Watchlist: Zu viel gewollt
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Ich kann mich noch gut an die Covid-Zeit erinnern: da hat mir Marinomed-Chef Andreas Grassauer das erste Mal vom Coldamaris-Nasenspray erzählt. Ich muss sagen, ich bin sehr gut durch die Pandemiezeit gekommen - auch dank des Sprays von Marinomed. Jetzt ist das Unternehmen pleite und geschlossen, trotz spannender Pipeline. Ich finde das richtig schade, muss aber anmerken, dass der Börsengang im Jahr 2019 einfach zu früh war. Mehrere Sanierungsverfahren führten nicht zur gewünscht Liquidität. Zuletzt war die Aktie der Marinomed Biotech AG nur noch im Standard Market an der Wiener Börse notiert, da fehlt dann die Aufmerksamkeit.
RBI siegt gegen Rasperia
Jubel gibt es hingegen bei der Raiffeisen Bank International AG: Etwa vier Wochen ist die RBI von Schadenersatzzahlungen der Rasperia in Höhe von 3,15 Milliarden Euro entfernt. Gibt es grünes Licht (also keinen Einspruch des russischen Aktionärs), dann fließen durch EU-Sanktionen eingefrorene 28,5 Millionen Strabag-Aktien samt Dividenden an die RBI. So will es ein Urteil des Landesgerichts für Zivilrechtssachen. Die Aktien werden allerdings verkauft und fließen dem Markt als Streubesitz zu. Darüber freut sich vor allem Strabag-CEO Stefan Kratochwill, die Strabag-Aktie ist heuer mehr als 30 Prozent im Plus! Die guten Nachrichten geben RBI-CEO Michael Höllerer sichtlich Auftrieb, die Bank kooperiert jetzt mit Bitpanda (dort gibt es grad News um den CEO, der zur Erste Group wechselt).
Oberbank mit ATX-Ambitionen?
Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit Kapitalmarktteilnehmern über die Oberbank AG, die sich, wie du weißt, in Riesenschritten der Bilanzsumme von 30 Milliarden Euro nähert und somit als Großbank unter die Aufsicht der EZB rutscht. Das könnte natürlich noch andere Ambitionen wecken. Etwa der Gang in den ATX Index. Derzeit notiert die Aktie der Oberbank AG weitgehend versteckt im Wiener Börse Index WBI. "Ich kenne jeden unserer Aktionäre", hat mir der designierte Oberbank-Generaldirektor Martin Seiter vor ein paar Monaten stolz erzählt. Damals schloss er eine Notierung im ATX Prime oder ATX noch kategorisch aus. Aber die Zeiten ändern sich. Das hoffen zumindest einige Akteure. Was meinst du? Ist die Oberbank auch fit für den ATX?
Vorsorgekassen reformiert
In nicht alltäglicher Eintracht gaben sich heute übrigens Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und die Parlamentarier Christoph Pramhofer (NEOS) und Josef Muchitsch (SPÖ). Bei der Reform der zweiten Pensions-Säule haben sie tatsächlich einiges weitergebracht, das gestern als großes Reformpaket im Nationalrat beschlossen wurde (Details hier). Das freute auch den Spartenobmann der Pensions- und Vorsorgekassen Andreas Zakostelsky (siehe Zitat). Dass Arbeitnehmende ab 2028 auch in der Vorsorgekasse optional mehr Risiko (= mehr Aktien) und im Normalfall dann auch auf lange Sicht mehr Rendite nehmen können, wird allen etwas bringen. Auch die Möglichkeit über einen General-Pensionskassenvertrag die Abfertigung in eine Pension umzuwandeln.
Und was ist mit der dritten Säule? Eibinger-Miedl und Christoph Pramhofer wollen da ein sogenanntes Zukunftsdepot (also steuerliche Anreize für alle, die mit Wertpapieren für die Pension ansparen), die SPÖ ist bekanntlich skeptisch. Ob für die SPÖ ein Ja zur Behaltefrist (also, dass Aktien nach einer gewissen Zeit steuerfrei wären, die gab es bis 2011) im Falle der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer denkbar wäre, wollte mir Josef Muchitsch heute nicht beantworten.
Splitter
Eine Befragung österreichischer Erwachsener zeige: Einkommen, Finanzwissen und persönliche Überzeugungen entscheiden maßgeblich darüber, ob und wie viel in Wertpapiere investiert wird. Besonders Verlustangst und Skepsis bremsen die Anleger, so WU Professorin Bettina Greimel-Fuhrmann - mehr hier. Spannend! Erkenntnisse aus der Behavioral Finance machen Verlust- und Regretaversion sowie Geldillusion als zentrale Ursachen aus und zeigen zugleich, wo gezielte Finanzbildung ansetzen kann.
Österreich öffnet die Tür für die unterirdische CO₂-Speicherung (CCS). Vor allem für schwer dekarbonisierbare Industrien ist das ein relevantes Instrument im Klimaschutz, auch wenn Kosten und Infrastruktur noch große Baustellen sind (mehr hier). Gleichzeitig liegt ein neues Klimagesetz auf dem Tisch, das Klimaziele, Klimafahrplan, Monitoring und neue Steuerungsstrukturen gesetzlich verankern soll. Nach Jahren ohne zeitgemäßen gesetzlichen Rahmen ein überfälliger Schritt. Kritik kommt aber auch: vor allem zu vage Vorgaben und fehlende verbindliche Maßnahmen und Reduktionspfade auf dem Weg zur Klimaneutralität 2040.

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