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Mehr als Dividenden: Öbag nimmt Beteiligungen in die Pflicht

Der Wirtschaftsminister wünscht sich Leitbetriebe, inklusive wettbewerbsfähigem Ökosystem. Was das für die Dividendenzahlungen der Öbag-Beteiligungen bedeutet, wird sich zeigen.

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23.04.2026

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Wie immer für dich aus der Hüfte geschossen: Wolfgang Hattmannsdorfer und Edith Hlawati bei der heutigen Präsentation der neuen Öbag-Strategie.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmansdorfer war heute - wie immer - sehr eloquent als er gemeinsam mit der noch bis Jänner 2027 im Sattel sitzende Öbag-Chefin Edith Hlawati die neue Strategie der Österreichischen Beteiligungs AG (Öbag) präsentierte.

"Unsere Beteiligungen der Staatsholding sollen mehr als nur Dividendenbringer sein. Ich wünsche mir, dass die Öbag-Unternehmen eine standortpolitische Verantwortung und Entwicklung übernehmen. Rund um jeden Leitbetrieb soll sich ein Vorzeige-Ökosystem aus Start-ups und Scale-ups entwickeln. Die Verbund AG mit XVentures ist bereits so ein Vorzeigebeispiel", sagte Wolfgang.

Das Ziel ist also nicht mehr Verstaatlichung, sondern bestehende Beteiligungen weiterzuentwickeln.

Wolfgang und Edith sehen besonders im Bereich der Energie (Speicher aufbauen, Bezugsquellen und Lieferketten diversifizieren), in einer europäischen Cloudlösung made in Austria oder auch Austauschplattformen für KI-Anwendungen Handlungsbedarf. Für die aktivere Beteiligungsarbeit sollen auch bestehende Kontakte wie etwa zu Adnoc (ist an der OMV AG und Borouge International beteiligt) im Nahen Osten genutzt werden.

Ökosystem auf Kosten von Dividende?

Wie diese spannenden Pläne gelingen sollen ohne die Dividende für den Staat zu kürzen - so ein Aufbau eines Ökosystems gibt es ja nicht umsonst - konnten mir weder Wolfgang noch Edith beantworten. Aber noch ist dieses Dilemma ja nicht schlagend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Finanzminister Markus Marterbauer auf einen Cent der Dividende verzichten will. 2025 waren es 1,26 Milliarden Euro.

Edith betonte einmal mehr mit Blick auf Wolfgang, dass die Öbag in ihrer Arbeit "unabhängig von Partei- und Tagespolitik sowie kurzfristigen Zielen agieren muss". Sie ist seit 35 Jahren in verschiedenen Rollen (zuerst als Anwältin, dann Aufsichtsrätin und zuletzt Eigentümerin) in der Öbag aktiv.

"25 Jahre war die Öbag im Finanzministerium, das war nur an der Dividende interessiert. Mit der neuen Strategie unter dem Dach des Wirtschaftsministeriums werden wir jetzt noch aktiver mitgestalten", sagte Edith.

Übrigens: Du erinnerst dich bestimmt, dass die Öbag vor ein paar Jahren dran war, bei der AT&S AG einzusteigen. Das hat damals nicht geklappt, weil sich Aktionär Hannes Androsch quergelegt hat. Direktinvestitionen sind nicht ausgeschlossen, sagt Edith, "die Öbag ist aber nicht dazu da, Betriebe in Schieflage aufzufangen", sagt Wolfgang.

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