Lupus-Fondsmanager: Wien hat noch viel Potenzial
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Herr Führer, was spricht aktuell für Investments in Small- und Midcaps, wo doch alle auf Big Tech fokussiert sind? – Franz Führer: Gerade weil zurzeit so viel Kapital in wenige große Tech-Werte fließt, lohnt sich der Blick auf die Nebenwerte besonders. Small- und Mid-Caps reduzieren das Klumpenrisiko im Portfolio, sie diversifizieren über verschiedene Branchen hinweg und sind gegenüber Large Caps historisch deutlich unterbewertet. In den vergangenen Jahren wurden gute Unternehmensergebnisse häufig nicht in steigende Kurse übersetzt. Doch die Substanz stimmt: Die Ergebnisse sehr vieler Unternehmen sind solide und die Ausblicke haben sich verbessert. Bei den Nebenwerten in Europa gibt es außerdem einige Zulieferfirmen, die vom Big-Tech-Boom stark profitieren. Deshalb haben wir zum Beispiel die Aktie des österreichischen Halbleiterherstellers AT&S hoch gewichtet. Sie war in diesem Jahr bisher einer der besten Performancetreiber.
Wie war die Performance des Lupus alpha All Opportunities Fund in den vergangenen zwölf Monaten? – Franz Führer: Seit Anfang September 2025 liegen wir bei einem Plus von rund 21 Prozent, seit Jahresbeginn bei etwa 15 Prozent. Nach Kosten wohlgemerkt.
Was sind die wichtigsten Kriterien bei der Aktienauswahl? – Franz Führer: Wir schauen auf strukturelle Trends, die Marktposition eines Unternehmens und die Qualität des Managements. Unser Fokus liegt auf Small & Mid Caps aus ganz Europa, vereinzelt investieren wir auch in Micro oder Large Caps und in alternative Instrumente wie Wandelanleihen. Insgesamt stehen mehr als 2000 Einzeltitel zur Auswahl. Diesen Long-Only-Kern ergänzen wir bewusst mit opportunistischen Trades – daher auch der Name des Fonds. Wir wählen solche Unternehmen aus, die vom Markt unterbewertet sind, und die in einer besonderen Situation stecken. Das kann bedeuten, dass wir gezielt in eine Aktie investieren, wenn ein Squeeze Out oder ein Spin-off bevorsteht.
Warum sind Sie stark engagiert in österreichischen und italienischen Werten? – Franz Führer: Italien macht bei uns aktuell rund 26 Prozent aus, Österreich etwa 18 Prozent. Beide Märkte bieten eine hohe Dichte an substanzstarken, oft unterbewerteten Familienunternehmen. Wir treffen hier viele spezifische Entscheidungen für Einzeltitel und schauen uns die Branchen und Länder genau an. Aus Österreich haben wir gerade zwei Versicherungen im Portfolio, Uniqa und Vienna Insurance, die in Osteuropa sehr gut aufgestellt sind und dort starkes Wachstum verzeichnen. Andritz, Do&Co und Strabag haben wir als „Evergreen“ schon lange im Portfolio. Bei Frequentis sind wir sehr früh eingestiegen, als der Markt die Story noch nicht entdeckt hatte.
Was sind die größten Positionen im Fonds, welche Titel sehen Sie als besonders aussichtsreich an? – Franz Führer: Wir schauen ja besonders auf strukturelle Trends und auf einzelne Spezialfälle. Zu den aktuell größten Positionen gehört zum Beispiel Metlen, ein griechischer Energie- und Metallkonzern, der die einzige vollständig vertikal integrierte Produktionskette für Bauxit, Aluminiumoxid und Primäraluminium in der EU betreibt. Metlen profitiert von den angekündigten Investitionsplänen bei Energieinfrastruktur und hat auch früh einen Rüstungsbereich aufgebaut. Semperit aus Österreich ist dagegen ein klassischer „Special Case“. Ein neues Management hat das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld umgekrempelt, ausgemistet und komplett neu aufgestellt. Und auch Tesmec ist eine klassische Turnaround-Story. Das italienische Unternehmen ist im Bereich Energie- und Bahninfrastruktur tätig und profitiert vom langfristigen Infrastruktur-Trend.
Spielen Dividenden bei der Auswahl der Aktien eine Rolle? – Franz Führer: Nein, überhaupt nicht. Für uns zählt das Kurspotenzial, nicht die Ausschüttung.
Wie profitieren kleinere Spezialisten von KI und wessen Geschäftsmodelle sind bedroht? – Franz Führer: Zu den größten Profiteuren gehören sicher die „Picks and Shovels“ des KI-Booms, also die Zulieferer der großen Tech-Konzerne. Dazu zählen Halbleiterspezialisten wie eben AT&S, Anbieter von Kühl- und Energietechnik für Rechenzentren aber auch Unternehmen aus der Strom- und Netzinfrastruktur. Der enorme Energiehunger der KI gibt strukturellen Rückenwind, von dem auch viele Nebenwerte profitieren, die auf den ersten Blick gar nichts mit KI zu tun haben. Aber auch Unternehmen aus anderen Branchen wie Software oder Medizin- und Biotechnologie können profitieren, wenn sie KI konsequent in ihren Prozessen verankern und sich damit Wettbewerbsvorteile sichern. Unter Druck geraten Unternehmen mit austauschbaren Dienstleistungen oder Produkten. Aber die hatten es schon immer schwer, KI verstärkt den Trend nur.
Werden wir in Zukunft mehr Delistings bei den Nebenwerten sehen? – Franz Führer: Das sehen wir bereits heute. Gerade in Italien beobachten wir vermehrt Delistings von soliden, kleinen Familienunternehmen, die schlicht unterbewertet sind. Das ist immer auch ein Spiegelbild der aktuellen Marktlage und passt somit ins Bild, dass es hier übersehene Perlen gibt.
Was sind die größten Kurstreiber, was die größten Risiken bei Nebenwerten? – Franz Führer: Generell stehen kleinere und mittlere Unternehmen unter Druck durch die steigenden Zinsen. Zudem haben sie eine höhere Konjunktursensitivität. Die großen Kurstreiber sind der aktuelle KI-Boom, aber auch die Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Diese Trends sind aber auch schon ziemlich gepreist vom Markt. Performancetreiber für unseren Fonds sind vor allem neue Trends. Griechenland ist zum Beispiel so ein Fall. Das Land wird vom Schwellenland zum Industrieland hochgestuft, mehrere griechische Unternehmen werden deshalb in den Stoxx 600 aufgenommen. Da ergeben sich neue Opportunitäten am Markt.

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Korrespondent Deutschland
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