirren und unseren Kundinnen und Kunden Orientierung geben.
Thiem: Ich kann aus Erfahrung sagen: Vorbereitung ist alles, mental wie körperlich. Wenn du in ein Match gehst und weißt, du hältst vier Stunden durch, gibt dir das Sicherheit. Und vieles davon ist automatisiert: jahrelanges Training, Routinen, Schlaf. Das ist im Alltag nicht anders. Diesen Ansatz verfolge ich auch nach meiner Tenniskarriere und versuche einen gesunden Lebensstil zu führen.
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Apropos Partnerschaften. Ich muss die berühmte Szene aus den US Open 2020 erwähnen. „Was sind das für Schuhe?“, war Ihre lautstarke Aussage am Court. Das wird dem Partner Adidas nicht gefallen haben?
Thiem: (lacht) Ja, das Problem war allerdings mein eigener Schweiß. Die Schuhe waren nie das Problem, aber ich bin damals so oft ausgerutscht, weil ich extrem viel geschwitzt habe. In der Emotion denkt man: Das kann nicht an mir liegen, das müssen die Schuhe sein. Aber eigentlich zeigt es, wie wichtig Partner sind, denen man vertraut, egal ob im Sport oder im Leben.
Sie investieren ja selbst im Gesundheits‑, Ernährungs‑ und Longevity‑Bereich. Biogena ging jetzt eines Ihrer Investments sogar an die Börse. Was ist Ihre Investment‑Strategie?
Thiem: Mein erstes Investment war Zufall. Beim Proteinriegel Neoh bin ich 2016 oder 2017 eingestiegen. Ich habe das Team kennengelernt, super Leute. Seitdem investiere ich dort, wo ich Produkte selbst nutze oder sinnvoll finde: Sport, Gesundheit, Nachhaltigkeit. Mittlerweile sind es neun Investments. Rendite ist schön und auch wichtig, aber nicht meine Hauptmotivation. Ich will Bereiche unterstützen, die mir taugen, und Teams, die ich gut finde. Und ich will mich selbst auch in anderen Bereichen weiterentwickeln.
Wo würden Sie nicht investieren?
Thiem: In offensichtlich nicht‑nachhaltige Firmen. Und sicher nicht in Waffen, da verfolge ich eine sehr strikte Strategie.
Die Versicherungsbranche hat ja viel über Klima-Allianzen diskutiert, dann wurden viele – nicht zuletzt wegen politischen Drucks aus den USA – wieder aufgelöst. Einige Player scheinen vom Kurs abzukommen?
Pilgram: Wir sind jedenfalls auf Kurs und bleiben bei unserem Weg. Investitionen sind ein Hebel, die Welt zu verändern. Die Generali Group hat rund eine Milliarde Euro in grüne Investments gesteckt. Unsere Nachhaltigkeits‑Ratings sind Best-in-Class.
Stimmt, die Generali Group bekommt im ESG‑Bereich durchwegs gute Ratings, teils AAA‑Bewertungen. Aber wie wichtig ist das denn?
Pilgram: Ratings sind wichtig, weil sie zeigen, dass wir nicht nur reden, sondern liefern. Aber entscheidend ist der Inhalt dahinter: nachhaltige Investments, klare Ausschlusskriterien, transparente Berichterstattung. Das AAA‑Rating bestätigt unseren Kurs. Spannend finde ich persönlich aber auch nachhaltige KMU und Start‑ups, die wir über unseren SME‑Enter-Prize unterstützen. Da kommen jährlich rund 120 Bewerbungen: von Food‑Techs über Plastik‑Innovationen bis zu Reparaturcafés.
Thiem: Ich habe neulich den 3D‑gedruckten Lachs probiert. Geschmacklich gut, Konsistenz muss man noch anschauen. Aber es ist spannend, was da entsteht.
Pilgram: Genau. Wir investieren, weil wir Innovationen eine Bühne geben wollen und im best Case lernen wir auch selbst etwas dabei.
Ein spannendes Thema ist euere Initiative The Human Safety Net. Was steckt dahinter?
Pilgram: In Wien, Linz, Graz und Klagenfurt arbeiten wir mit unserem Partner Younus zusammen. Gemeinsam unterstützen wir Familien mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren in herausfordernden Situationen. Mentoring, Coaching, Elternarbeit, mentale Gesundheit: Es geht um gleiche Chancen. Kinder aus diesen Familien sollen denselben Funken in den Augen haben wie alle anderen.
