Gastkommentar

Zukunftsdepot: Einwände auf dem Prüfstand

Kaum ist das Zukunftsdepot angekündigt, sind die bekannten Reflexe wieder da: Es helfe vor allem Wohlhabenden, Aktien seien Spekulation, die ­Renditeannahmen unrealistisch. Diese Einwände verdienen eine Antwort. Einige treffen wichtige Punkte, andere verfehlen den Kern.

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11.10.2026

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"Irreführend ist die Behauptung, mit Aktien werde „gezockt“. Kurzfristige Wetten auf einzelne Kurse sind Spekulation. Langfristiges, breitgestreutes Investieren in Unternehmen ist Vermögensbildung", erklärt Christoph Boschan.

Beginnen wir mit der sozialen Frage. Ein Zukunfts­depot ersetzt selbstverständlich keine Politik gegen Kinderarmut. Wer heute jeden Euro für den Lebensunterhalt braucht, dem hilft kein Hinweis auf langfristigen Vermögensaufbau. Aber daraus folgt nicht, dass der Staat Vermögensbildung nicht erleichtern sollte. Es sind unterschiedliche politische Aufgaben: aktuelle Armut bekämpfen und zugleich möglichst vielen Menschen ermöglichen, langfristig Wohlstand aufzubauen.

Hier lohnt der Blick auf die Alternative. Ein Vermögen nominal zu bewahren heißt nicht, seinen Wert zu erhalten. Liegt die Rendite dauerhaft unter der Inflation, schrumpft die Kaufkraft. Nicht zu investieren ist daher keineswegs risikolos.

Irreführend ist die Behauptung, mit Aktien werde „gezockt“. Kurzfristige Wetten auf einzelne Kurse sind Spekulation. Langfristiges, breitgestreutes Investieren in Unternehmen ist Vermögensbildung. 18 Jahre sind ein Anlagehorizont, in dem kurzfristige Schwankungen an Bedeutung verlieren und die Produktivkraft von Unternehmen wirken kann.

Nicht zu ­investieren ist ­keineswegs ­risikolos.
Christoph Boschan
CEO Wiener Börse AG

Auch die Ertragsdebatte sollte sachlich geführt werden. Niemand kennt die Rendite der kommenden 18 Jahre. Aber sieben Prozent sind keine Fantasiezahl. Der ATX hat seit 1991 inklusive reinvestierter Dividenden im Durchschnitt rund acht Prozent pro Jahr erzielt. Das ist keine Garantie für morgen. Solange wir aber von menschlicher Innovationskraft und einem langfristigen Wirtschaftswachstum überzeugt sind, bleibt die Beteiligung an Unternehmen über lange Zeiträume eine der attraktivsten Möglichkeiten, Vermögen aufzubauen.

Berechtigt ist hingegen die Warnung vor Überregulierung. Wenn aus dem Zukunfts­depot ein kompliziertes Förderprodukt mit engem Anlagekatalog, hohen Gebühren und Zertifizierungsbürokratie wird, ist wenig gewonnen. Es braucht freie Produktwahl, breite Diversifikation, geringe Kosten und einfache steuerliche Regeln.

Auch die Budgetfrage ist legitim. Nach aktuellem Plan sind 40 Millionen Euro jährlich für das Startguthaben vorgesehen. In einem Bundesbudget von mehr als 128 Milliarden Euro entspricht das rund drei Hundertstelprozent der Ausgaben. Auch das ist Geld. Aber es finanziert keinen kurzfristigen Konsum, sondern einen privaten Kapitalstock, der über Jahre wachsen kann, und eine Generation, für die Wertpapierbesitz und Beteiligung an Wertschöpfung selbstverständlich wird.

Das Zukunftsdepot ist ein Schritt in die richtige Richtung. Als Wiener Börse setzen wir uns aber weiterhin für die Wiedereinführung einer Behaltefrist ein. Sie käme allen Anlegerinnen und Anlegern bei größtmöglicher Wahlfreiheit zugute. Statt ein bestimmtes Produkt zu fördern, würde der Staat damit langfristiges Investieren grundsätzlich unterstützen.

Feiern sollten wir also noch nicht. Aber etwas hat sich verändert: Der Kapitalmarkt wird auch in Österreich zunehmend nicht mehr nur als Risiko, sondern als Teil der Lösung verstanden. Jetzt muss daraus auch substanzielle Politik werden. —

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