Börsianer Roadshow: Ganz schön krisenfest
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Was der Iran-Krieg und der damit verbundene Energiepreisschock für Portfolios bedeuten, war die brennende Frage bei der Diskussionsrunder der Investmentexperten bei der 71. Börsianer Roadshow. Und die Befunde waren durchaus spannend. Anton Fischer von der MEAG mahnte zur historischen Einordnung: „Der Inflationsimpuls ist da. Wir sehen ihn an den Tankstellen, wir werden ihn bald in vielen anderen Kategorien sehen." Er verwies auf frühere Energiekrisen — 1973, 1979, 1990, 2022 — als einzig taugliche Vergleichsszenarien und warnte, die EZB werde mindestens zweimal die Zinsen anheben müssen, um Vertrauen zu sichern. Klaus Kumpfmüller, CEO der Hypo Oberösterreich, ließ keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Lage: „Gelassen bin ich nicht." Die österreichische Inflation sei bereits auf über drei Prozent gestiegen, die EZB rechne in Szenarien mit bis zu 4,2 Prozent, statt der im Jänner prognostizierten zwei Prozent. Gleichzeitig sinken die BIP-Wachstumsraten, Standard & Poor's stufte das österreichische Bankensystem ab, die Hypo OÖ verlor eine Bonitätsstufe.
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Stromnetze brauchen Kapital
„Wir kommen in eine schwierige Lage: steigende Inflationsraten und zugleich zurückgehende Wachstumsraten“, fasste Kumpfmüller zusammen, ein klassisches Stagflationsdilemma. Fondsmanager Rainer Haidinger empfahl dennoch Besonnenheit: „Das Beste ist einfach nichts zu machen“ — und berief sich auf Winston Churchill: „Was hilft, ist Vielfalt, Vielfalt, Vielfalt.“ Ein gut diversifiziertes Portfolio, das vor der Krise funktioniere, halte auch in der Krise stand. Mario Schmidt von Swisscanto ergänzte mit einem konkreten Investitionshinweis: „Die Stromnetze, die sind schlecht, die sind anfällig, die sind überaltet - und da sehen wir den Stau.“ Während 600 Milliarden US-Dollar jährlich in erneuerbare Energien fließen, landen nur 300 Milliarden in der Netzinfrastruktur. Sein Rat an Anleger: „Ruhe bewahren, diszipliniert sein, und dann auch die Pain Trades machen.“
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Die Welt erfindet sich neu
Den zweiten Teil der Diskussion prägte Oberst Daniel Hikes-Wurm vom österreichischen Verteidigungsministerium — und er brachte eine teils ernüchternde und teils beruhigende Perspektive mit. „Der Iran-Krieg wird vermutlich nicht die letzte Krise gewesen sein“, stellte er klar. Die Welt befinde sich in einem Neuordnungsprozess, der sich über 15 bis 20 Jahre erstrecke und durch Covid massiv beschleunigt worden sei.
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Militärische Stärke allein entscheide keine Konflikte mehr, politische Zielsetzungen müssten klar definiert sein, bevor Streitkräfte eingesetzt werden. Genau das habe im Iran-Konflikt gefehlt: „Diese grundsätzliche Zielsetzung war nicht klar.“ Europa stehe vor einem strukturellen Aufholproblem, jahrzehntelang auf wertebasierte Außenpolitik gesetzt, jetzt mit einer Welt konfrontiert, die machtbasiert agiert. China beobachte die Lage von außen: „China agiert strategisch sehr klug. Wenn sie jetzt in die Offensive gehen würden, könnten sie nur verlieren.“ Für Investoren relevant: Hikes-Wurm sieht in Dual-Use-Technologien — von Quantentechnologie über Sensorik bis hin zu Space-Anwendungen: das eigentliche Wachstumsfeld der europäischen Verteidigungsindustrie, abseits von Panzern und Kampfjets. Die Ausgaben steigen, die Effizienz bleibt die offene Frage. Europas Nationalstaaten müssen hier einfach zusammenwachsen.
Hier die Profis vom Podium auf einen Blick:
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Im Nachgang wurde bei Wein, Bier und Köstlichkeiten vehement weiterdiskutiert. Börsianer-Chefökonom Peter Brezinschek ist dank der gewonnene Publikumsfrage neu behutet.
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Eindrücke des Abends gibt es hier (klick).

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