Kommentar
News

Nobelpreisträger: Insiderhandel aus dem Weißen Haus?

Ein möglicher Finanzdeal im Umfeld des US Verteidigungsministers schürt neue Zweifel daran, wie sauber die Trennlinie zwischen Regierungsentscheidungen und Spekulationsgewinnen noch ist. Nobelpreisträger Paul Krugmans warnt, dass Insiderwissen aus dem Machtzentrum zunehmend an den Finanzmärkten landet.

Veröffentlicht

02.04.2026

Lesezeit

2 min
Teilen auf
Paul Krugman im Porträt
© APA Images
Paul Krugman erhielt 2008 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Analyse von Handelsmustern und der Standortwahl wirtschaftlicher Aktivität. Der US‑Ökonom erkennt heute ein Muster zwischen sicherheitspolitisch relevanten Informationen und abrupten Ausschlägen an den Märkten.

Der Verdacht, dass Regierungsnähe und Finanzmärkte an gefährlichen Punkten ineinanderfließen, bekommt aktuell neue Nahrung. Wie die Financial Times berichtet, soll der Broker von US‑Kriegsminister Pete Hegseth kurz vor den ersten US‑ und israelischen Angriffen auf den Iran eine Millioneninvestition in große Rüstungsunternehmen geplant haben – konkret in einen ETF, der in Konzerne wie Lockheed Martin, RTX oder Northrop Grumman investiert. Die Anfrage sei laut dem Artikel wenige Wochen vor Kriegsbeginn gestellt worden, letztlich aber nicht zustande gekommen. Das Pentagon weist sämtliche Vorwürfe als „frei erfunden“ zurück.

Drastische Ausschläge

Der Wahrheitsgehalt des Falles wird zu prüfen sein. Aber der Verdacht, dass vertrauliche sicherheitspolitische Informationen vorab für Spekulationsgewinne genutzt werden könnten, ist längst nicht mehr theoretisch, sondern baut auf starke Indizien.

Genau hier setzt Paul Krugman an. In einem aktuellen Interview (hier lesen) beschreibt der Nobelpreisträger, wie rund um außenpolitische Entscheidungen der US‑Regierung auffällige Ausschläge auf den Märkten zu sehen waren – so drastisch, dass sie seiner Ansicht nach kaum ohne Vorwissen erklärbar sind. Besonders ein massiver Spike im Öl-Futures-Markt wenige Minuten vor einer Kehrtwende im Iran-Konflikt wirkt für Krugman wie ein unübersehbares Warnsignal. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Manhattan hat übrigens Ermittlungen zu möglichem Insiderhandel auf sogenannten Prognosemärkten eingeleitet.

Infos aus dem Weißen Haus?

Auch bei den Zollankündigungen vor einem Jahr verortet Krugman einige Auffälligkeiten. Damals gab es relativ viele Trades zu wichtigen Wendepunkten. Zur Erinnerung: Trump kündigt plötzlich Zölle an, und die Märkte brachen ein. Trump nahm sie plötzlich zurück und die Märkte stiegen wieder. Krugman sagt: Das sah aus, als ob jemand wusste, was passieren würde.

Der Verdacht: Jemand im Umfeld des Weißen Hauses könnte sensible Informationen genutzt oder weitergegeben haben – nicht, um Politik zu beeinflussen, sondern um daran zu verdienen. Und genau das zerstört, so seine zentrale Warnung, das Vertrauen in die Integrität des Kapitalmarkts. Wenn Insiderwissen aus dem sicherheitspolitischen Zentrum einer Nation plötzlich an den Märkten sichtbar wird, dann wird der Markt selbst zum zuverlässigsten politischen Indikator. Und das ist ein fatales Zeichen, so Krugman.

Daniel Nutz

Autor

Daniel Nutz

Chefredaktion

Teilen auf

Mehr zum Thema #Börse

News

Geldregen: Profite der Börsenkonzerne steigen auf ein neues Hoch

Die von den 1.600 weltgrößten Börsenunternehmen erzielten Gewinne erreichten im Vorjahr dank steigender Umsätze und wachsender Margen ein neues Rekordniveau.
23.01.2026
Börsianer Redaktion
Geldregen: Profite der Börsenkonzerne steigen auf ein neues Hoch
News

Dividenden-Rekord: 519 Milliarden US-Dollar ausgeschüttet

Die weltweiten Dividenden-Ausschüttungen stiegen im dritten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um mehr als 6 Prozent. Fast die Hälfte des Anstiegs kam aus dem Finanzsektor.
01.12.2025
Robert Winter
Dividenden-Rekord: 519 Milliarden US-Dollar ausgeschüttet
Advertorial

Intelligent Investieren in unsicheren Zeiten

An den Kapitalmärkten mehren sich angesichts geopolitischer Krisen und hoher Bewertungen die Fragezeichen. Kein Wunder, dass sich viele Anlegerinnen und Anleger zurzeit fragen, ob sie nicht der alten Börsenweisheit „von Gewinnmitnahmen ist noch keiner arm geworden“ folgen und das Geschehen an den Aktienmärkten für eine gewisse Zeit von der Seitenlinie aus beobachten sollten.
16.03.2026
Interview

Fußball-Aktien? Hände weg!

Einst scheiterte Rapid Wien kapital an der Wiener Börse. Viele internationale Topklubs haben es seither ebenfalls versucht – mit durchwachsenem Erfolg, wie Jordy Hermanns, Portfoliomanager bei Aegon Asset Management, im Interview erklärt.
11.07.2025
Daniel Nutz
Fußball-Aktien? Hände weg!
Insider

Wiener Börse: Wenns laft, lafts hoffentlich auch so weiter

Die Wiener Börse knackte im ersten Quartal eine Schallmauer. Insgesamt gibt es von den Anlegern ein starkes Signal für den österreichischen Kapitalmarkt.
03.04.2025
Börsianer Insider
Wiener Börse: Wenns laft, lafts hoffentlich auch so weiter