Ökonom: “Warten Sie nicht auf den nächsten Börsencrash"
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Herr Junius, im Vorjahr konnten teils sehr hohe Aktienerträge erzielt werden. Setzt sich diese Entwicklung 2026 fort? – Karsten Junius: Die Bewertungen von US-Aktien waren jüngst auf einem 20-Jahres-Hoch. Alles ist teuer. Im laufenden Jahr werden die Risikoprämien geringer. Dementsprechend auch die Aktienerträge. Ich rechne mit Renditen zwischen sechs bis acht Prozent. Aber warten Sie nicht auf den Rückschlag. Ein solides Gewinnwachstum wird die Aktiengewinne im laufenden Jahr tragen. Sowohl für globale Aktien als auch für Papiere aus den USA und dem Euroraum weisen die Schätzungen auf Gewinnanstiege von rund 15 Prozent hin.
Sehen Sie die Möglichkeit, dass der KI-Hype weitergeht? – KI-Investitionen treiben weiterhin das Wachstum. Die Investitionen können 2026 auf rund 520 Milliarden US-Dollar stiegen, 2027 wird mit einem weiteren Anstieg auf 600 Milliarden US-Dollar gerechnet. Das verunmöglicht eine Rezession in den USA. Damit ist das größte Risiko an den Finanzmärkten ausgeschlossen.
Welchen Einfluss hat Künstliche Intelligenz auf den Welthandel und wie wirkt sich die US-Zollpolitik auf die Handelsströme aus? – Der Welthandel kann 2026 um 6,6 Prozent wachsen. Rund 40 Prozent davon gehen auf den Handel aus dem KI-Bereich zurück. Der Anteil der USA an globalen Importen liegt nur bei 16,4 Prozent. Die Bedeutung ist also nicht so groß. Wichtig ist, dass der Handelskrieg bisher keine zerstörerischen Effekte hatte. Es entstehen neue Handelsmuster. Vor allem China hat sich den geänderten Verhältnissen rasch angepasst. Die Exporte in die USA waren im dritten Quartal 2025 nur noch halb so hoch wie im dritten Quartal 2018. Im gleichen Zeitraum sind die Ausfuhren in die EU nahezu gleichgeblieben, während die Exporte in die ASEAN-Region nach Lateinamerika und Afrika jeweils um rund ein Drittel gesteigert werden konnten.
Wie stehen europäische Aktien da? – In Österreich sind die Bewertungsabschläge gegenüber globalen Aktien mit rund 45 Prozent am größten. In Italien liegen sie bei rund 35 Prozent und in Spanien bei rund 30 Prozent. Die Bewertungsabschläge sind gegenüber globalen Aktien sehr hoch.
In vielen Staaten ist die Verschuldung stark angestiegen. Sehen Sie die Gefahr einer neuen Staatsschuldenkrise? – Fiskalische Einsparungen sind nötig, aber auch möglich. Frankreich, die USA und Großbritannien haben den größten fiskalischen Anpassungsbedarf, um eine Stabilisierung der Schuldenquote zu erreichen. In Frankreich sind Maßnahmen aus politischen Gründen kaum machbar, in den USA und in UK ist die Situation herausfordernd. Sehr viel besser stehen die ehemaligen Sorgenkinder Griechenland und Portugal da. In diesen beiden Staaten sind keine Maßnahmen nötig.
Halten Sie es für möglich, dass die Hausse beim Goldpreis weitergeht? – Viele Investoren gingen aus dem US-Dollar raus. Die Zentralbanken haben im Vorjahr weniger Gold gekauft, während Gold-ETFs starke Mittelzuflüsse verzeichneten. Diese Entwicklung sollte anhalten. Ich halte einen Anstieg des Goldpreises auf 5.000 US-Dollar je Feinunze für möglich.
Autor
Finanzjournalist
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