Die neue Bank, die anders denkt
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Österreich gilt mit rund 400 Kreditinstituten als „overbanked“. Eine weitere Bank zu gründen nennt Florian Klimscha, auf Bankrecht spezialisierter Jurist und Partner bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields, „an sich eine Exercise“. Dem „geplanten innovativen und alternativen Geschäftsmodell“ der Alia-Bank spricht er jedoch Chancen zu: Dieses „sollte die Ausgangslage deutlich verbessern“.
Hinter der neuen Bank steht Johannes Ortner, Ex-CEO der Raiffeisen Landesbank Tirol, der im Jänner mit seinem Team einen Konzessionsantrag für die Alia-Bank eingebracht hat. Der Name ist Programm: „Alia“ heißt „anders“. Keine beliebige Bank soll entstehen, sondern die erste Impact-Bank Österreichs. Geht alles gut, will man 2027 starten.
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CEO Johannes Ortner erklärt das Prinzip: „Wir bewerten Projekte nicht nur nach Bonität und Risiko wie jede andere Bank auch, sondern auch nach dem Impact.“ Neben der finanziellen Rendite spielen die soziale und ökologische Wirkung eine entscheidende Rolle. Je positiver der Impact, desto günstiger die Kreditkonditionen. Mit Firmen, deren Hauptgeschäft etwa Atomkraft, Öl, Glücksspiel, Pornografie oder Tabak ist, macht Alia keine Geschäfte – selbst dann nicht, wenn das zu finanzierende Projekt einen positiven Impact hätte. Als Waschmaschine für Greenwashing will man nicht dienen. „Das Geld, das wir als Kredite an Unternehmen vergeben, kommt aus sauberen Quellen und bleibt in einem sauberen Geldkreislauf.“
Ohne positive Wirkung gebe es kein Geschäft – so radikal agiere derzeit keine andere Bank in Österreich. Ein ähnliches Konzept verfolgt das Umweltcenter der Raiffeisenbank Gunskirchen, dessen Geschäftsmodell sich jedoch von Alia unterscheidet und das keine eigenständige Bank ist.
In Europa etabliert
Ein Projekt, das Alia finanzieren würde, wäre etwa die Erschließung der Trinkwasserversorgung einer Großstadt – dieses Beispiel wurde für die Konzessionsunterlagen ausgearbeitet. Zwar hätte ein solches Projekt durch Eingriffe in die Natur wie etwa durch Stollenbau auch negative Auswirkungen, doch würden die positiven Effekte überwiegen: sauberes Trinkwasser, das ohne zusätzliche Energiezufuhr in Haushalte transportiert wird, sowie wissenschaftliche Erkenntnisse.
In anderen EU-Ländern sind Impact-Banken längst etabliert: Die GLS Bank wurde 1974 gegründet und die Triodos Bank 1980. Doch auch hier positioniert sich Alia anders: Sie ist als reine Investitionsbank konzipiert und bietet weder private Girokonten noch klassische Geschäftskonten an.
Alia wird zunächst nur zwei Produkte anbieten: „Wir nehmen Festgelder von institutionellen und Firmenkunden herein und vergeben dieses Geld als Investitionskredite an Unternehmen“, erklärt Ortner. So werde das Bankgeschäft einfach und verständlich – und damit transparent und vertrauenswürdig.
Gute Chancen
Die einfache Struktur könnte die Chancen auf eine Lizenzfreigabe erhöhen. Jurist Klimscha betont: „Je schwieriger, komplexer, größer und risikoreicher das Geschäftsmodell und die Produkte sind, desto höher sind auch die Anforderungen seitens der Aufsicht.“
Laut Florian Klimscha interessieren sich die Finanzmarktaufsicht Österreich und die Europäische Zentralbank, die die Lizenz vergibt, besonders für die Eigentümerstruktur. Dass die Gründung von einem ehemaligen Bankmanager ausgeht und auch das Team entsprechende Erfahrung mitbringt, wertet er als positives Signal. Auch das Geschäftsmodell habe grundsätzlich Potenzial, denn es gebe einen Markt für Finanzierungen von Projekten wie Hackschnitzelanlagen, Biomassekraftwerken, Erdwärme, Kläranlagen, Photovoltaik sowie Bildungs- und Pflegeeinrichtungen.
Das Alia-Team hat bereits eine Rückmeldung der FMA erhalten. Die wenigen Rückfragen bezüglich des Business-Cases könne man rasch beantworten, meint Ortner. Detaillierte Nachfragen habe es jedoch bezüglich der Investoren gegeben. Das Team will dies mit den rund 20 Investoren klären, die bereits Absichtserklärungen über insgesamt 30 Millionen Euro unterzeichnet haben. Als Ziel hat sich Alia 51 Millionen Euro gesetzt. Bisher nennt das Unternehmen öffentlich nur die Philanthropin und Impact-Investorin Monique Bär, eine Nachfahrin des Bankengründers Julius Bär, sowie den aus Tirol stammenden Impact-Investor Charly Kleissner.
Trend zu mehr Impact
Der Ansatz der Alia-Bank ist zwar radikal, doch insgesamt zeigt sich ein klarer Trend: Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Entscheidungskriterium bei Kreditvergaben. Florian Klimscha sagt: „Der Blick der Banken auf die Geschäftsmodelle ihrer Kunden ist heute völlig anders als noch vor fünf Jahren.“
Johannes Ortner, der derzeit hauptberuflich ein Beratungsunternehmen führt, sieht geopolitische Entwicklungen als Beleg dafür, dass ein Umdenken im Wirtschaftsmodell notwendig ist und Europa – insbesondere Österreich – energiepolitisch unabhängiger werden muss. „Die Bonifizierung solcher Vorhaben sollte nicht erst durch eine Start-up-Bank wie Alia angestoßen werden, sondern Common Sense sein.“
Ein „konsequentes Bankgeschäftsmodell wie Alia“ könne daher zusätzliche Investoren anziehen. Ortner erwartet „eine kleine Revolution im Finanzsektor“: Die Rendite bleibe wichtig, werde jedoch künftig stärker durch die Komponente der Wirkung ergänzt.

Autor
ist Autorin für den Börsianer Grün.
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