Hintergrundfarbe
Farbe
Neutral
Gastkommentar
Perspektiven

Klimaschutz braucht leistungsstarke Wirtschaft

Mit dem Clean Industrial Deal und der Spar- und ­Investitionsunion legt die EU das Fundament für eine ­klimaneutrale und wettbewerbsfähige Wirtschaft. Jetzt braucht es Mut zur Umsetzung – und Kapital, das bewegt!

Veröffentlicht

22.05.2025

Lesezeit

2 min
Teilen auf
Clean Deal illustriert durch Rauchfänge
© KI generiert / Chat GPT

Die wirtschaftspolitischen Ankündigungen aus den Vereinigten Staaten während der vergangenen Wochen und der jüngste Bericht zum Zustand des Klimas in Europa haben eines gemeinsam: Sie zeigen, wie wichtig die Umsetzung des Deals für eine saubere Indus­trie ist, den die Europäische Kommis­sion Ende Februar 2025 vorgeschlagen hat. Die Initiative hat zwei große Zielsetzungen: die Wettbewerbs­fähigkeit Europas zu stärken und die Dekarbonisierung der Industrie mit Blick auf die EU-Klimaziele voranzutreiben.

Was bringt der Clean Deal?

Der Deal für eine saubere Industrie, der im deutschsprachigen Raum oftmals unter seinem englischen Namen Clean Industrial Deal firmiert, fußt auf mehreren Säulen. Eine davon ist die Bereitstellung erschwinglicher Energie, was den Ausbau der Erneuerbaren und der Leitungsnetze in der EU bedingt. Weitere Eckpunkte sind die Steigerung der Nachfrage nach sauberen Produkten – Nachhaltigkeit soll im öffentlichen Beschaffungswesen eine größere Rolle spielen –, Zugang zu Rohstoffen, Stärkung der Kreislaufwirtschaft, Qualifizierung von Arbeitskräften, administrative Erleichterungen für Unternehmen, neue Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern und natürlich Finanzierung. Hier ist etwa geplant, den EU-Innovationsfonds zu stärken und eine Bank zur Dekarbonisierung der Industrie mit einem Finanzierungsziel von 100 Milliarden Euro einzurichten. Der Deal für eine saubere Industrie ist ein wichtiger Baustein, um den Grünen Deal umzusetzen und das – übrigens EU-rechtlich verankerte – Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

EU-Kapitalmarkt statt Fleckerl­teppich
Patrick Lobis

Klimaschutz braucht innovative Lösungen. Und innovative Lösungen sind das Resultat einer leistungsstarken Wirtschaft. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist hier die Mobilisierung von privatem Kapital. Daran mangelt es in der EU prinzipiell nicht. Woran es allerdings fehlt, ist ein effizienter Kapitalmarkt. Finanzinstrumente werden in der EU an 116 geregelten Märkten und 148 multilateralen Handelsplattformen gehandelt. Darüber hinaus sind 26 Zentralverwahrer und 14 zentrale Gegenparteien in der EU zugelassen, die Abwicklungs- und Clearingdienstleistungen erbringen. Diese Fragmentierung verhindert die Heranbildung von Skaleneffekten und führt zu höheren Kosten. Hier setzt die Europäische Spar- und Investitionsunion an. Sie zielt darauf ab, den aktuellen Fleckerlteppich in ein liquideres und integriertes EU-Finanzsystem zu verwandeln, das Ersparnisse effizienter in produktive Investitionen lenkt. Kurzum: Es geht darum, den europäischen Kapitalmarkt attraktiver zu machen und mehr Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, die Geld anlegen möchten. Aktuell werden rund zehn Billionen Euro an Ersparnissen als Bankeinlagen mit geringer Rendite gehalten. Es besteht daher ein erheblicher Spielraum, um das Potenzial dieses Kapitals in vollem Umfang nutzen zu können. Direktanlagen auf den Kapitalmärkten würden eine stärkere Unterstützung für Investitionen mit sich bringen.

Ihre Meinung ist gefragt!

Wie bei solch wichtigen Initiativen üblich, holt die Kommission auch bei der Spar- und Investitionsunion die Meinung der Betroffenen ein, bevor sie weitere Schritte setzt. Sie alle sind eingeladen, bis 10. Juni eine Stellungnahme abzugeben. 

Patrick Lobis

Autor

Patrick Lobis

Vertreter der EU-Kommission in Wien.

Teilen auf

Mehr in der Kategorie
Gastkommentar

Gastkommentar

Immofonds: Zu spät gebremst

Immobilien-Wertpapiere waren für viele Österreicher der Einstieg ins Investieren. Nach den Milliardenverlusten mit Immo-Aktien in der Finanzkrise geraten nun Immobilienfonds unter Druck: Die Rückflüsse betragen rund 100 Millionen Euro pro Monat. Die geplante Einschränkung der Rücknahme ab 2027 könnte die Verkäufe sogar noch beschleunigen.
29.07.2026
Martin Kwauka
Immofonds: Zu spät gebremst
Gastkommentar

Freiheit statt Planung

Europa leidet nicht an einem Mangel an politischen Programmen. Europa leidet an einem Übermaß davon.
28.07.2026
Jochen Dickinger
Freiheit statt Planung
Advertorial

Fokus auf Fundamentaldaten: Investieren in europäische Aktien

Europäische Aktien ziehen weiterhin die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Während der Optimismus zu Jahresbeginn inmitten erhöhter Volatilität und geopolitischer Unsicherheit einer grösseren Vorsicht gewichen ist, investieren Anleger weiterhin in die Region als wichtigen Bestandteil diversifizierter Aktienportfolios. Die Frage für professionelle Anleger ist nicht mehr, ob sie in Europa investieren sollen, sondern wie sie dies tun.
01.07.2026
Gastkommentar

Afrikas Stunde? Ein Blick aus Investorensicht

Bevölkerungswachstum, steigende Agrarproduktvität und chinesisches Kapital verändern die Wachstumsdynamik Afrikas grundlegend. Joe Studwell, Autor von „How Africa Works", räumt im Gastbeitrag mit hartnäckigen Fehlannahmen über den Kontinent auf und zeigt, warum die strukturellen Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum heute erstmals wirklich gegeben sind.
23.07.2026
Joe Studwell
Person using a smartphone in front of the JSE Exchange Square building with modern architecture and bare trees.
Gastkommentar

Ohne Finanzbildung keine Chancengerechtigkeit

Wer glaubt, Finanzbildung sei ein Randthema, sollte einen Blick auf die Lebensrealität junger Menschen werfen – denn was sie über Geld wissen (oder nicht), entscheidet schon heute über ihre Chancen von morgen.
22.07.2026
Rebekka Dober
Ohne Finanzbildung keine Chancengerechtigkeit
Anzeige