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Roadshow

Börsianer Roadshow: Chancen trotz Krisen

Bei der 73. Börsianer Roadshow in Linz diskutierten Investmentprofis über den KI-Boom, geopolitische Risiken, Europas Börsenpotenzial und die Gewinner der globalen Elektrifizierung.

Veröffentlicht

08.10.2026

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4 min
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Four men in business attire stand at high tables with microphones, speaking at a Borsianer Roadshow event, with attendees seated in front.
© Martin Eder
Sind die Börsen unverwundbar? Die Invest-Experten auf der Roadshow in Linz gaben einige Argumente dafür, dass im Markt noch Potenzial ist. Bei allen Sorgen.

Angst oder Euphorie, wo stehen wir wirklich und wie krisenfest sind die Märkte bei all den täglichen Bad News? Jan-Christoph Herbst, Senior Portfoliomanager von Laiqon bringt es rational auf den Punkt. Einige Märkte bergen seiner Meinung gute Chancen. Die Gewinnsituation bei großen Indizes wie dem S&P 500 ist solide, das Wachstum „entwickelt sich gerade fantastisch“, und Halbleiter sowie Speicherchips liefern „sehr, sehr dynamische Entwicklungen“. Gleichzeitig weckt die aktuelle Lage aber auch Erinnerungen an die Dotcom-Blase der Jahrtausendwende. Positiv: Der S&P 500 notiert mittlerweile am unteren Band seines Bewertungsperzentils der letzten acht bis zehn Jahre. Herbst sieht keinen Grund, aufgrund geopolitischer Krisen oder Inflations- und Zinsängsten aus Aktien zu gehen: „Angst bietet aber auch immer Chancen.“

A man in a suit speaking into a microphone at the Borsianer Roadshow event, with company logos displayed on a backdrop.
© Eder
Wo Angst, da auch Chancen, sagt Jan-Christoph Herbst, Senior Portfoliomanager von Laiqon.

Stefan Löwenthal, CIO Multi-Asset von Nomura, sieht KI „in den Kinderschuhen“ und damit noch enormes Potenzial. Jan-Christoph Herbst warnt vor zu eindimensionalen Portfolios und plädiert für mehr Asien-Gewichtung. David Krahnenfeld, Leiter Vertrieb Wholesale von Ampega, setzt auf europäische Dividendentitel und staatliche Investitionsprogramme als Kurstreiber.

KI-Boom: Wer kassiert?

Die KI-Investitionen sind beeindruckend, und sie wachsen. Herbst rechnet für 2026 mit Datacenter-Investitionen von 900 bis 950 Milliarden US-Dollar, inklusive Leasing. Nächstes Jahr? „Werden wir mit Sicherheit über die 1000 Milliarden, also über die Trillion US Dollar gehen.“ Zum Jahresbeginn hatte der Markt noch rund 400 Milliarden erwartet. Das entspricht einem Wachstum von über 80 Prozent. Sprich: Die Analysten unterschätzen das Wachstum jetzt schon das vierte Jahr in Folge. Wer profitiert? Löwenthal nennt die Betreiber von Datacentern und die Downstream-Infrastruktur, also Energieversorgung und Netzausbau. Herbst sieht die Hyperscaler wie AWS, Google und Microsoft als langfristige Hauptgewinner: Sie schaffen es, Kunden so tief in ihr Ökosystem einzubinden, dass ein Ausstieg kaum mehr möglich ist. Frontier-Modelle von Anbietern wie OpenAI oder Anthropic hingegen verbrennen Geld und werden laut Herbst nicht alle überleben.

Two men in suits stand at a round table, one speaks into a microphone, with a "Borsianer Roadshow" banner behind them.
© Eder
David Krahnenfeld, Leiter Vertrieb Wholesale von Ampega und Stefan Löwenthal, CIO of Multi-Asset von Nomura, haben bei den Chancen in Europa unterschiedliche Meinungen.

