Insider

Strafe Green Finance Capital legt sich mit FMA an

Veröffentlicht

22.11.2023

Lesezeit

2 min
Teilen auf
FMA Stafe Green Finance AG
© Börsianer

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat den Ruf durchaus hart in der Sache zu sein. Während manche Parteien dies teils murrend zur Kenntnis nehmen, legt sich die in Liechtenstein ansässige Green Finance Capital AG mit den Finanzaufsehern rechtlich an. Der Hintergrund: Weil sie die Begrifflichkeit „Fixzins“ verwendete und laut FMA in ungenügendem Umfang auf die Risiken der qualifizierten Nachrangigkeit und Endfälligkeit eines Anleihenprodukts hingewiesen hätte, verhängte die FMA zweimal 35.000 Euro Strafe (wegen Onlinewerbung und Printinseraten).

Der in Linz ansässige Anwalt der Green Finance Capital AG schreibt mir:

„Bereits am 31.03.2022 fand ein Rechtsgespräch zwischen uns [..] und der FMA statt, im Zuge dessen die Übersichtlichkeit der Werbematerialien seitens der FMA ausdrücklich anerkannt wurde und die Behörde mitteilte, unsere Mandantin lediglich „anleiten“ und nicht „strafen“ zu wollen. Aus diesem Grund und um in Sinne einer guten Gesprächsbasis mit der FMA ein weitestmögliches Entgegenkommen zu signalisieren, erklärte sich unsere Mandantin unpräjudiziell und ohne Eingeständnis einer Rechtspflicht dazu bereit, die Werbematerialien mit zusätzlichen Erläuterungen zu versehen, die daraufhin von der FMA freigegeben wurden. Seitdem kam es zu keinen weiteren Beanstandungen im Zusammenhang mit Werbemitteilungen unserer Mandantin.“

Die Liechtensteiner Aufsicht hat das ursprüngliche Werbematerial übrigens anstandslos durchgewunken. Die Kontrolleure in Österreich waren da strenger!

Einsicht schützt vor Strafe nicht

Die Green Finance Capital AG versteht nicht, warum nach Anpassung der Materialien ein Verwaltungsverfahren seitens der FMA eingeleitet wurde. Die FMA sieht das offenbar anders. Auch das „Anleiten“ wird dort anders interpretiert. Eine spätere Einsicht schützt nicht vor Strafen. Jene wegen irreführender Werbung bezieht sich auf die rund sechs Wochen, in denen das Werbematerial online, in Foldern und in Printinseraten verbreitet wurde. Die Korrektur der Materialien dürfte die Strafe auch deutlich vermindert haben, wie aus dem Bescheid hervor geht. Ich bin gespannt, wie das Berufungsverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht  ausgeht. Zuletzt hatte die Green Finance-Tochter LVA24-Prozessfinanzierung übrigens gegen die FMA einen Erfolg verbucht und recht scharf an die Öffentlichkeit kommuniziert – siehe hier.

Börsianer Insider

Autor

Börsianer Insider

ist für dich anonym am Kapitalmarkt unterwegs und bringt die heißesten Storys.

Teilen auf

Mehr zum Thema #FMA

Insider

Ettl geht: FMA braucht neuen Vorstand

Mit seinem Wechsel zum IWF ab November 2026 endet eine prägende Ära in der Finanzmarktaufsicht, während die Suche nach seiner Nachfolge politische Spannung verspricht.
17.03.2026
Börsianer Insider
Ettl geht: FMA braucht neuen Vorstand
Insider

Finanzaufsicht: Strafen durchbrechen Schallmauer

Die europäische Finanzaufsichtsbehörde ESMA zieht Bilanz und zeigt: Wer gegen die Regeln verstößt, wird abgestraft. Und das zunehmend koordiniert über die EU hinweg.
10.11.2025
Börsianer Insider
Finanzaufsicht: Strafen durchbrechen Schallmauer
Advertorial

Fokus auf Fundamentaldaten: Investieren in europäische Aktien

Europäische Aktien ziehen weiterhin die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Während der Optimismus zu Jahresbeginn inmitten erhöhter Volatilität und geopolitischer Unsicherheit einer grösseren Vorsicht gewichen ist, investieren Anleger weiterhin in die Region als wichtigen Bestandteil diversifizierter Aktienportfolios. Die Frage für professionelle Anleger ist nicht mehr, ob sie in Europa investieren sollen, sondern wie sie dies tun.
01.07.2026
Gastkommentar

Ettl: Kryptos und Co brauchen Regeln

Kryptowerte, Finfluencer, Online-Sofortkredite, Neobroker, Deepfakes, ­Cloudanbieter-Oligopole, kontaktlose Handyzahlung, AI-Anlageberater – nichts davon spielte eine Rolle, als ich 2008 zum Vorstand der Finanzmarktaufsicht ernannt wurde. Ein Gastkommentar von FMA-Vorstand Helmut Ettl.
09.07.2025
Helmut Ettl
Kryptos brauchen Regeln
Insider

Finfluencer: In UK klicken Handschellen

Ein internationaler Schlag gegen unseriöse Finfluencer zeigt: Der schöne Schein trügt oft – und die Finanzaufsicht schaut jetzt genauer hin.
11.06.2025
Börsianer Insider
Finfluencer: In UK klicken Handschellen
Anzeige