Verbund, Voest, Versicherer: Hitzesommer kostet Milliarden
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Österreich erwärmt sich um 3,1 Grad Celsius seit 1900, das ist doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Was lange als abstrakte Klimaprognose galt, schlägt sich nun in konkreten Zahlen nieder: bei Energiekonzernen, Industriebetrieben und in der Landwirtschaft, wie ein Nachfrage der Börsianer Redaktion in einigen betroffenen Branchen zeigt.
Wassermangel kostet Millionen
Der Verbund musste 2025 einen drastischen Rückgang seiner Wasserkraftproduktion verkraften: Von 45,7 Terawattstunden im Vorjahr sank die Erzeugung auf nur noch 33 TWh. Der Gewinn brach um 21 Prozent ein. Die anhaltende Trockenheit lässt die Pegel sinken – mit direkten Folgen für Österreichs größten Stromerzeuger. Bei der niederösterreichischen EVN sieht es nicht besser aus: Einige Laufkraftwerke lieferten nur noch 50 Prozent ihrer üblichen Leistung, heißt es dort.
Auch die Voestalpine spürt die Auswirkungen: Wegen Niedrigwasser auf der Donau musste der Konzern mehr als 100.000 Tonnen Warentransporte von der Wasserstraße auf die Schiene verlagern. Ein logistischer und finanzieller Mehraufwand.
1,5 Milliarden Euro Schaden in Landwirtschaft
In der Landwirtschaft summieren sich die Dürreschäden der vergangenen zehn Jahre auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Für 2025 wird eine Getreideernte auf dem Niveau der Dürrejahre 2017 und 2018 erwartet. Die IG Milch fordert einen Dürreausgleich von 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds, bei rund 1,8 Millionen Rindern in Österreich eine beträchtliche Summe, die auf den öffentlichen Haushalt zukäme. Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat jedenfalls ein Maßnahmepaket angekündigt.
Prognosen des Umweltministeriums zeichnen übrigens ein alarmierendes Bild: Ab 2050 könnten allein in der Landwirtschaft jährlich 1,3 Milliarden Euro an Produktionsausfällen durch Dürre entstehen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden durch den Klimawandel wird ab dann auf 8,8 Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust pro Jahr geschätzt.
Raiffeisen mit Elementarschadenskredit
Die Raiffeisen NÖ-Wien hat einen Elementarschadenskredit für landwirtschaftliche Betriebe aufgelegt. Bis zu 50.000 Euro können betroffene Landwirte über maximal fünf Jahre beantragen – gedacht für Betriebe, die durch Dürre, Hagel, Sturm, Frost oder Schädlingsbefall in finanzielle Engpässe geraten sind. „Die Dürreschäden sind für viele landwirtschaftliche Betriebe existenzgefährdend. Jetzt gilt es, ein starker Partner für die Bäuerinnen und Bauern zu sein", erklärt Martin Hauer, Generaldirektor Raiffeisen NÖ-Wien.
Versicherungen unter Druck
Rund 80 Prozent der Ackerbauern haben bereits eine Dürreversicherung abgeschlossen, im Grünlandbereich sind es 40 Prozent. "Die hohe Durchversicherungsrate zeigt, dass Österreichs Landwirte bereits gut gegen Wetterextreme abgesichert sind. So haben rund acht von zehn Ackerbauern bereits eine Dürreversicherung abgeschlossen. Im Grünlandbereich sind rund 40 Prozent gegen das Risiko Dürre versichert", heißt es von der Österreichischen Hagelversicherung.
Doch die Branche steht vor Herausforderungen. Walter Kupec, Chief Insurance Officer Schaden/Unfall bei Generali Austria, bringt es auf den Punkt: „Die größte Herausforderung besteht darin, Versicherungsschutz auch in Zukunft leistbar und verfügbar zu halten. Häufigere Schäden und steigende Reparaturkosten wirken sich zunehmend auf die Prämienkalkulation aus."
Sein Fazit: „Um Kunden langfristig abzusichern, braucht es risikoadäquate Prämien sowie verstärkte Investitionen in Prävention und Klimaanpassung." Der Fokus verschiebt sich von reiner Schadenabwicklung hin zu Prävention und digitalem Schadenmanagement. Die Auswirkungen des Treibhauseffektes verändern nicht nur das Wetter, sondern auch die Geschäftsmodelle.

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