Kocher: Warum die Inflation wirklich sinkt

Der Gouverneur der Nationalbank erklärt, warum Inflation schneller sinkt als erwartet, Konsum zögert und Europa wirtschaftlich neue Impulse braucht.

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06.02.2026

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Martin Kocher hielt zuletzt beim Börsianer Editors Dinner eine Keynote.

Sich mit klugen Wirtschaftsköpfen in einem ungezwungenen Rahmen austauschen zu können, ist das Konzept des Klubs der Wirtschaftspublizisten. Heute war der jetzige Gouverneur der Nationalbank (OeNB) – er war schon als Wirtschaftsminister oder IHS-Chef dort Gast. Ich hab für dich einige der zentralen Aussagen mitgeschrieben.

Warum Inflation sinkt

Dass der Teuerungsrückgang stärker als erhofft erfolgt (aufs Jahr rechnet Kocher mit einer Inflation von 2,0 Prozent, die nur geringfügig über dem Euroraum mit 1,7 Prozent liegt), hat zwei Gründe. Neben den Effekten durch die günstigeren Energiepreise und den Maßnahmen der Regierung (da darf man die erzielte moderate Steigerung in den Lohnrunden durchaus als Errungenschaft der Dreikoalition und der Sozialpartner sehen) wirkt sich nämlich auch – und das ist den meisten unbekannt – der leicht angepasste Warenkorb (der ändert sich so alle fünf Jahre) positiv auf die Teuerung aus. Wie stark dieser statistische Effekt tatsächlich ist, werden wir aber erst bei der Veröffentlichung der statistischen Rohdaten am 24. Februar sehen.

Alles Psychologie

Dass die halbe Wirtschaft Psychologie ist, weiß Martin Kocher als promovierter Verhaltensökonom natürlich. Bekanntlich sind die Österreicherinnen und Österreicher sehr zurückhaltend, was den Konsum anbelangt (Sparquote bei rund 12 Prozent). Nach einer Phase der stark steigenden Preise könne das einige Zeit (ein bis zwei Jahre) lang dauern, bis die Konsumbereitschaft zu den höheren Preisen wieder da ist.

Und woher kommen die Wachstumsimpulse für die Wirtschaft? Martin hofft, dass beim EU-Gipfel kommende Woche einige Weichen gestellt werden.

„Der Binnenmarkt ist immer noch fragmentiert. Da kann das 28. EU-Regime für Unternehmen einige Erleichterungen bringen.“
Mehr dazu findest du HIER.

Zudem hofft er auf schnelle Umsetzung von KI-Anwendungen:

„Bei generativer KI werden wir die USA nicht so schnell einholen. Wir können aber bei der Anwendungsentwicklung innovativer sein.“

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