Hintergrundfarbe
Farbe
Neutral
News
Perspektiven

Verbund, Voest, Versicherer: Hitzesommer kostet Milliarden

Die Klimakrise trifft die Wirtschaft: Verbund, Voestalpine und Landwirtschaft zahlen die Rechnung. Versicherer suchen nach Lösungen.

Veröffentlicht

06.08.2026

Lesezeit

2 min
Teilen auf
Boot in dürrer Gegend
© Emilio Morenatti / AP / picturedesk.com
Die Dürre setzt auch der heimischen Wirtschaft zu.

Österreich erwärmt sich um 3,1 Grad Celsius seit 1900, das ist  doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Was lange als abstrakte Klimaprognose galt, schlägt sich nun in konkreten Zahlen nieder: bei Energiekonzernen, Industriebetrieben und in der Landwirtschaft, wie ein Nachfrage der Börsianer Redaktion in einigen betroffenen Branchen zeigt. 

Wassermangel kostet Millionen

Der Verbund musste 2025 einen drastischen Rückgang seiner Wasserkraftproduktion verkraften: Von 45,7 Terawattstunden im Vorjahr sank die Erzeugung auf nur noch 33 TWh. Der Gewinn brach um 21 Prozent ein. Die anhaltende Trockenheit lässt die Pegel sinken – mit direkten Folgen für Österreichs größten Stromerzeuger. Bei der niederösterreichischen EVN sieht es nicht besser aus: Einige Laufkraftwerke lieferten nur noch 50 Prozent ihrer üblichen Leistung, heißt es dort.

Auch die Voestalpine spürt die Auswirkungen: Wegen Niedrigwasser auf der Donau musste der Konzern mehr als 100.000 Tonnen Warentransporte von der Wasserstraße auf die Schiene verlagern. Ein logistischer und finanzieller Mehraufwand.

1,5 Milliarden Euro Schaden in Landwirtschaft

In der Landwirtschaft summieren sich die Dürreschäden der vergangenen zehn Jahre auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Für 2025 wird eine Getreideernte auf dem Niveau der Dürrejahre 2017 und 2018 erwartet. Die IG Milch fordert einen Dürreausgleich von 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds,  bei rund 1,8 Millionen Rindern in Österreich eine beträchtliche Summe, die auf den öffentlichen Haushalt zukäme. Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat jedenfalls ein Maßnahmepaket angekündigt.

Prognosen des Umweltministeriums zeichnen übrigens ein alarmierendes Bild: Ab 2050 könnten allein in der Landwirtschaft jährlich 1,3 Milliarden Euro an Produktionsausfällen durch Dürre entstehen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden durch den Klimawandel wird ab dann auf 8,8 Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust pro Jahr geschätzt.

Raiffeisen mit Elementarschadenskredit

Die Raiffeisen NÖ-Wien hat einen Elementarschadenskredit für landwirtschaftliche Betriebe aufgelegt. Bis zu 50.000 Euro können betroffene Landwirte über maximal fünf Jahre beantragen – gedacht für Betriebe, die durch Dürre, Hagel, Sturm, Frost oder Schädlingsbefall in finanzielle Engpässe geraten sind. „Die Dürreschäden sind für viele landwirtschaftliche Betriebe existenzgefährdend. Jetzt gilt es, ein starker Partner für die Bäuerinnen und Bauern zu sein", erklärt Martin Hauer, Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien.

Versicherungen unter Druck

Rund 80 Prozent der Ackerbauern haben bereits eine Dürreversicherung abgeschlossen, im Grünlandbereich sind es 40 Prozent. "Die hohe Durchversicherungsrate zeigt, dass Österreichs Landwirte bereits gut gegen Wetterextreme abgesichert sind. So haben rund acht von zehn Ackerbauern bereits eine Dürreversicherung abgeschlossen. Im Grünlandbereich sind rund 40 Prozent gegen das Risiko Dürre versichert", heißt es von der Österreichischen Hagelversicherung.

Doch die Branche steht vor Herausforderungen. Walter Kupec, Chief Insurance Officer Schaden/Unfall bei Generali Austria, bringt es auf den Punkt: „Die größte Herausforderung besteht darin, Versicherungsschutz auch in Zukunft leistbar und verfügbar zu halten. Häufigere Schäden und steigende Reparaturkosten wirken sich zunehmend auf die Prämienkalkulation aus."

Sein Fazit: „Um Kunden langfristig abzusichern, braucht es risikoadäquate Prämien sowie verstärkte Investitionen in Prävention und Klimaanpassung." Der Fokus verschiebt sich von reiner Schadenabwicklung hin zu Prävention und digitalem Schadenmanagement. Die Auswirkungen des Treibhauseffektes verändern nicht nur das Wetter, sondern auch die Geschäftsmodelle.

Börsianer Redaktion

Autor

Börsianer Redaktion

Die Börsianer Redaktion sammelt die News vom Kapitalmarkt für dich.

Teilen auf

Mehr zum Thema #Klimawandel

ESG
Perspektiven

Wall Street vs. Donald Trump - 1:0

Mit Kohle ist künftig keine Kohle mehr zu machen. Das ist mit ein Grund dafür, dass die sechs größten US-Banken bei klimaschädlichen Finanzierungen auf der Bremse stehen.
27.08.2025
Robert Winter
Eine stilisierte Skyline einer US-Großstadt (z. B. New York oder generisch) im Hintergrund, teils in warmem Sonnenlicht, teils im Schatten
Perspektiven
Gastkommentar

Europa: Prioritäten anders setzen

Die Erde heizt sich schneller auf als jemals zuvor – und schneller, als es ­Klimamodelle vorhergesagt haben. Während Extremwetterlagen neue Ausmaße ­erreichen, geraten nicht nur Ökosysteme, sondern auch wirtschaftliche und ­politische Strukturen ins Wanken. Europa steht vor einer Richtungsentscheidung, meint Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb in einem Gastkommentar
05.06.2025
Helga Kromp-Kolb
Frau Kromp-Kolb
Advertorial

Fokus auf Fundamentaldaten: Investieren in europäische Aktien

Europäische Aktien ziehen weiterhin die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Während der Optimismus zu Jahresbeginn inmitten erhöhter Volatilität und geopolitischer Unsicherheit einer grösseren Vorsicht gewichen ist, investieren Anleger weiterhin in die Region als wichtigen Bestandteil diversifizierter Aktienportfolios. Die Frage für professionelle Anleger ist nicht mehr, ob sie in Europa investieren sollen, sondern wie sie dies tun.
01.07.2026
Insider
Perspektiven

Klimawandel Unternehmen brauchen Planungssicherheit

Unternehmen brauchen in Sachen Klimaschutz Planungssicherheit und passgenaue Regulierung. Nur so fallen Investitionen in die Transformation auch auf fruchtbarem Boden.
28.01.2025
Börsianer Insider
Unternehmen brauchen Planungssicherheit sagt Studie von BCG und Kontext
Perspektiven

Versicherungen im Klima-Sturm: Herausforderungen, Strategien, Transformation

2023 bringt eine Welle von Naturkatastrophen, Munich Re meldet Milliardenschäden. Wie sichert sich die Versicherungsbranche ab und welche nachhaltigen Strategien verfolgen Versicherer?
19.12.2023
Daniel Nutz
TOPSHOT-AUSTRALIA-WEATHER-FLOODING
Anzeige