Das ist ein Thema, das man in Österreich beim PISA‑Test sieht: Bildung wird vererbt.
Pilgram: Genau, da wollen wir auch ansetzen. Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Wissen, mentale Gesundheit, Unterstützung.
Den Sommerurlaub nehmen viele zum Lesen wahr. Was lesen Sie, was beschäftigt Sie?
Thiem: Bei mir ist es gerade Schlafwissenschaft. Ich lese viel über Regeneration, über die Frage, wie man Schlafqualität wirklich misst. Ich finde das extrem spannend, weil ich mein ganzes Leben lang gemerkt habe, wie wichtig Schlaf ist – jetzt verstehe ich es auch besser.
Herr Pilgram, Sie haben mir erzählt, Sie haben 200 ungelesene Artikel über KI am Handy.
Pilgram: Ja, ich lese viel und schlafe zu wenig (lacht). Die Geschwindigkeit, mit der sich KI entwickelt, ist faszinierend. Und gleichzeitig ist es eine Herausforderung: Wie bleibt man als Unternehmen relevant, wie bleibt man als Mensch kompetent? Das beschäftigt mich sehr.
Und mental?
Thiem: Ich finde es spannend, wie Routinen funktionieren. Wie man Automatismen aufbaut. Im Sport ist das entscheidend: In engen Situationen dürfen Sie nicht nachdenken. Das muss automatisiert sein. Und ich merke, dass das im Alltag genauso ist.
Pilgram: Mich inspiriert, wie Menschen mit Komplexität umgehen. Wir leben in einer Zeit, in der alles gleichzeitig passiert: KI, Longevity, Nachhaltigkeit, geopolitische Risiken. Und trotzdem schaffen es manche, Ruhe zu bewahren und klar zu entscheiden. Das beeindruckt mich.
Stichwort Longevity. Der Philosoph Yuval Harari schreibt in Homo Deus, dass heute geborene Menschen theoretisch körperlich unsterblich werden könnten. Aber wenn jemand wirklich unsterblich wäre – wäre das nicht schlecht für den Business Case eines Versicherers?
Pilgram: Nein, wir sind ein Lifetime Partner. Das passt sehr gut dazu. Genau darin sehen wir unsere Aufgabe: erklären, helfen, Trends einordnen. Longevity kommt mit vielen Hypes und Marketing. Aber die Kernprinzipien bleiben: Bewegung, Schlaf, Ernährung. Das weiterzugeben macht uns als Versicherung Spaß.
Streifen wir kurz Kitzbühel: Die Generali ist jetzt seit 30 Jahren als Hauptsponsor dabei. Wohin entwickelt sich das Turnier?
Pilgram: Schritt für Schritt. Der große Sprung war das neue Damenturnier. Ein kombiniertes Event wie Rom oder Madrid wäre super, ist aber wegen der Platzkapazität schwierig: man bräuchte neue Plätze, mehr Infrastruktur. Aber zwei starke Turniere in 14 Tagen sind ein riesiger Schritt für Österreich.
Kann Kitzbühel wieder ein Turnier der 500er‑Kategorie werden?
Pilgram: Perspektivisch ja – aber nicht kurzfristig. Man muss sich Jahr für Jahr entwickeln: Qualität, Infrastruktur, Courts, Vermarktung. Wir sind stolz, dass wir konstant dabei sind, den Langfristigkeit ist im Sport das Wichtigste. Wenn man nicht dabei ist, verpasst man die Momente, die alles verändern.
Thiem: Österreich hat eine starke Tennisbasis, und Turniere wie Wien und Kitzbühel spielen dabei eine große Rolle. Sie halten den Sport sichtbar und geben jungen Spielerinnen und Spielern etwas, woran sie sich orientieren können.
Zum Abschluss: Wie geht es bei Ihnen weiter?
Thiem: Ich habe mein ganzes Leben lang im Spitzensport Leistung gebracht, jetzt möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und meine Projekte vorantreiben.
Pilgram: Für uns geht es darum, Prävention neu zu denken und zu vermitteln. Und die Partnerschaft mit Dominic ist ein wichtiger Teil davon.

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