Interview

M&A-Markt Österreich: Drei Mega-Deals verzerren das Bild

Bei Fusionen und Übernahmen tut sich international sehr viel. Im Gegensatz dazu ist die Entwicklung in Österreich weiterhin durchwachsen.

Veröffentlicht

21.01.2026

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3 min
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© EY
Robert Hufnagel, Leiter M&A Advisory EY Österreich: "Es gibt in Österreich Unternehmen, die reüssieren und mit der internationalen Konkurrenz mithalten können."
  • Im Vorjahr gab es mit 221 Unternehmenskäufen mit österreichischer Beteiligung um 24 Transaktionen weniger als 2024. Der langjährige historische Schnitt von etwas über 300 Deals pro Jahr wurde im dritten Jahr in Folge deutlich verfehlt.

  • Das Transaktionsvolumen stieg mit 19,6 Mrd. Euro auf ein 18-Jahres-Hoch. Ein höheres Deal-Volumen wurde mit 20,5 Mrd. Euro zuletzt im Jahr 2007 registriert.

  • Jedoch entfielen 2025 mit einem Volumen von insgesamt 17,3 Milliarden Euro rund 90 Prozent des Gesamtvolumens auf drei Mega-Deals.

  • Im Gegensatz zur Entwicklung in Österreich legte das globale M&A-Volumen deutlich zu. Mega-Deals, Technologie und strategische Käufer prägten den Markt.

2025 kam der österreichische M&A-Markt neuerlich nicht auf Touren . Aber warum hat sich abseits von drei großen Deals und gegen den internationalen Trend so wenig getan? Und wie ist die allgemeine Lage einzustufen. Robert Hufnagel, Leiter M&A Advisory EY Österreich, hat Antworten parat.

Herr Hufnagel, wie beurteilen Sie die österreichischen M&A-Aktivitäten im Jahr 2025? Robert Hufnagel: Wie einige Mega-Deals zeigen, gibt es in Österreich Unternehmen, die reüssieren und mit der internationalen Konkurrenz mithalten können. Im Vorjahr gab es drei große Deals. Einerseits von der OMV mit der Übernahme von NOVA Chemicals in Kanada. Das zeigt, dass die OMV genug Schwerkraft für solche Transaktionen hat. Das Gleiche gilt für die Erste Group mit der sieben Milliarden schweren Beteiligung an der Santander Bank Polen oder auch für die Übernahme der deutschen Nürnberger Versicherung durch die Vienna Insurance Group.

Was hat sich abgesehen von diesen Großereignissen getan? Die Anzahl der Deals ist in Österreich seit 2007 rückläufig. Das ist ein Indikator für den Status der österreichischen Volkswirtschaft. In Österreich gibt es eine starke Konzentration auf wenige große Unternehmen. Aber die mittelständische Unternehmerstruktur trägt die Volkswirtschaft. Der Kostendruck ist aufgrund der ab 2024 stark gestiegenen Löhne und der hohen Energiepreise groß. Die Auswirkungen wird man aus den Bilanzen für das Jahr 2025 ablesen können. Das ist problematisch, der breite Mittelstand leidet, viele Unternehmen haben immer weniger Luft für Investments. Das spiegelt sich auch in den M&A-Aktivitäten wider. Ich gehe davon aus, dass die Lage bei den Insolvenzen im laufenden Jahr weiter angespannt bleibt. Und ich sehe kein Segment, das in den nächsten fünf oder zehn Jahren ein hohes Wachstum aufweisen wird.

Wie steht Österreich im internationalen Vergleich da? Auf internationaler Ebene hat sich ein Super-Cycle entwickelt, der M&A-Bereich hat ein all time high erreicht. Investmentbanken wie JPMorgan oder Goldman Sachs erzielen im Investment Banking die bislang höchste Fee-Einnahmen. Dagegen ist von einem Boom in Österreich keine Spur. 

Kann das geplante Innovationspaket Abhilfe schaffen? Es wird unmittelbar Erleichterungen im Bereich der energieintensiven Branchen, Stichwort Industriestrom, schaffen. Die Initiative der Bundesregierung aus der Klausur vor wenigen Tagen zur Stärkung von Forschung, Technologie und Innovation ist begrüßenswert. Diese längerfristigen strukturellen Verbesserungen entfalten Ihre Wirkung erst zeitversetzt  Damit wird es dauern, bis Effekte daraus ersichtlich sind. Parallel dazu ist der weltweite AI-getriebene Fortschritt bereits in vollem Gange Zusätzlich ist das Wissen um den Umstand, dass Finanzinvestoren Vorteile für wachstumsorientierte Unternehmen und somit auch für die gesamte Volkswirtschaft schaffen können, schlecht. Auf Seite der Unternehmen gibt es darüber hinaus oft wenig Offenheit gegenüber Alternativen zur Bankfinanzierung..  

Die größten österreichischen M&A-Deals in 2025

Transaktionsart 

Zielunternehmen

Land

Transaktionswert*

Käufer

Outbound

Nova Chemicals

Kanada

8.933 Mio. €

Borealis & Borouge

Outbound

Santander Bank Polen (49%)

Polen

7.000 Mio. €

Erste Group

Outbound

Nürnberger Beteiligungs-AG

Deutschland

1.382 Mio. €

Vienna Insurance Group

Inbound

Frauscher Sensortechnik

Österreich

675 Mio. €

Wabtec

Inbound

TTTech Auto

Österreich

603 Mio. €

Dutch NXP

Summe Top 5

18.593 Mio. €

 *veröffentlichte Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben wurde

Robert Winter

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Robert Winter

Finanzjournalist

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