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Interview
Perspektiven

Revolution auf der Baustelle

Wolfgang Fiel denkt Materialien neu und forscht an Basalt, das Stahl in der Bauindustrie ersetzen kann. Der CEO von Fiber Elements will damit die Art wie wir Bauen revolutionieren.

Veröffentlicht

08.06.2026

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3 min
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"Basalt ist kein geopolitischer Zankapfel, weil es auf der ganzen Welt hinreichend viele Quellen gibt. Damit kommt es zu keinen geopolitischen Verzerrungen wie bei den Seltenen Erden zum Beispiel", sagt Wolfgang Fiel.

Wolfgang Fiel denkt Materialien neu. Seine Lieblingsbeschäftigung ist es, den Status quo zu hinterfragen. 15 Jahre lang forschte er an einer neuen feuerbeständigen, leichten Faser aus Basalt, die in Verbindung mit Acrylharz ohne chemische Additive eine bessere Performance als Stahl zu günstigeren Preisen abliefert. Und damit will der CEO von Fiber Elements die Bauindustrie revolutionieren. Erste Projekte mit der Strabag SE, Habau oder auch der Kirchdorfer Gruppe, die Fertigteile wie Lärmschutzwände oder auch Betonsperren auf Auto­bahnen herstellt, sind bereits erfolgreich am Laufen. Der Ausgangsstoff: ein unscheinbarer schwarzer Stein und gleichzeitig ein natürliches Material, das sich global skalieren und überall im Tagebau abbauen lässt, keine geopolitischen Grenzen kennt und bisher meist als Schotter bei Gleis- und Straßenunterbauten oder etwa bei der Hot-Stone-Massage eingesetzt wird. Erhitzt bei 1.400 Grad wird daraus eine goldene Faser, die in Verbindung mit Harz Stahl ersetzen soll. Da das Material nicht rostet, braucht es weniger Zement.

„Akkumuliert haben wir Einsparungspotenziale von bis zu 70 Prozent CO2“,

sagt Wolfgang Fiel, der die Bauindustrie mit Basalt auch stärker digitalisieren möchte. Geht es nach ihm, so steht etwa die Arbeit der Eisenbieger auf der Kippe.

„Wir machen Roboter, mit denen dann Dinge hergestellt werden, die bislang händisch gemacht worden sind.“

Was kann Basalt?Wolfgang Fiel: Basalt ist ein extrem leistungsfähiges Material, es hat hohe Zugfestigkeiten und eine hohe Widerständigkeit, es rostet nicht, so wie Stahl. Und es ist so wie jedes andere Textilmaterial biegeschlaff. Das heißt, man kann mit dem Material machen, was man aus allen anderen Textilmaterialien auch machen kann, nämlich Gelege, Gewirke, Gewebe und Gestricke. Und wichtig: Basalt ist kein geopolitischer Zankapfel, weil es auf der ganzen Welt hinreichend viele Quellen gibt. Damit kommt es zu keinen geopolitischen Verzerrungen wie bei den Seltenen Erden zum Beispiel.

Was soll Basalt in der Bauindustrie ersetzen? – Basalt ersetzt im engeren Sinne Stahl. Im erweiterten Sinne aber auch alternative, andere Faserprodukte wie zum Beispiel Carbon oder Glas. Nicht komplett. Natürlich kann man immer die Weltrevolution ausrufen. Ich halte das nicht für besonders sinnvoll. Ich bin lieber ziel­orientiert.

Was macht Fiber Elements einzigartig? – Natürlich gibt es Leute, die Basalt herstellen und Produkte verkaufen. Aber das ist noch nicht die Bewehrung. Die Bewehrung ist die Verbindung eines Massenprodukts mit dem spezifisch automatisierten Add-on. Wir machen aus einem simplen ein komplexeres Produkt, indem wir Faserstränge robotisch ablegen. Das ist unsere USP, und das macht in dieser Form mit Basalt aktuell noch niemand.

Welche Meilensteine hat das Unternehmen hinter sich? – Wir haben die Proof-of-Con­cept-Phase hinter uns. Wir wissen, mit welchem Material wir es zu tun haben. Der zweite Bereich ist die ganze Automatisierung. Das heißt, die Verfahrenstechnik, mit der wir das Material dann in die Form bringen, damit es das leistet, was es leisten kann und muss. Da haben wir die Prototypen und die Anlagen. Die Verfahren sind alle da, sind alle getestet, die funktionieren. Jetzt fehlt noch die industrielle Skalierung.

Geht es schnell genug voran? – Eindeutig nein. Wir sind ständig mit der Frage beschäftigt, wie man das Ding beschleunigen kann. Die Nachfrage und das Interesse sind da, da können wir uns wirklich nicht beklagen.

Was ist das größte Problem? – Skalierung ist nicht nur noch Geld. In Österreich ist es unfassbar schwierig, schnell genug das richtige und gutqualifizierte Personal zu kriegen, das wir brauchen. Das sind Automatisierer, Robotikexperten, Materialwissenschaftler. Wir brauchen Chemiker, Maschinenbauer. Wir brauchen Produktionspersonal, Kunststofftechniker und Metalltechniker.

Ingrid Krawarik

Autor

Ingrid Krawarik

Chefredaktion, Börsianer Print, Börsianer Salon, Börsianer Roadshow

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