Glaube trifft Börse: Vatikan legt Indexfonds auf
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Das rechte Maß der hohen Kante war schon immer Thema christlicher Moraldebatten. Nun bringt – fast hundert Jahre nachdem 1928 der Pioneer Fonds als erster moderner, auf christlichen Werten orientierter Ethikfonds gegründet wurde – die Vatikanbank zwei katholische Indexfonds auf den Markt. Mit den neuen Indizes Morningstar IOR US Catholic Principles und Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles (mehr Infos hier) will das Institut für die Werke der Religion (IOR) Anlegern zeigen, welche großen und mittelgroßen Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit der katholischen Soziallehre vereinen. Die zusammen mit Morningstar entwickelten Listen enthalten je rund 50 Werte – darunter breitbekannte Titel wie etwa Meta, Amazon, Tesla und Apple in den USA sowie Deutsche Telekom, SAP, Allianz oder Santander in Europa.
Die Auswahl folge einem strikten moralischen Filter: Ausgeschlossen werden Unternehmen, die mit Waffen, Abtreibungspillen oder anderen aus Sicht der Kirche ethisch problematischen Geschäftsmodellen verbunden sind. Damit stelle das IOR Transparenz und kirchliche Prinzipien in den Mittelpunkt seiner Anlagepolitik und stärkt laut eigener Aussage die Übereinstimmung zwischen internen Richtlinien und katholischer Soziallehre – so die Selbstbeschreibung.
Unterschied zu ESG-Produkten
Doch wie unterscheiden sich diese katholischen Indexfonds von klassischen ESG-Produkten (wie sind diese reglementiert: mehr dazu hier)? Während ESG-Fonds breit angelegte ökologische, soziale und Governance-Kriterien anwenden, folgen die Vatikan-Indizes einer engeren, doktrinär geprägten Logik. ESG-Filter schließen häufig fossile Energien, schlechte Arbeitsbedingungen oder mangelhafte Unternehmensführung aus. Die katholischen Fonds hingegen priorisieren vor allem Lebensschutz, soziale Verantwortung im Sinne der kirchlichen Lehre und bestimmte moralische Kernbereiche.
Damit können Unternehmen in Vatikan-Indizes enthalten sein, die in strengen ESG-Rankings schlechter abschneiden – und umgekehrt. ESG folgt einem globalen Normenset; die Vatikanfonds orientieren sich an einer klar definierten religiösen Ethik. Es könnte also ein Marktsegment wiederbelebt werden: religiös motivierte, aber finanzmarktkompatible Indexfonds, die die historische Linie kirchlicher Anlageethik ins 21. Jahrhundert verlängern. Eine Art ESG-Alternative, die neokonservativer Anleger anspricht.

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