Europa & Emerging Markets

Krahnenfeld sieht Europa als interessanten Investment Case, und das, obwohl die Wirtschaft bei uns nicht gerade in den Himmel wächst. Die EZB prognostiziert 0,6 Prozent für 2026 und 1,4 Prozent danach. Günstige Bewertungen, starke Dividendenrenditen und staatliche Investitionsprogramme sprechen für europäische Titel: Deutschland pumpt ein Sondervermögen in Verteidigung und Infrastruktur, die EU stellt 850 Milliarden Euro für Elektrifizierung und Netzausbau bereit. Krahnenfeld nennt ASML als europäischen Champion: das wertvollste Unternehmen Europas nach Börsenkapitalisierung. Löwenthal bleibt skeptischer. Herbst ist in seinem Portfolio bewusst in Europa untergewichtet: nur rund 10 Prozent, dafür 40 Prozent Asien. Sein Argument: Wachstumsaktien mit 15 bis 20 Prozent Umsatzwachstum findet man in Europa schlicht seltener.

Geopolitik, Zinsen, Währungsvertrauen – die Risiken sind real. Herbst warnt daher vor einem zu eindimensionalen Portfolio: Der MSCI World hat 70 bis 80 Prozent US-Aktien! China macht fast 25 Prozent des globalen BIP aus, steckt aber nur mit 2 bis 3 Prozent im MSCI All Country World Index. Aufholpotenzial, das man nicht verpassen sollte. Krahnenfeld sieht politische Fliehkräfte in Europa als unterschätztes Risiko. Stichwort: Frankreich. Löwenthal nennt ein konkretes Kurzfristszenario: Wenn die großen Hyperscaler bei den Quartalszahlen Ende Oktober nur 10 statt 30 Prozent Wachstum melden, „dann glaube ich zu einem riesen Problem.“ Herbst blickt langfristiger: Die Glaubwürdigkeit des Dollars und des Euros hat durch steigende Schulden, Gelddrucken und geopolitische Konflikte gelitten. Der Goldpreis spiegelt diese Unsicherheit wider. Schwellenländer-Zentralbanken reagieren bereits und richten ihre Reserven neu aus.

Karl Schäcke von Asta Energy blickt auf einen erfolgreichen IPO zurück.

Investmentstory Asta Energy

Neben der Investorenrunde präsentierte Karl Schäcke, CEO der Asta Energy Solutions AG, eine bemerkenswerte Story. Das österreichische Unternehmen mit Stammsitz in Öd südlich von Wien produziert hochwertige Kupferkomponenten für Leistungstransformatoren und beliefert damit Übertragungsnetze weltweit. Siemens Energy hält 6 Prozent und forderte eine Kapazitätsverdopplung am österreichischen Standort. Diese wurde durch den Erlös des heurigen IPOs in Frankfurt von 125 Millionen Euro finanziert. Was folgte: Seit dem Börsengang Ende Jänner 2026 steht Asta Energy bei plus 50 Prozent. Die EBITDA-Marge liegt auf Anarbeitungsbasis bei 36,7 Prozent - "und ist um mehr als 60 Prozent höher als beim Mitbewerb", sagt Schäcke- , die Guidance für 2026 lautet bis zu 64 Millionen Euro EBITDA gegenüber rund 10 Millionen vor fünf Jahren. Der Umsatz nähert sich der Milliarde: Für 2026 erwartet Schäcke rund 890 Millionen Euro. Sechs Werke auf vier Kontinenten, 1.600 Mitarbeiter, Langzeitverträge bis 2032 und ein Supercycle in der Elektrifizierungsinfrastruktur, der laut Schäcke noch lange nicht endet: „Im Jahr 35 wird die Nachfrage nach Hochleistungstransformatoren höher sein als das Angebot.“ Übrigens: Im Trafo von Notre Dame ist das Kupfer von Asta Energy drin.

Die besten Bilder des Abends gibt es hier!

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