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Watchlist: Cash oder Chaos

Während die Lenzing AG von einem Investor im Stich gelassen wird stärkt die AT&S AG ihre Finanzlage. Verspätete Zahlungen, steigende Anleiherenditen und wachsende EU-Schulden setzten die Wirtschaft unter Druck.

Veröffentlicht

09.10.2026

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Bei der Lenzing AG sind derzeit gute Antworten auf laufende Probleme gefragt. Hat der Partner Suzano das Interesse verloren? Oder wartet er ab, ob es Lenzing künftig billiger zu haben gibt.

Gar nicht locker sitzt überraschenderweise der Geldbeutel bei Lenzing-Großaktionär Suzano. Denn die Südamerikaner ziehen bei Lenzings Kapitalerhöhung nur teilweise mit: Der brasilianische Zellstoffkonzern investiert rund 22,5 Millionen Euro frisches Kapital, verkauft jedoch einen Teil seiner Bezugsrechte an die B&C-Gruppe. Dadurch sinkt sein Anteil von 15 auf rund 12,6 Prozent, während B&C auf rund 39,64 Prozent aufstockt. Hier mehr dazu. Das könnte darauf hindeuten, dass Suzanos Interesse an Lenzing nachgelassen hat – zumal der Konzern eigentlich die Option besitzt, bis Ende 2028 seine Beteiligung mit bis zu 15 Prozent der Anteile von B&C zu erweitern. Statt auszubauen, lässt Suzano seinen Anteil vorerst verwässern. Die Kapitalerhöhung läuft noch bis 20. Oktober. Die Aktie gab zuletzt stark nach. Die Bezugsrechte für die Kapitalerhöhung (Bezugspreis von 8,65 Euro) wurden gestern nahe null Euro gehandelt. Die Investoren sind also skeptisch.

Verfall! Die Lenting AG hat seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent des Wertes eingebüßt.

Vorzeitige Rückzahlung

Gut wenn es so gut läuft wie bei der AT&S AG. Das in Leoben ansässige Unternehmen findet mittlerweile, dass die Wiener Börse für seine Ansprüche zu klein geworden ist. Jetzt kündigte das Management auch noch an, die ausstehende Hybridanleihe aus 2022 mit einer Nominale von 350 Millionen Euro bereits am 22. Oktober 2026 vorzeitig zurückzuzahlen. Dies ist ein „Ausdruck unserer deutlich verbesserten Liquiditätsposition“, sagt CFO Gerrit Steen. Die Investoren freuen sich, dass Cash fließt.

Mit der Zahlungsmoral geht’s derweil bergab: Wurde 2025 noch jede sechste Rechnung zu spät bezahlt, ist es 2026 bereits jede fünfte, zeigt eine aktuelle KSV1870-Umfrage. Firmenkunden lassen sich mit 29 Tagen mittlerweile vier Tage länger Zeit als im Vorjahr, während nur noch 42 Prozent der Betriebe mit ihrer Geschäftslage zufrieden sind. Das ist ein Tiefstand seit der Coronakrise. Ausgerechnet die Privatkunden zeigen, wie’s geht: Sie zahlen ihre Rechnungen im Schnitt nach 13 Tagen und damit zwei Tage schneller als im Vorjahr. Wieso wir das beachtlich finden? Was beim einen ein paar Tage mehr Zahlungsfrist sind, kann beim anderen schon die Existenzfrage auslösen. Der Liquiditätsdruck auf die heimischen KMU wird damit größer. Wenn Rechnungen später gezahlt werden, ist das kein gutes Zeichen.

Teil der EU-Ausgaben fehlerhaft

Auch Brüssel hat ein Thema mit dem lieben Geld. Da geht es aber nicht nur um den Finanzrahmen, der gerade verhandelt wird. Laut dem Europäischen Rechnungshof waren 2025 ganze 3,8 Prozent der EU-Ausgaben fehlerhaft, auch beim milliardenschweren Corona-Aufbaufonds lief längst nicht alles nach Vorschrift. Gleichzeitig wächst der Schuldenberg und könnte bis 2027 die Billionen-Euro-Marke knacken. Allein die Zinsen könnten den nächsten EU-Haushalt mit bis zu 93 Milliarden Euro belasten.

Neu als österreichisches Mitglied im Europäischen Rechnungshof ist übrigens der Ex-Neos-Politiker Gerald Loacker. Er sieht vor allem bei Kontrollen, klaren Förderzielen und der Überwachung der Mittelverwendung Nachholbedarf. Ein Beispiel gefällig? Wenn wir etwa den Bau eines Windparks fördern, muss klar definiert sein, wann das Projekt fertig ist. Wenn das Windrad steht oder erst wenn es Strom liefert. Eigentlich unverständlich, dass das noch nicht immer klar geregelt ist. Österreich bezeichnet Gerald übrigens dezidiert als „kein Sorgenkind“. Apropos: Österreich hat bis Ende 2025 rund 84 Prozent der ihm zustehenden Corona-Aufbaufonds-Mittel abgerufen und liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 66 Prozent. Bei den klassischen EU-Fördermitteln zeigt sich hingegen ein anderes Bild: In der laufenden Förderperiode 2021 bis 2027 lag die Mittelausschöpfung Österreichs mit 13,3 Prozent unter dem EU-Durchschnitt von 16,6 Prozent. Dalli, dalli, es gibt noch Förderungen abzuholen!

Österreich muss für frisches Geld tiefer in die Tasche greifen: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte auf 3,76 Prozent, zwei Basispunkte mehr als zuletzt. Schuld ist auch die Nervosität rund um Frankreichs Staatsfinanzen, die Europas Anleihemärkte unter Druck setzt.

Wir müssen klar hinsehen, was für uns und für Europa in der Ukraine auf dem Spielt steht. Europa ist keine Kriegspartei. Wir sind hybrid unter Beschuss durch Russland. ­
Beate Meinl-Reisinger
Außenministerin Österreich, bei einer Diskussion im Salon Z

Was sonst noch los war

  • oestalpine AG und Verbund AG haben ihre Wasserstoffpilotanlage H2Future in Linz um 16,4 Millionen Euro erweitert und machen grünen Wasserstoff damit erstmals speicher- und transportfähig. Der Haken: Mit Produktionskosten von sieben bis neun Euro pro Kilo statt der erhofften zwei bis drei Euro bleibt die Wasserstoffwende vorerst ein teures Geschäft. Wann grüner Wasserstoff mit zwei bis drei Euro pro Kilogramm wirtschaftlich konkurrenzfähig wird, ist allerdings noch offen. Bis 2050 will die Voestalpine klimaneutral Stahl produzieren.

  • Der deutsche Neobroker Scalable Capital macht Österreichs Banken Konkurrenz und eröffnet eine eigene Niederlassung in Wien. Das inklusive österreichischer IBAN und steuereinfach – womit das lästige Steuererklären für Anleger entfällt. Logisch, dass man auch beim geplanten Zukunftsdepot mitmischen will. Dafür muss die Politik freilich erst grünes Licht geben, und das kann noch dauern.

  • Bei der FMA-Aufsichtskonferenz war das Thema Cybersecurity in aller Munde. Gerade im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz (KI) kommt hier auf die Finanzbranche ein ordentlicher Brocken an Risikomanagement zu. Der designierte FMA-Vorstand Oliver Schütz ließ durchblicken, dass eine abgespeckte Aufsicht zukünftig auch in seinem Sinne ist.

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