Triest: Chinas Tor zu Europa
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Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die Kräne am Hafen von Triest in goldenes Licht tauchen, entladen riesige Frachtschiffe Container aus China, Tanker pumpen Rohöl in kilometerlange Leitungen, und Güterzüge setzen sich in Richtung Österreich, Deutschland und Tschechien in Bewegung. Kaum ein anderer Ort in Europa zeigt so deutlich, wie eng globale Handelsströme, Energieversorgung und geopolitische Interessen miteinander verwoben sind wie der größte Seehafen Italiens.
Triest ist weit mehr als ein regionaler Umschlagplatz an der nördlichen Adria. Der Hafen gilt als eines der wichtigsten Tore Europas für Waren aus China und Asien im Allgemeinen und als zentrale Drehscheibe für die Energieversorgung Mitteleuropas. Rund 60 Millionen Tonnen Güter werden hier jährlich umgeschlagen. Etwa ein Viertel des gesamten italienischen Seeverkehrs läuft über Triest. Besonders bedeutend ist der Hafen als wichtigster Ölterminal des Mittelmeers. Über die mehr als 700 Kilometer lange Transalpine Pipeline (TAL) gelangt Rohöl von der Adria bis nach Österreich, Süddeutschland und Tschechien. Für viele Raffinerien in diesen Ländern ist Triest der wichtigste Zugang zu internationalen Energiemärkten.
Häfen als Chinas Logistikzentren
Doch nicht nur Öl macht den Hafen strategisch relevant. Seit Jahren steht Triest im Fokus Chinas. Im Rahmen der sogenannten Neuen Seidenstraße suchte Peking in den vergangenen Jahren nach europäischen Logistikzentren, über die chinesische Waren schneller in die Märkte Mittel- und Osteuropas gelangen können. Triest bietet dafür ideale Voraussetzungen: Der Hafen liegt näher am Suezkanal als die großen Nordseehäfen, verfügt über einen natürlichen Tiefwasserhafen und besitzt hervorragende Bahnverbindungen in Richtung Wien, München, Prag, Budapest und weiter nach Osteuropa. 2019 unterzeichnete Italien als erstes G7-Land ein Abkommen mit China zur Zusammenarbeit im Rahmen der Seidenstraßen-Initiative. Chinesische Unternehmen zeigten großes Interesse an Investitionen in Hafeninfrastruktur, Logistikzentren und Containerterminals. Zwar wurden viele ursprünglich geplante Beteiligungen später von der italienischen Regierung politisch überprüft oder eingeschränkt, doch der Hafen bleibt für chinesische Exporteure ein wichtiger Zugang zum europäischen Binnenmarkt.
Die Bedeutung von Triest weist dabei Parallelen zum Hafen Hamburg auf. Beide Häfen sind für China von besonderem Interesse, weil sie als logistische Knotenpunkte dienen. Hamburg gilt seit Jahren als Tor zur Welt für deutsche Exporte und Importe. Während Hamburg vor allem Nordeuropa versorgt, richtet sich Triest auf die Märkte Mittel- und Südosteuropas aus. Gemeinsam bilden beide Häfen wichtige Bausteine jener Handelsrouten, über die chinesische Produkte in Europa verteilt werden. Kein Wunder, dass der deutsche Hafenlogistiker HHLA, der den Hamburger Hafen verwaltet, auch einen Terminal in Triest betreibt. China ist über Cosco Shipping Ports mit 24,99 Prozent an der HHLA-Tochter Container Terminal Tollerort beteiligt.
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Warum Häfen für China eine so zentrale Rolle spielen, hat strategische Gründe. Wer Zugang zu bedeutenden Hafenanlagen besitzt oder dort langfristige Partnerschaften eingeht, sichert Lieferketten, verkürzt Transportwege und gewinnt politischen Einfluss. Für Peking sind Häfen deshalb nicht nur Umschlagplätze, sondern Teil einer globalen Infrastrukturstrategie. Auch die aktuellen Krisen im Nahen Osten unterstreichen die Bedeutung Triests. Die Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus und den Suezkanal zeigen, wie verletzlich internationale Lieferketten sind.
Gleichzeitig wächst dadurch die Bedeutung von Häfen, die über leistungsfähige Bahnverbindungen und alternative Logistikrouten verfügen. Der Hafen Triest profitiert von dieser Entwicklung. Mehr als 90 Prozent seiner Waren werden weiter nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Rund die Hälfte aller Container verlässt den Hafen bereits per Bahn.
Infrastruktur muss ausgebaut werden
Für Hafenpräsident Marco Consalvo (59) ist dies eine zentrale Stärke Triests. Trotz geopolitischer Spannungen, steigender Transportkosten und internationaler Unsicherheiten sieht er den Hafen auf Wachstumskurs (siehe Interview). Der Hafen Triest hat in den vergangenen Jahren die Bahnverbindungen in Richtung Europa stark entwickelt. Ein besonders wichtiges Projekt ist die neue Station in Servola mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro. Weitere Projekte haben längere Zeithorizonte, zielen aber darauf ab, die Anzahl der Gleise zu erhöhen, die Abfertigungsqualität zu verbessern und die Automatisierung der Prozesse im letzten Abschnitt bis zum Terminal auszubauen.
Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie den ÖBB ist für den Hafen Triest entscheidend. „Es geht darum, Infrastrukturplanung, Wartung und Betrieb besser zu koordinieren, damit Waren zuverlässig, schnell und kosteneffizient ihr Ziel erreichen“, meint Consalvo. Neben dem Warenhandel entwickelt sich auch der Kreuzfahrtsektor positiv. Aktuell verzeichnet der Hafen etwa 140 bis 150 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen pro Jahr, vor allem zwischen Mai und Oktober, mit rund 450.000 Passagieren. Hier besteht noch Wachstumspotenzial. —

Autor
Korrespondentin Italien
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