Klima: Emerging Markets brauchen mehr Kapital
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Hitzewellen, Dürren in Europa. Der Klimawandel ist präsenter denn je. Bei der Eindämmung der Klimaerwärmung spielen Afrika und Lateinamerika eine Schlüsselrolle. Doch ausgerechnet dort, wo der Finanzierungsbedarf am größten ist, bleibt privates Kapital bislang die Ausnahme. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Entwicklungspolitik, sondern um eine der größten Investitionschancen der kommenden Jahrzehnte. Denn die Finanzierungslücke ist enorm. Und das Potenzial für Investitionen ist ebenso groß.
Billionen liegen brach
Rund 600 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu Elektrizität, mehr als einer Milliarde fehlen saubere Kochmöglichkeiten. Das zeigt die Analyse World Energy Investment der Internationalen Energieagentur (IEA). Zwar sind die Klimafinanzierungsströme auf den Kontinent zuletzt um 48 Prozent gestiegen – von 29,5 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2019/20 auf 43,7 Milliarden US-Dollar im Zeitraum 2022/23 (aktuellere Daten sind derzeit noch nicht verfügbar). Dennoch wird laut Climate Policy Initiative derzeit nur rund 23 Prozent des geschätzten Klimafinanzierungsbedarfs Afrikas gedeckt.
Besonders auffällig dabei: 87 Prozent der erfassten Klimafinanzierungen stammen aus internationalen Quellen, während der Kontinent selbst über geschätzte 2,4 Billionen US-Dollar an verwaltetem Bank-, Versicherungs- und Pensionsvermögen verfügt. Afrikanisches Kapital bleibt damit weitgehend ungenutzt. Gleichzeitig erhält Afrika trotz rund 20 Prozent der Weltbevölkerung lediglich etwa zwei Prozent der weltweiten Investitionen in saubere Energie – ein deutliches Zeichen dafür, wie groß die Finanzierungslücke weiterhin ist.
Lateinamerika: nur fünf Prozent Weltanteil
In Lateinamerika und der Karibik sind die Investitionen in saubere Energie im vergangenen Jahrzehnt um knapp 25 Prozent gewachsen und erreichten 2025 einen Wert von 70 Milliarden US-Dollar. In Chile, Kolumbien und Costa Rica haben sich die Investitionen in erneuerbare Energien sogar verdoppelt. Dennoch entfallen auf die gesamte Region lediglich fünf Prozent der weltweit privat finanzierten Investitionen in saubere Energie.
Als zentrale Hemmnisse identifiziert die IEA hohe Zinssätze, mangelnde Langfristfinanzierung sowie steigende Kosten für den Schuldendienst. Gleichzeitig ist die Region für die globale Energiewende strategisch unverzichtbar.
Investierbarkeit als Schlüsselfrage
„Die globale Klimawende kann ohne die Emerging Markets nicht gelingen. Die entscheidende Frage ist heute, wie Regierungen, Investoren, Versicherer, Banken und Entwicklungsinstitutionen die Voraussetzungen dafür schaffen können, dass Kapital die Realwirtschaft erreicht", sagt Melanie Aimer, Chief Commercial Officer bei Finance in Motion, einem Impact Asset Manager mit Sitz in Frankfurt.
Der Engpass liegt demnach nicht allein im fehlenden Kapital, sondern vor allem in der mangelnden Investierbarkeit. Nötig sind laut Aimer lokale Partnerschaften, stärkere Finanzintermediäre, belastbare Daten, Mechanismen zur Risikoteilung sowie Blended-Finance-Strukturen – also Finanzierungsmodelle, bei denen öffentliche Mittel private Investitionen gezielt absichern und dadurch zusätzliches Kapital mobilisieren.

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