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Börsianer Watchlist: Ein bisschen viel Tacheles

Frankreich-ähnliche Zustände in Wien, Feuerprobe für die neue OMV-Chefin, starke Quartalszahlen von Erste Group und Amag, Rücktritt der EZB-Präsidentin und ein Bitcoin-Jubiläum.

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30.10.2026

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© Börsianer/KI optimiert

Mein Friseur hat von der Wirtschaftskammer ein E-Mail mit einer Warnung vor Frankreich-ähnlichen Zuständen in Wien morgen Samstag (Weltspartag!) bekommen. Du weißt schon, eingeschlagene Schaufenster, Plünderungen und dergleichen. Es soll eine unangemeldete Demo von Studenten und Schülern geben. Eine kurze Umfrage unter der jüngeren Generation, zu der ich geflissentlich Kontakt pflege, hat mir die Demo bestätigt mit der Erklärung, es gehe darum, Solidarität zu zeigen mit all jenen Jungen, die aktuell keine Einstiegsjobs mehr bekommen, weil diese Jobs jetzt von der KI übernommen wurden. Ich muss das jetzt einmal verarbeiten. Wieso dafür Scheiben eingeschlagen werden müssen, verstehe ich nicht.

Man bringe den Spritzwein!

Ebenfalls am 31. Oktober, rechtzeitig zum Weltspartag, feiert sich die Bitcoin-Community, denn, so wie mir Bitpanda-CEO Christian Trummer sagt, jährt sich da die Veröffentlichung von Satoshi Nakamotos Bitcoin-Whitepaper zum 18. Mal. Das Whitepaper gilt als das Fundament für die gesamte Krypto-Bewegung. "Vor 18 Jahren veröffentlichte Satoshi Nakamoto neun Seiten über eine neue Art von Geld: von Grund auf knapp und ohne Umweg über Dritte übertragbar. Seitdem hat sich viel getan. Banken bieten Bitcoin ihren Kundinnen und Kunden an, und Europa hat den Markt rundherum reguliert. Bitcoins eigene Regeln sind gleich geblieben: 21 Millionen, keine Ausnahmen." Schau, Jubiläen sind immer cool, es gibt was zum Feiern und Menschen sind glücklich, dass es sie noch gibt. Wer von Anfang an dabei war, und Christian war früh an Bord, hat sich mit Bitcoin ein kleines Vermögen aufgebaut. Chapeau! 

"Die Debatte, ob Bitcoin ins Finanzsystem gehört, ist beendet. Entscheidend ist jetzt, wer die Zukunft dieses Systems baut – und das sollte Europa nicht anderen überlassen”, fordert Christian.

Passt irgendwie auch dazu: Auf die Krypto-Wertpapierbörse Binance gab es einen Hacker-Angriff inklusive Krypto-Diebstahl, mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar sind eingefroren.

Feuerprobe bestanden

Emma Delaney hatte gestern, am 29. Oktober 2026, ihre erste Feuerprobe als neue Vorstandsvorsitzende der OMV AG, als sie sich den Fragen der Analysten zum Q3-Ergebnis stellte. Von den Zahlen her ist es ein fulminanter Start für Emma (obwohl sich Analysten mehr erwartet hatten). Die hohen Öl- und Gaspreise sowie die gestiegenen Raffineriemargen machen das Q3-Ergebnis der OMV AG fast automatisch hervorragend, in Marketingkampagnen wird ebenfalls kräftig investiert. Früher hätte man gesagt, es rollt der Rubel, das geht in der heutigen Zeit nicht mehr. Fragen zu einem Strategie-Update lies Emma unbeantwortet, "it is a bit early, but we do have to do some work" war öfter zu hören. Spannend fand ich, dass Finanzvorstand Reinhard Florey fast alle Fragen zur Chemiesparte übernahm (er rechnet damit, dass die Beteiligung an Borouge International 2027 die gesamte Minimumdividende bringen wird, 2026 wird nur die Hälfte gezahlt). 

Das nächste große und sicher wegweisende Projekt der OMV AG ist die Inbetriebnahme des Offshore-Gasfeldes Neptun Deep in Rumänien 2027, dort hält die Tochter OMV Petrom 50 Prozent. "Es wird genug Gas für Rumänien und darüber hinaus für weitere Länder in Europa geben", sagte Emma, die auch meinte, dass sie bis jetzt noch "nie so hohe Raffineriemargen erlebt hat, wie jetzt im Q3". Die OMV-Aktie ist heuer übrigens mit 56 Prozent Plus fünfbeste Aktie im ATX Prime.

EZB braucht neue Spitze

Das wars! EZB-Präsidentin Christine Lagarde gibt ihr Amt vorzeitig (im Februar 2027) ab und wird sich - so die Überlegungen - an Frankreichs frei werdendem Präsidentenamt versuchen. Zum Abschluss hat sie die Zinsen in der Eurozone bei 2,5 Prozent belassen. Mein Resümee: Viel bewegt hat sie nicht. Auch US-Notenbankchef Kevin Warsh rüttelte nicht am Zinssatz, dieser bleibt bei 3,5 bis 4 Prozent.

Splitter

  • Die Erste Group Bank AG hat heute starke Q3-Zahlen präsentiert. Am Montag startet ein Übernahmeangebot der Bankengruppe für bis zu weitere 26 Prozent an der Erste Bank Polska. Die Erste Group will maximal knapp unter 75 Prozent an der polnischen Tochter halten. Mehrere Zahlen sind mir ins Auge gestochen: der Zinsüberschuss ist von 1,975 Milliarden (Q3 2025) auf 2,872 Milliarden Euro (Q3 2026) gestiegen, das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 7,37 Euro. Die Bankensteuern sind in den ersten drei Quartalen von 284 auf 529 Millionen Euro gestiegen. Und: Die Integration des polnischen Assetmanagers Erste TFI hebt das verwaltete Vermögen der Erste Asset Management auf 120,3 Milliarden Euro.

  • Wenn ich die jüngste Korrektur an den Börsen mit Gelassenheit nehme - "es kann nicht wie eine Einbahnstraße immer nach oben gehen", hat Fritz Mostböck (Erste Research) im Börsenradio gesagt - ist auch die Stimmung bei vielen anderen ATX-Unternehmen richtig gut. Das hat auch mit den Zahlen zum dritten Quartal zu tun, die etwa bei der Amag Austria Metall AG sehr erfreulich ausgefallen sind. Unterm Strich blieb ein Gewinn über die ersten drei Quartale von 95,5 Millionen Euro (2025 waren es 37,7 Millionen Euro). Kann was! Bei der Andritz AG erreichte der Auftragsbestand mit 12,73 Milliarden Euro den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte - ich sage nur Wasserkraftwerke! -, die Zahlen waren solide und Vorstandschef Joachim Schönbeck verspricht, den "hohen Auftragsstand in profitables Wachstum umzusetzen".

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Börsianer Insider

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