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Watchlist: Zukunft schaumgebremst

Zwischen Zukunftsdepot mit angezogener Handbremse, Europas KI-Chancen und SpaceX-Euphorie zeigt sich diese Woche vor allem eines: Gute Ideen gibt es genug, bei der Umsetzung wird es spannend.

Veröffentlicht

23.10.2026

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4 min
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Viel los war diese Woche am Kapitalmarkt.

Die Ausgestaltung des geplanten Zukunftsdepots sorgt für Aufregung in Österreich. Von der Idee richtig, sagte RBI-Chef Michael Höllerer (ihn siehst du im Foto ein bisserl träumend mit Erste-Group-Chef Peter Bosek am Mikro) beim Oktogon Business Club, “aber wenn dann wieder Sparen mit Bundesschatz vorgeschlagen wird, braucht man nicht mehr weiterreden”. Enttäuscht ist auch der Interessensverband für Anleger, da ein Investment in Einzelaktien nicht erlaubt sein wird: “Die Regierung will eine Aktienkultur schaffen, verbietet jungen Anlegern aber ausgerechnet die Aktie. Aus einem mutigen Reformprojekt ist ein eng begrenztes Fondssparmodell geworden. Österreich braucht eine Vorsorgestrategie für das ganze Leben und nicht nur ein Sparprogramm mit Goodies bis zum 18. Geburtstag. Die horrende Versorgungslücke mit Blick auf die Pension bleibt unangetastet”, kommentiert Florian Beckermann die Pläne der Regierung. Fonds und ETF sowie Anleihen über Bundeschatz.at sind erlaubt, das verpflichtende Beratungsgespräch soll laut Christoph Pramhofer (Neos) auch online möglich sein - hier werden sich die Online-Broker etwas einfallen lassen müssen, damit sie von der Regierung nicht außen vor gelassen (“Pech gehabt”) werden. Problematisch finde ich, dass wenn man im Zukunftsdepot Bundeschätze mit Aktienfonds zur besseren Risikostreuung koppeln möchte (in 18 Jahren kann es auch Niedrigzinsphasen geben), das nicht möglich sein wird, da Banken Bundeschätze nicht anbieten und bei Bundesschatz nur die eigenen Staatsanleihen angeboten werden. Und den Ausgabeaufschlag (meist bis 5 Prozent) der Fondsprodukte habe ich noch gar nicht erwähnt, also von "kostenlos" kann da keine Rede sein! Derzeit ist das Zukunftsdepot in Begutachtung.  

Nvidia-Chef: Europa hat gute Karten im KI-Rennen

Hat Europa das KI-Wettrennen verloren? Nein, sagt Nvidia-Chef Jensen Huang. Auf der GTC-Technologiekonferenz in Berlin betonte er, Europa sei ein zentraler Akteur der entstehenden KI-Ökonomie und werde künftig eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz spielen. Der eigentliche KI-Wettlauf beginne erst jetzt: mit der sogenannten physischen KI, die Maschinen, Roboter und industrielle Prozesse intelligent macht. Huang vergleicht diesen Wandel mit einer neuen industriellen Revolution, in der Unternehmen eigene „KI-Fabriken“ aufbauen, die digitale Intelligenz für Anwendungen von der Medikamentenentwicklung bis zur Energieversorgung produzieren. Eine Sichtweise, die auch die DWS-Volkswirtin für Europa, Ulrike Kastens, bei ihrem Wienbesuch diese Woche unterstrich. “Die industrielle KI ist die nächste Welle der KI, wo Europa definitiv mitreiten kann.” Interessante Unternehmen sind etwa Schneider Electric, Siemens oder ABB, um nur einige Beispiele zu nennen.

Zahlen aus dem Weltall

Mit den jüngsten Quartalszahlen hat SpaceX nach seinem Börsengang erstmals tiefer Einblick in die Geschäftsentwicklung gegeben. Das Unternehmen liefert derzeit genau das, was Investoren sehen wollen: explosionsartiges Wachstum bei KI und Starlink. Alles gut? Morningstar warnt allerdings davor, Wachstum mit Werthaltigkeit zu verwechseln. Trotz einer Anhebung des Fair Value auf 70 US-Dollar gilt die Aktie als deutlich überbewertet. Es ist eine Wette, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen langfristig auch entsprechend rentieren werden.

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Das Märchen von einem Markt! Wir driften in Europa immer weiter auseinander und fesseln und würgen uns selbst. Ist das ein Selbstzerstörungswunsch? Die Politik hat mit ihrer Bürokratie keine Ahnung, was sie da tut.
Anette Klinger
Mitglied der Geschäftsführung der IFN Beteiligungs GmbH, bei der Merito Investmentkonferenz über die unterschiedlichen rechtlichen Anforderungen in der EU etwa beim Thema Umsatzsteuermeldung oder wirtschaftlicher Eigentümer.

­Splitter

  • Positiv finden wir, dass das Thema Made in EU im Vergaberecht künftig stärker verankert wird. In Österreich wurde jetzt die „Made in Europe“-Deklaration unterzeichnet. Staatsnahe Unternehmen wie ÖBB, APG, Post und Verbund wollen bei ihren Beschaffungen europäische Wertschöpfung, Qualität und Versorgungssicherheit stärker berücksichtigen. Klingt super! Muss natürlich noch mit Leben gefüllt werden. Die Initiative CEOs for Future fordert, dass in der Bauwirtschaft auf Qualität und Nachhaltigkeit sowie die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer stärker berücksichtigt wird. “Wer billig baut, baut teuer”, sagt Vergaberechtler Martin Schiefer. Klingt nach einer banalen Binsenweisheit. Allerdings werde selten berücksichtigt, dass bei Immobilien im Schnitt nur 30 Prozent der Kosten im Bau anfallen und 70 Prozent im Betrieb. Auch europaweit soll Made in Europe im Vergaberecht kommen. Da wird aber erst mit einem Verhandlungsabschluss Ende kommenden Jahres gerechnet.

  • Die Lenzing AG hat ihre Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt. 300 Millionen Euro geben dem angeschlagenen Faserunternehmen jetzt 3 Jahre Zeit, das Ruder rumzureißen.

  • Die Stimmung unter den KMU ist schaumgebremst. Die Kreditvergabe läuft nur schleppend, hat mir Erste-Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller erzählt.

  • OMV-Finanzvorstand Reinhard Florey hatte bei der Merito Investmentkonferenz kein Problem, Tacheles zu reden: "Wir brauchen sichere Energiequellen in Europa, das heißt, wir müssen alle Arten von Energie, die wir in Europa produzieren, sichern. Ein Reinheitsgebot können wir uns jetzt nicht leisten."

  • Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wird Finanzbildung messbar machen und baut ein Tool, mit dem die geplanten 7 strategischen Schwerpunkte (einzelne Ministerien sind verantwortlich) der Bundesregierung unter Federführung von BMF-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl auf ihren Nutzen hinterfragt werden. So wird sich das Landwirtschaftsministerium um ökologische Veranlagungen bemühen, im Frauenministerium liegt der Fokus auf der Financial Literacy von Mädchen und Frauen.

Börsianer Insider

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Börsianer Insider

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