Afrikas Stunde? Ein Blick aus Investorensicht
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Afrikas Wachstumsgeschichte wird seit Jahrzehnten falsch erzählt. Korruption, schlechte Regierungsführung, ethnische Konflikte: Diese Erklärungen greifen zu kurz. Sie sind Symptome, keine Ursachen. Der eigentliche Schlüssel liegt in der Demografie. Bei der Unabhängigkeit um 1960 betrug Afrikas Bevölkerungsdichte ein Fünftel derjenigen Asiens, vergleichbar mit Europa im Jahr 1500, einer Ära ohne wirtschaftliches Wachstum. Ohne ausreichend große Märkte, ohne städtische Zentren, ohne Steuereinnahmen war die Entwicklung schlicht nicht finanzierbar.
Der Rohstoffreichtum: ein Mythos
Viele Investoren setzen Afrika mit Rohstoffen gleich. Das ist ein Irrtum. Die Wahrnehmung entstand, weil viele afrikanische Volkswirtschaften historisch stark auf diesen Sektor konzentriert waren, nicht weil der Kontinent außergewöhnlich ressourcenreich wäre. Südafrika ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wer Afrika als bloßen Rohstofflieferanten betrachtet, verpasst die eigentliche Geschichte.
Chinas Rolle: Nüchterne Bilanz
Chinesische Staatsbanken haben rund 150 Milliarden US-Dollar nach Afrika verliehen, davon etwa 80 Prozent in Infrastruktur. Heute befinden sich schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der afrikanischen Industrie in chinesischem Eigentum. Unterm Strich hat China überwiegend eine unterstützende Rolle gespielt, als Kapitalquelle und als Treiber industrieller Aktivität. Afrika dient dabei auch als Absatzmarkt für chinesische Überkapazitäten, ähnlich wie Südostasien einst für Japan.
Die Chancen für Investoren
Das Wachstum in Afrika wird stabiler. Die starke Abhängigkeit von Rohstoffen erzeugte in der Vergangenheit extreme Zyklen. Heute gewinnen Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung und verarbeitende Industrie an Gewicht und glätten das Wachstumsprofil. Die Bevölkerung wächst von heute 1,5 Milliarden auf prognostizierte 2,5 Milliarden bis 2050. Das schafft enorme Binnennachfrage, gerade in der Konsumgüter- und Agrarindustrie.
„Das Wachstum in Afrika wird weniger volatil, und diese Entwicklung dürfte anhalten."
Unterschiedliche Länder
Afrika ist kein monolithischer Block. Mit 55 Ländern wird der Kontinent eine außergewöhnliche Bandbreite an Ergebnissen hervorbringen. Mauritius und Botswana zeigen, dass nachhaltiger Entwicklungserfolg möglich ist, auch ohne eine einzelne dominante Führungspersönlichkeit. Wer selektiv vorgeht und die richtigen Märkte identifiziert, findet hier Chancen, die anderswo kaum noch zu finden sind.

Autor
Joe Studwell ist Wirtschaftsjournalist und Autor der Bücher „How Asia Works" und „How Africa Works".
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