Gastkommentar: Europa braucht Finanzbinnenmarkt
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Europa hat einen Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen aufgebaut. Doch der Binnenmarkt für Finanzen bleibt eine Herausforderung: Statt eines einzigen Kapitalpools und nahtloser Investitionsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen haben wir 27.
Angesichts des wachsenden Finanzierungsbedarfs – für Verteidigung, Dekarbonisierung, den digitalen Wandel und die Infrastruktur – muss Europa die Chance nutzen, den Binnenmarkt zu vertiefen, indem es Ersparnisse wirksam in die Finanzierung lenkt. Die Spar- und Investitionsunion ist der Schlüssel dazu.
Gemeinsamer Wille
Es gilt, die Fragmentierung zu überwinden und die Grundlagen des Binnenmarkts – einmalige Zulassung und europäischer Pass, gemeinsame Vorschriften und deren einheitliche Anwendung und Umsetzung – in vollem Umfang zu nutzen. Das Paket zur Marktintegration und Aufsicht macht aus diesen Zielen kohärente Legislativvorschläge. Aus den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates geht eindeutig hervor, dass ein starker Wille besteht, in dieser Richtung voranzukommen.
Die Schaffung eines echten Binnenmarkts für Finanzdienstleistungen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Sie erfordert den politischen Willen, mutige Entscheidungen zu treffen. Um in dieser sich rasch wandelnden Welt wettbewerbsfähig zu sein, muss Europa auf gemeinsamen Stärken und gemeinsamen Zielen aufbauen und Differenzen beiseiteschieben.
Die Vorteile integrierter Märkte werden von jenen, die eine Fragmentierung als nützlich empfinden, nicht immer wahrgenommen. Bürgerinnen und Bürgern würden integrierte Märkte mehr Möglichkeiten bieten – für die Finanzierung ihrer alltäglichen Ziele ebenso wie zur Vorbereitung auf den Ruhestand. Unternehmen hätten in einem weniger fragmentierten Markt mehr Spielraum und mehr Finanzierungsoptionen. Bevölkerung und Unternehmen würden zum Wachstum in Europa beitragen – und davon profitieren.
Größenvorteile nutzen
Um das zu erreichen, brauchen wir Größenvorteile, denn dadurch senken wir die Kosten, verbessern die Liquidität und ziehen Investitionen an. Sie ermöglichen ein effizienteres Funktionieren der Märkte und machen Europa zu einem attraktiveren Investitions- und Geschäftsstandort. Ohne Größenvorteile lassen sich selbst die besten Ideen nur schwer umsetzen.
Aus diesem Grund steht bei der Spar- und Investitionsunion Integration im Mittelpunkt – die Beseitigung von Hindernissen, die einheitliche Anwendung der Vorschriften und die Ermöglichung des freien Kapitalverkehrs.
Der Binnenmarkt für Finanzierungen muss auch vereinfacht werden. Ein komplexes und fragmentiertes Regelungsumfeld wirkt abschreckend und treibt die Kosten in die Höhe. Ein einfacherer Rahmen bedeutet mehr Klarheit, mehr Verhältnismäßigkeit und Kohärenz.
Das Ziel der Spar- und Investitionsunion – und insbesondere des Pakets zur Marktintegration und Aufsicht – ist einfach: ein einziger Markt mit einheitlichen Regeln, die europaweit angewandt werden. Wir sollten den Aufbau dieses Finanzmarktes nicht länger aufschieben. Es liegt an uns, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln.

Autor
EU-Finanzkommissarin
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