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Bankenexperte: „Beiden Zinsenistdie Komfortzonekleinergeworden.

Bernhard Engel, Managing Director Austria beim Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal, über Ertragserwartungen im Bankensektor, die Position heimischer Institute im internationalen Konzert und den Erfolgsfaktor Künstliche Intelligenz.

Veröffentlicht

16.12.2025

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Alvarez & Marsal-Bankenexperte Bernhard Engel: "Es braucht einen Balanceakt, um die gute Ertragslage der Banken nicht zu gefährden."

Herr Engel, die Ergebnisse der Banken haben sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt. Ist dieser Takt auch angesichts der gesunkenen Zinsmarge zu halten? – Bernhard Engel: Die Banken haben vom günstigen Zinsniveau und von geringen Risikokosten profitiert. Nachdem die Zinsen gesunken sind und auf diesem Niveau bleiben werden, hat sich das Zinseinkommen der Banken normalisiert. Da also aufseiten der Zinsen die Komfortzone kleiner geworden ist, steht Kosten- und Risikomanagement im Zentrum. Es braucht einen Balanceakt, um die gute Ertragslage nicht zu gefährden. Bei der Kreditqualität hat sich eine Verschlechterung eingestellt. Mit 6,9 Prozent ist die Quote notleidender Kredite im Bereich der Gewerbeimmobilien hoch. Auch hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, man kann den Sektor nicht austrocknen lassen und muss auch auf die Bauwirtschaft achten.

Wie stehen heimische Banken im internationalen Vergleich da? - Einige österreichischen Banken habe sich gut positioniert. Im CEE-Raum ist die konjunkturelle Lage gut. Das ist eine gute Nachricht für die Institute, die einen starken Bezug zu Osteuropa haben. Polen weist in der Region das höchste Wirtschaftswachstum auf. Das ist speziell für die Erste Group AG wichtig, die künftig ein Drittel des Geschäfts in Polen machen wird. Die Bawag Group AG ist mit den Akquisitionen in Deutschland und Holland gut aufgestellt, das Institut wirtschaftet effizient und die Cost-Income-Ratio ist gut.

Welche Rolle kann ein verstärkter KI-Einsatz auf die Profitabilität der Banken haben?Im Retailbereich ist effiziente Beratung sehr wichtig. Das erfordert ausgefeilte Applikationen. Institute, die dabei Schwächen zeigen, werden Marktanteile verlieren. Als Vorreiter kann etwa die Neobank Revolut gelten, die bei Applikationen ganz weit vorn ist. Auch polnische Banken sind beim KI-Einsatz sehr gut unterwegs. KI-Anwendungen sind im Back-End-Bereich verhältnismäßig einfach umzusetzen und können eine Kostenreduktion zwischen zehn und 15 Prozent bringen. Im Front-End-Bereich ist die Integration von KI-Anwendungen schwieriger, aber auch machbar.

Robert Winter

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Robert Winter

Finanzjournalist

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