Watchlist: Zinsanstieg mit Nebenwirkungen
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent erhöht und weitere Schritte angekündigt. Einen längeren Zinserhöhungszyklus halten einige internationale Assetmanager für nicht gerechtfertigt. „Ohne eine deutliche Verbreiterung des Inflationsdrucks erscheint mir ein längerer, aggressiverer Zinserhöhungszyklus nur schwer zu rechtfertigen“, schreibt etwa Wolfgang Bauer, Fondsmanager bei Royal London Asset Management. Und Roman Ziruk, Lead FX Strategist bei Ebury, meint: „Auch wenn wir der Ansicht sind, dass die EZB die vorsorgliche Zinserhöhung rechtfertigen kann, sprechen klare Gründe dagegen.“
Aus Sicht der Investoren mag das nachvollziehbar sein. Bei einer Eurozonen-Inflationsrate von 3,3 Prozent im August blieb der EZB aber kaum eine Alternative. Ein wesentlicher Treiber sind die hohen Energiepreise infolge des Irankriegs, die zuletzt weiter gestiegen sind.
Stärkung der Vorsorge
Was lange währt, wird manchmal doch gut, höre ich derzeit öfter: Nach Jahren der Diskussion stärkt die Politik nun die betriebliche Altersvorsorge und schafft mehr Spielraum für renditestärkere Veranlagungen. Der Entwurf ging gestern durch den Sozialausschuss des Nationalrats – hier ein kurzer Überblick. Das ist sicher ein wichtiger Schritt in der zweiten Säule, aber zugleich gilt es, auch die private Vorsorge stärker auszubauen.
Auch da gab es zuletzt einige Ideen. Ob ein Zukunftsdepot, in dem Eltern bis zu 500 Euro für ihre Zöglinge steuerfrei investieren können, tatsächlich schon ausreichend ist, um private Vorsorge breit in der Bevölkerung zu verankern, muss aber noch diskutiert werden. Aus den Gesprächen in der Branche nehmen wir jedenfalls eine gewisse Aufbruchstimmung mit.
„Der Börsengang soll die Expansion von Biogena vorantreiben. Schon nächstes Jahr planen wir die nächste Kapitalerhöhung.“
Albert Schmidbauer, CEO und Gründer des Gesundheitsunternehmens Biogena, will bis 2030 den Umsatz verdreifachen.
Events in Wien
Nicht nur die Vorsorge, sondern die gesamte wirtschaftliche Lage wurde wieder von den Gästen des Börsianer Editor’s Dinner diskutiert – hier die besten Bilder! In Wien, bei der alljährlichen Botschafterinnen- und Botschafterkonferenz, gab Tim Gould, seines Zeichens Chief Energy Economist der Internationalen Energieagentur (IEA), seine Einschätzungen in Sachen Ölpreisentwicklung (Brent liegt ja derzeit wieder über 100 US-Dollar) ab – hier lesen.
Auch spannend: Finanzexpertin Monika Rosen erklärte ebendort, dass der Anstieg der Renditen auf US-Staatsanleihen eng mit den Bond-Emissionen der US-Tech-Riesen zu tun hat, die ja bekanntlich um die 700 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren investieren.
Was dagegen fast wie Peanuts wirkt: Mit drei Milliarden Euro hat derweil Mistral die größte Finanzierungsrunde erreicht, die Europas Start-up-Szene bisher gesehen hat. Das französische KI-Unternehmen setzt auf offene Modelle und versteht sich als Gegenpol zu den dominierenden US-Anbietern.
Splitter
Immer schön, wenn neue Player an der Wiener Börse aufschlagen. Seit heute notiert die Biogena Good Vibes AG am Direct Market Plus. CEO Albert Schmidbauer erzählte uns im Vorfeld, dass wohl schon kommendes Jahr die erste Kapitalerhöhung über die Börse erfolgen wird. Wenig überraschend, denn die Expansionspläne sind ambitioniert. Das Gesundheits- und Longevity-Unternehmen will seinen Umsatz bis 2030 von derzeit 125 auf 500 Millionen Euro steigern – hier die ganze Story zum Börsengang.
Die Erste Group Bank hat sich 1,5 Milliarden Euro frisches Kapital am Kapitalmarkt besorgt, und die Nachfrage der Investoren war mit 4,5 Milliarden Euro deutlich höher als das Angebot. Für eine drei- bzw. siebenjährige Senior-Preferred-Anleihe hätten die Investoren sogar das dreifache Volumen gezeichnet. Vielleicht beim nächsten Mal!
Termine
In Österreich bleibt es terminlich in den kommenden Tagen vergleichsweise ruhig. Der Blick der Finanzmärkte richtet sich daher vor allem auf die internationalen Notenbanken: Im Mittelpunkt steht die Fed-Sitzung am 16. September, bei der die US-Notenbank die Zinsen nach aktueller Markterwartung unverändert lassen dürfte. Daneben stehen auch die Zinsentscheide der Bank of England und der Bank of Japan auf der Agenda, wobei in Japan ebenfalls mehrheitlich mit einem unveränderten Leitzins gerechnet wird.

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