Interview

Banken: Der Algorithmus übernimmt

Welche Rolle Banken in einer von Künstlicher Intelligenz geprägten Finanzwelt künftig spielen werden, erläutert An­dreas Biffar von der Boston Conulting Group im Interview.

Veröffentlicht

30.06.2026

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2 min
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Andreas Biffar ist Managing Director & Partner bei BCG und Mitautor des Reports „Future of Finance 2026".

Ihre Studie legt nahe, dass künftig nicht mehr Menschen, sondern Maschinen Geld bewegen. Stehen wir hier vor einer fundamentalen Verschiebung der Finanzarchitektur? An­dreas Biffar: Im ersten Schritt müssen Prozesse neu gedacht werden: KI steigert die Effizienz und Skalierbarkeit erheblich – im Kundenservice, auf dem Weg zur Kreditentscheidung oder in Bereichen wie KYC oder Anwendungsentwicklung, mit Effizienzgewinnen jenseits von 30 Prozent. Denkbar sind auch fundamentale Änderungen der Kundeninteraktion, etwa der direkte Zugang zu Finanzdienstleistungen über Large Language Models (LLMs). Wie sich in Kombination mit digitalen Assets und Nichtbanken die Finanzarchitektur längerfristig verändert, bleibt abzuwarten.

Wenn KI-Agenten zunehmend Kreditentscheidungen treffen, Kunden betreuen und Transaktionen steuern: Wer kontrolliert dann noch das Geschäft, die Bank oder der Algorithmus? – Weder Bank noch Algorithmus allein: Die Zukunft liegt in kombinierten Teams aus Menschen und Agenten. KI agiert nicht frei: Sie braucht klare Leitplanken und muss konsistent funktionieren. Risikomaterielle Entscheidungen und Beratung bleiben menschlich geprägt. Für Mitarbeitende heißt das neue Fähigkeiten: Agenten orchestrieren, steuern und hinterfragen. Ob Banken diesen Wandel kulturell und organisatorisch meistern, entscheidet, ob man die Transition in eine KI-geprägte Welt erfolgreich schafft.

Wenn man KI, Non-Banks und digitale Assets zusammendenkt: Wer wird in fünf Jahren das Finanzsystem dominieren: klassische Banken, Big Tech oder neue Plattformen? – Verschiedene Szenarien sind denkbar. Der Regulator wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Klassische Spieler haben als regulierte Einheiten einen strukturellen Vorteil: eine vollständige Disintermediation erwarten wir nicht. Dennoch werden sich Wertschöpfungsketten und Einkommensverteilung in allen Segmenten verschieben: unser Report skizziert mögliche Szenarien. Wie schon bei früheren Umbrüchen gilt: Wer die Veränderungen früh analysiert und sein Geschäftsmodell konsequent anpasst, bleibt erfolgreich.

Börsianer Redaktion

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