Wachstumskapital: „Wir schaffen Zukunft“
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Es wird immer gesagt, in Österreich fehlt die Anschlussfinanzierung. – Karin Pühringer: Wir wollen das Gegenteil beweisen. Das Geld in Österreich ist vorhanden, aber man muss was dafür tun. Wenn die Voraussetzungen stimmen, dann bekommt man auch das Kapital.
Was ist Ihr USP? – Sven Balciunas: Unser USP ist eine Nische, die zurzeit nicht konsequent, strukturell und professionell bearbeitet wird. Man kann im Prinzip sagen, Equity finanziert Vision, Banken finanzieren Substanz und Historie, und in Wachstumssituationen steckt man genau dazwischen – diesen Gap füllen wir. Wir fokussieren uns hier auf Ticketgrößen von zehn bis 50 Millionen Euro für dynamisch skalierende Geschäftsmodelle.
Wie kommen KMUs an das Kapital? – Pühringer: Einfach ist es nicht. Viele in dem Scale-up-Bereich glauben, ich pitche jetzt genauso wie für eine Equity-Runde. Das wäre Storytelling. Aber wenn es um eine Finanzierung geht, dann ist die Herausforderung, den Case investierbar zu machen. Dann geht es um die Substanz, Details und Hintergründe. Wenn ich internationales Geld haben will, dann sollten die Unterlagen auch für internationale Investoren aufbereitet sein.
Balciunas: In unserem Business gibt es keinen Standardcase. Es gibt diesen Punkt, wo nicht mehr die Story entscheidet, speziell wenn es um Fremdkapital geht, sondern die Struktur, die am besten aufgearbeitet ist.
Also ein g’scheiter Business-Plan. – Balciunas: Ja, der muss sauber sein. Und es muss greifbar, nachvollziehbar und verifizierbar sein, dass der Fünf-Jahres-Plan auch eintritt. Wir bringen die Erwartungen mit der Kapitalform zusammen und finden den passen Investor für den Return on Investment.
Pühringer: Es hilft, wenn man schon am Kapitalmarkt ist, wie etwa die Reploid Group AG, die wir beraten haben. Die Risikostrategie von Kapitalgeber und Unternehmen muss zueinanderpassen, das bedeutet, als Unternehmer braucht man ein ganz klares Bild, wie viel Risiko man abbilden kann.
Wie war Ihre Investorensicht bei Reploid? – Pühringer: Wir haben im September das Mandat für ein Unternehmen übernommen, das zum damaligen Zeitpunkt zwar in einem enormen organischen Wachstumsschub war, aber welches noch nicht alle nötigen Positionen besetzt hatte, um überhaupt in diesen Prozess einer Wachstumsfinanzierung zu gehen. Unsere wichtigste Aufgabe war es, ein Setup zu schaffen. Letztendlich haben wir dann RBI und Reploid zusammengebracht.
Balciunas: Wir haben in etwa vier Monaten die Investierbarkeit mit ihnen hergestellt und auch intern eine Professionalisierung begleitet, mit der sie jetzt weiterfliegen können. Was spannend ist: Die RBI hat bis zu der Finanzierung der Reploid einen Venture-Debt-Fonds betrieben, den sie jetzt aufgrund unserer Zusammenarbeit zu einem Growth-Finance-Fonds erweitern wollen.
Die meisten KMUs sind es gewohnt, von ihrer Bank eine Finanzierung zu erhalten. Stellen sich denen beim Wort Nachrangkapital die Haare auf? – Pühringer: Ja. Und bei Private Equity nochmal mehr. Solange es mit der Bank funktioniert, spricht gar nichts dagegen. Aber es wäre schade, Chancen nicht umzusetzen, weil die Bank Nein sagt. Wenn es ambitionierte Projekte gibt, dann finden wir ambitionierte Finanzierer. Die gibt es.
Balciunas: Start-ups und frühphasige Scale-ups sagen, Nachrangkapital ist zu teuer. Aber in letzter Konsequenz ist Eigenkapital das teuerste Kapital, das man hergeben kann.
Was ist das Spannende an Ihrer Aufgabe? – Balciunas: Der Impact. Wir beschäftigen uns mit Wachstum. Das heißt, wir schaffen Zukunft. —

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