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Gastkommentar
Perspektiven

Impact-Investing: Transformation statt Kosmetik

Die Finanzbranche feiert grüne Portfolios – und übersieht dabei, worauf es ankommt: Nicht die Farbe eines Investments entscheidet, sondern seine Wirkung.

Veröffentlicht

12.05.2026

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2 min
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Portrait of a smiling man in a blazer, labeled as a guest author for "Börsianer", described as founder, author, banker.
© Börsianer

Warren Buffett wird das Zitat zugeschrieben: „Jemand sitzt heute im Schatten, weil jemand vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“ Doch Hand aufs Herz: Welcher Investmentprozess fragt heute ernsthaft, in welchem Schatten unsere Enkel sitzen werden? Die Finanzbranche hat „Grün“ entdeckt. ESG-Fonds sprießen wie Pilze, Nachhaltigkeits­ratings boomen, und die Assets under Management in „grünen“ Produkten erreichen Rekordwerte. Glückwunsch. Aber haben wir damit wirklich etwas gewonnen – oder nur Anlagekategorien umetikettiert?

Die Wirkung zählt

Der Elefant im Raum ist: Wir stellen die falsche Frage. Nicht „In welche grüne Kategorie soll ich investieren?“ sollte am Anfang stehen, sondern „Welche Wirkung will ich in der Welt erzielen?“. Das klingt nach semantischer Haarspalterei? Mitnichten. Es ist der Unterschied zwischen Kosmetik und Transformation.

Der traditionelle Investmentprozess kennt Input und Output: Kapital rein, risikoadjustierte Rendite raus. Fertig. Was aber fehlt, sind zwei entscheidende Dimensionen: Outcome, also das tatsächliche Ergebnis in der realen Welt, und Impact, die langfristige Wirkung auf Gesellschaft und Ökosysteme. Solange wir diese Dimensionen ignorieren, betreiben wir bestenfalls aufgeklärtes Greenwashing.

Warum wir bei ­Investments von ihrer Wirkung aus denken müssen.
Friedhelm Boschert

Die „Good Ancestors“-Bewegung macht es vor: Sie erinnert daran, dass auch kommende Generationen Anspruch auf eine lebendige Welt haben. Sie denkt deshalb von der gewünschten Wirkung her - rückwärts. Denn wir entscheiden heute, welche Welt wir den kommenden Generationen hinterlassen. Mit jedem einzelnen Euro, den wir investieren, entscheiden wir: Welche Zukunft will ich erschaffen, welche Wirkung möchte ich erzielen? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, folgt die Investitionsentscheidung. Das ist keine Moralpredigt, sondern strategische Klugheit. Mark Carney, ehemaliger Chef der Bank of England, warnte bereits 2015 vor der „Tragedy of the Horizons“: Die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels liegen jenseits der Zeithorizonte, die in unseren Investmentmodellen existieren. Die Kosten treffen die Zukunft, die Anreize regieren die Gegenwart. Und das ist die Tragödie.

Wie messe ich?

Die provokante Wahrheit: Wer ernsthaft wirkungsorientiert investieren will, muss bereit sein, die Spielregeln radikal zu ändern. Das bedeutet nicht, auf Rendite zu verzichten – im Gegenteil. Langfristig orientierte Investments mit echtem Impact sind oft die stabileren. Aber es bedeutet, die Bewertungslogik umzudrehen: Nicht „Wie grün kann mein Portfolio sein, ohne Rendite einzubüßen?“, sondern „Welche Wirkung in welcher Zukunft strebe ich an, und wie finanziere ich diese nachhaltig?“. Für die Messung der Wirkung steht übrigens mit SROI, IRIS+ oder den SDG-Impact-Indikatoren heute schon ein umfangreicher Instrumentenkasten zur Verfügung.

Das ist also keine Romantik. Es ist jedoch die wahrscheinlich vernünftigste Form des Investierens. Denn: Vermögen, das Zukunft zerstört, mag kurzfristig Ertrag bringen, langfristig aber entwertet es die Welt, in der dieser Ertrag überhaupt noch etwas bedeutet. Grün ist vielleicht ein Anfang. Wirkung allerdings ist der Maßstab.

Zum Autor: Der gebürtige Deutsche lebt seit 28 Jahren in Österreich. Er ist Honorarprofessor an der IMC Krems und gründete vor zwei Jahren die Geld-Bildungs-Initiative Pogebix. Daneben engagiert er sich seit 2010 für den Social-Impact-Investor Oikocredit und als Autor. 2025 ist „Positives Geld für eine regenerative Welt“ im Haufe-Verlag erschienen
Friedhelm Boschert

Autor

Friedhelm Boschert

Gründer, Autor, Banker

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