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VIG und Nürnberger: Neuer Impuls für profitables Wachstum

Veröffentlicht

12.06.2026

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3min
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Hartwig Löger, CEO Vienna Insurance Group (Credit: Marlene Fröhlich I luxundlumen.com)

VIG-CEO Hartwig Löger beschreibt im Interview, warum der deutsche Versicherer hervorragend zur Gruppe passt, welche Rolle die Nürnberger künftig im Bereich Biometrie spielen soll – und weshalb die Übernahme das Wachstum und die Resilienz der Vienna Insurance Group nachhaltig stärkt.

Börsianer: Herr Löger, das Closing zum Erwerb der Nürnberger Versicherung wurde erfolgreich abgeschlossen. Die VIG steht nun vor der Integration der größten Transaktion ihrer Unternehmensgeschichte. Wie planen Sie, Ihr neues Gruppenmitglied zu positionieren?

Löger: Mit der Nürnberger gewinnen wir eine traditionsreiche Versicherung mit einer starken Marke und tiefer Expertise in der Lebensversicherung – insbesondere im Bereich biometrischer Produkte. Hier zählt die Nürnberger zu den führenden Anbietern am deutschen Markt. Genau deshalb wollen wir sie auch innerhalb der Gruppe als richtungsweisenden Spezialisten in diesem Segment positionieren. Die demografische Entwicklung in unseren Märkten zeigt deutlich, welches Zukunftspotenzial im Bereich Biometrie liegt. Gleichzeitig stärkt die Diversifikation über den deutschen Markt die Resilienz der gesamten Gruppe und unterstützt damit unsere langfristige, profitable Wachstumsstrategie in unserem Kernmarkt CEE.

Was bedeutet die Übernahme in Zahlen?

Wir heißen etwa 2,5 Millionen neue Kundinnen und Kunden und 3.800 Mitarbeitende in unserer Gruppe willkommen. Die Nürnberger verfügt über eine sehr leistungsstarke Vertriebsstruktur mit rund 12.000 Vermittlerinnen und Vermittlern und einem gut etablierten Vertrieb über Autohäuser. 2025 wurden rund 3,5 Milliarden Euro an Prämien generiert, davon entfallen 63 % auf die Lebensversicherungen. Hier liegt der Fokus auf der fondsgebundenen Lebensversicherung und der Berufsunfähigkeitsversicherung. 30 % entfallen auf die Sach- und rund 10 % auf die Krankenversicherung.  Nicht in Zahlen darstellbar ist die Unternehmenskultur der Nürnberger, die hervorragend zu unserer Gruppe passt.

Sie sprechen damit auch die föderalistische Struktur der VIG an?

Ganz genau, ich habe bereits in einem Interview mit dem Börsianer betont, dass die Nürnberger ihre Identität beibehalten wird. Für sie gilt dasselbe Prinzip des lokalen Unternehmertums wie für alle Gesellschaften unserer Gruppe. Unser strategisches Gruppenverständnis unterscheidet uns deutlich von zentralistisch geführten Versicherungskonzernen – und genau das macht uns erfolgreich. Marke und Name bleiben bestehen, ergänzt um den Familiennamen „Vienna Insurance Group“, wie bei allen Gruppengesellschaften.

Trotz der gestiegenen Bedeutung Deutschlands bleibt der Markt ein „Spezialmarkt“ und wird kein neuer Kernmarkt der VIG?

Die Nürnberger ist für uns eine große Chance und eine echte Bereicherung. Sie stärkt unsere Diversifikationsstrategie und eröffnet zusätzliches Wachstumspotenzial – sowohl in Deutschland als auch in der CEE-Region. Deutschland bleibt Spezialmarkt, weil wir, im Vergleich zu unserem definierte Kernmarkt CEE, hier keine Topplatzierung am Markt anstreben, sondern unsere Profitabilität über zukunftsträchtige Geschäftsfelder weiter erhöhen werden. 

Welche konkreten Schritte stehen bei der Integration an?

Nach dem Closing sind wir zusammen mit der Nürnberger in die konkrete Umsetzungsphase eingetreten. Dazu gehören die Neukonstituierung des Aufsichtsrats ebenso wie die Festlegung der strategischen Ausrichtung der Nürnberger innerhalb der VIG. Wir werden auch in unseren Zielsetzungen, die wir im Rahmen der Gruppenstrategie evolve28 bis 2028 definiert haben, die Nürnberger miteinplanen und entsprechend adaptieren. Ein wesentliches Thema wird auch die Einbindung in unser IFRS-System und damit die Konsolidierung in den Konzernabschluss sein.

Und natürlich liegt der Fokus auf der Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden IT-Transformationsstrategie. Denn eine moderne, effiziente und zukunftsfähige Systemlandschaft ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Nürnberger.

Wie reagierten Analysten und Kapitalmarkt auf die Transaktion?

Sehr positiv. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat kurz nach unserem Erwerbsangebot im Oktober 2025 unser „A+“-Rating bestätigt und den Ausblick von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Ausschlaggebend waren unter anderem die stärkere Diversifikation, die breitere Ertragsbasis und die hohe Resilienz der VIG.

Auch der Kapitalmarkt honoriert die Entwicklung: Unser Börsekurs hat sich bis Jahresende mit einem Plus von über 120 Prozent mehr als verdoppelt und der VIG erstmals den begehrten Wiener ATX-Börsepreis eingebracht.

Darüber hinaus hat Fitch Ratings nach dem Closing das Finanzstärke-Rating der Nürnberger Versicherungsgesellschaften von „A“ auf „A+“ angehoben. Das Emittentenausfall-Rating der Nürnberger Beteiligungs-AG wurde von „A-“ auf „A“ verbessert. Den Ausblick bewerteten die Analysten jeweils mit „stabil“.

Das sind klare positive Signale und eine Bestätigung unserer strategischen Entscheidungen sowie unserer weiteren Wachstumspläne.

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