Wind und Sonne: Viel günstiger als ihr Ruf
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Steigende Netztarife, hohe Förderungen und Zweifel an der Versorgungssicherheit: Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert wie die Energiewende. Gleichzeitig stehen Politik und Wirtschaft unter Druck, die Strompreise dauerhaft wettbewerbsfähig zu halten. Eine jener Personen, die sich wissenschaftlich mit dieser Frage beschäftigt, ist Tara Esterl. Die Energiewirtschafts-expertin am Austrian Institute of Technology (AIT) hat gemeinsam mit ihrem Team untersucht, welchen Einfluss der Ausbau erneuerbarer Energien tatsächlich auf die Stromkosten hat. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Wind- und Solarenergie senken die Großhandelspreise für Strom deutlich und reduzieren zugleich die Abhängigkeit von teuren Gasimporten. Eine aktuelle Studie des AIT zeigt, dass ein Stopp beim Ausbau erneuerbarer Energien Strompreise deutlich erhöhen würde – und dass die preissenkenden Vorteile des Erneuerbaren-Ausbaus die Förderkosten um ein Vielfaches überstiegen.
Frau Esterl, Ihre Studie zeigt: Ein Ausbaustopp bei Erneuerbaren würde den Großhandelspreis für Strom im Jahr 2030 um 24 Euro je Megawattstunde erhöhen. Was bedeutet das konkret? – Tara Esterl: Der Effekt ist beträchtlich. Ohne zusätzlichen Ausbau von Wind- und Solarenergie müssten deutlich mehr Gaskraftwerke einspringen. Gas ist wesentlich teurer und erhöht die Strompreise. Unsere Berechnungen zeigen, dass Erneuerbare fossile Energieträger verdrängen und dadurch die Kosten im Stromsystem senken.
Dennoch hört man oft, Erneuerbare würden Strom verteuern, weil sie hohe Förderungen und Netzinvestitionen erfordern. – Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ist heute die günstigste Form der Stromproduktion. Das ist ein Faktum. Ja, es gibt zusätzliche Herausforderungen bei Netzen und Versorgungssicherheit. Aber die positiven Preiseffekte übersteigen die Förderkosten deutlich. In unserer Studie zeigt sich, dass der Nutzen für Verbraucher durch den preissenkenden Effekt die Kosten der Förderung deutlich übersteigt. Weitere Zusatzkosten fallen an für den Netzausbau sowie zur Sicherung der Versorgungssicherheit gerade im Winter mithilfe von Back-up-Kapazitäten.
Ist das Argument, Erneuerbare seien eine Belastung für Steuerzahler und Unternehmen, damit widerlegt? – Zumindest lässt sich klar sagen: Erneuerbare senken den Strompreis. Die Energiekrise 2022 war vor allem eine Gaskrise. Ohne den bereits erfolgten Ausbau erneuerbarer Energien wären die Strompreise noch deutlich stärker gestiegen. Erneuerbare haben den Preisanstieg abgefedert.
Die Kehrseite sind steigende Netzkosten. Bis 2030 werden im österreichischen Verteilnetz Investitionen von rund 14 Milliarden Euro erwartet. Wer zahlt das? – Man muss genauer hinschauen. Rund die Hälfte dieser Investitionen wären ohnehin notwendig, um bestehende Netze zu erneuern und die hohe Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Nur ein Teil hängt direkt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zusammen. Gleichzeitig können intelligente Netze, flexible Tarife und eine stärkere Elektrifizierung dazu beitragen, die Kosten besser zu verteilen.
Welche Rolle spielt dabei die Industrie? – Eine große. Viele Unternehmen können ihren Stromverbrauch flexibler gestalten und so von günstigen Strompreisen profitieren. Oft geht es weniger um Eingriffe in die Produktion selbst als um intelligente Steuerung von Wärmepumpen, Speichern oder Eigenanlagen. Das erhöht die Effizienz und reduziert Kosten.
Windkraft hinkt beim Ausbau hinterher. Wie kritisch ist das? – Sehr kritisch. Wind ist im Winter besonders wertvoll, genau dann, wenn wir den meisten Strom brauchen. Jedes Projekt, das wegen Akzeptanzproblemen nicht gebaut wird, fehlt uns real. Über alle Technologien – also Wind, PV, Wasserkraft – hinweg wurden zwischen 2024 und 2025 statt der benötigten 2,6 Terawattstunden nur 1,85 Terawattstunden zugebaut. Das hat österreichische Verbraucher rund 110 Millionen Euro gekostet. —

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