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Von Entwicklungsbanken lernen

Sustainable Finance ist für viele Kommerzbanken Neuland. Für Entwicklungsbanken ist nachhaltige Finanzierung ein alter Hut. Darum können kommerzielle Institute von den Entwicklungsbanken einiges lernen.

Veröffentlicht

08.05.2024

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2 min
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Fridays For Future Climate Emergency Strike
© Gina M Randazzo / Zuma / picturedesk.com

Seit der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens durch die Vereinten Nationen hat sich in Sachen nachhaltige Finanzierung viel getan. Die EU hat sich diesem Engagement, insbesondere durch den europäischen Grünen Deal, der das Ziel verfolgt, bis 2050 klimaneutral zu werden und die Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent  zu reduzieren, angeschlossen. Sie möchte ihr Ziel durch die richtige Lenkung von Kapitalströmen erreichen. Den Weg geben eine Vielzahl an gesetzgeberischen Maßnahmen vor: Allen voran die Taxonomie, welche einheitliche Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten festlegt und Reporting-Verpflichtungen für Unternehmen der Finanz- und Realwirtschaft vorschreibt.

Finanzunternehmen müssen das Verhältnis der Risikopositionen in taxonomie-konforme Tätigkeiten zu ihren gesamten Vermögenswerten im Rahmen der sogenannten „Green Asset Ratio“ angeben. Dies erfordert eine genaue Analyse umfangreicher Datenmengen ihrer Kunden, welche Institute zum Teil erst beschaffen müssen. Einher geht damit die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), welche die Berichtpflichten der Unternehmen erweitert, sodass die für Banken erforderlichen Daten (zum Teil) in den Jahresabschlüssen offengelegt werden.

Leistung von Entwicklungsbanken

Entwicklungsbanken haben in den letzten fünfzig Jahren bereits wertvolle Erfahrung in der Erhebung, Auswertung, Integration und Überwachung von Nachhaltigkeitsindikatoren gesammelt. Nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, hatte die erste ihrer Art, die Weltbank, ursprünglich das Ziel, Europa und den internationalen Handel zu unterstützen und verlagerte ihren Fokus später auf die Förderung von Entwicklungsländern. Mittlerweile investieren auch zahlreiche multilaterale und regionale Entwicklungsbanken in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, um nachhaltiges Wachstum zu fördern. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Finanzinstituten insbesondere dadurch, dass ihr Geschäftsmodell nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt ist, sie in der Regel keine Einlagen entgegennehmen und selten Dividenden ausschütten. Sie agieren häufig unabhängig von Zentralbanken und Regierungen und streben nach sozialer und ökologischer Wertschöpfung. Dennoch ergänzen sie kommerzielle Finanzinstitutionen, indem sie durch staatliche Garantien längere Kreditlaufzeiten und günstigere Zinsen anbieten können und so den Weg zur „bankability“ für kommerzielle Banken ebnen.

Freiwillige Standards

Entwicklungsbanken setzen auch eigene Standards zur Reduzierung negativer Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft um, darunter die Leistungsstandards der International Finance Corporation (IFC), sowie die Äquator-Prinzipien. Letztere sind ein freiwilliger Standard für Kreditgeber und dienen der Bewertung von Umwelt- und Sozialbelangen bei Projektfinanzierungen, die von vielen Finanzinstituten global angewendet werden.

Auch wenn kommerzielle Finanzinstitutionen nicht uneingeschränkt alle Methoden und Prozesse zur Erhebung von Nachhaltigkeitsindikatoren und zum Management von Umwelt- und Sozialrisiken von Entwicklungsbanken übernehmen können, bieten diese dennoch wertvolle Erfahrungswerte, an welchen sich Kommerzbanken auf dem Gebiet „Sustainable Finance“ orientieren können. Denn einerseits messen Entwicklungsbanken anhand von Daten und Indikatoren ihrer Kunden bereits seit Jahrzehnten die positive Wirkung ihres Engagements und nutzen diese Informationen andererseits um die Umwelt- und Sozialrisiken in die „allgemeine“ Risikobewertung ihrer Kreditnehmer einfließen zu lassen. Sie können daher Lösungsansätze zur Bewältigung dieser Herausforderungen zur Verfügung stellen und Beispiele für relevante Indikatoren – wie etwa Arbeitsplatzbeschaffung, Diversität oder CO2-Bilanz – zur Verfügung stellen.

Carmen Redmann-Wippel

Autor

Carmen Redmann-Wippel

Partner (Rechtsanwältin), Expertin für Banken- und Finanzrecht, Taylor Wessing Österreich - Sie ist als doppelt qualifizierte Anwältin (Rechtsanwältin in Österreich sowie Solicitor in England und Wales) als Partnerin im Team für Bank- und Finanzrecht tätig. Sie verfügt über umfassende Erfahrung in nationalen und internationalen Finanzierungstransaktionen – von Projekt- und Immobilienfinanzierungen bis hin zu regulatorischer Beratung.

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