Rohstoffe: Der widersprüchliche blinde ESG-Fleck
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Exorbitante Kurszuwächse etwa bei Edelmetallen, insbesondere Gold und Silber, aber auch Kupfer und Uran, haben neben der politischen Großwetterlage Rohstoffe in den Fokus der Anleger gerückt. Im Österreichischen Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte (UZ 49) bestehen derzeit für Rohstoffe - abseits der ausgeschlossenen fossilen Brennstoffe - keine dezidiert eigenen Kriterien. Dabei sind ESG-Risiken entlang der Wertschöpfungskette erheblich. Die Metallbranche verursacht rund neun Prozent der globalen Treibhausgasemissionen: Der Environmental Justice Atlas dokumentiert weltweit rund 1.000 teils erheblich Konflikte im Zusammenhang mit dem Abbau metallischer Rohstoffe. Und Bergbau ist ein bedeutender Treiber von Menschenrechtsverletzungen sowie der Zerstörung des Amazonas und Regenwälder in der DRC. Wasserverschmutzung durch Minen betrifft Millionen Menschen.
Reduktion des Ressourcenverbrauchs
Die Nachfrage nach Metallen etwa wegen Elektromobilität und Energietechnologien steigt stark. Sekundärrohstoffe decken derzeit nur rund ein Drittel des Bedarfs. Noch deutlicher wird die Lücke am Lebensende von Produkten: Die Rückgewinnung bei Technologiemetallen wie Lithium oder Neodym ist noch kaum etabliert. Technische und ökonomische Hürden begrenzen zusätzlich die Effizienz. Aber selbst bei optimalem Recycling wird der steigende Bedarf an Primärrohstoffen kurzfristig nicht substituierbar sein. Damit rückt eine grundlegende Frage in den Fokus: Reicht es, bestehende Systeme „grüner“ zu gestalten, oder braucht es eine Reduktion des absoluten Ressourcenverbrauchs?
Rohstoffketten sind komplex und ein Spiegelbild kontroversieller Entwicklungen. Dass Kohle und Rindfleisch im RFU-Rating am schlechtesten abschneiden, ist wenig verwunderlich. Es gibt aber relevante Unterschiede: Recyclierter Stahl schneidet signifikant besser ab als Primäreisen. Silber ist durch seine wertvollere Nutzung für Photovoltaik sowie weit geringeren Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt weit besser als Gold bewertet. Weizen, Raps und Sonnenblumen differenzieren sich stark von Commodities, die für die Fleischindustrie bedeutend sind: Rind, Schwein und Soja. Für viele überraschend ist vielleicht, dass sowohl Biotreibstoffe als auch Forstwirtschaft in ihrer gegenwärtigen Form noch weit entfernt von „Nachhaltigkeit“ sind.
Was können nun Investoren konkret tun?
ESG-Risiken sollten systematisch in Anlageentscheidungen integriert werden. Rohstoffbörsen sind derzeit nicht nachhaltig im strengen Sinne. Solche Produkte als dunkelgrün zu verkaufen wäre Täuschung. Trotzdem ergeben sich konkrete Handlungsfelder: Es braucht Kooperationen, um die Nachfrage nach Alternativen wie etwa Sekundärrohstoffe zu fördern. Nachhaltig investieren kann auch heißen, bewusst auf Gewinne zu verzichten, wo Widersprüche groß sind, beispielweise bei hoher Volatilität, oder bestimmte Rohstoffkontrakte nicht zu handeln. Wichtig ist, dass Rohstoffe nicht nur nachhaltiger herstellt, sondern auch genügsamer verbraucht werden sowie Nutzen und Risiken gerechter verteilt sein müssen.
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