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Immo-Insolvenzen: Misere 2.0

Im Vorjahr entfiel mehr als die Hälfte der Großinsolvenzen auf den Immobiliensektor. In der ersten Jahreshälfte 2025 waren es sogar 78 Prozent. Die Branche ist noch nicht aus dem Schneider.

Veröffentlicht

27.08.2025

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Es war einmal: Das gescheiterte Signa-Projekt Kaufhaus Lamarr in der Wiener Mariahilferstraße ist symptomatisch für die Nöte der Immo-Branche.

Wenn von Pleiten in der Immobilienbranche die Rede ist, denken viele reflexartig an den Untergang des von René Benko aufgebauten Signa-Reichs. Das ist aber viel zu kurz gegriffen. Die ohnehin schlecht ausgefallenen österreichischen Insolvenzstatistiken für das Vorjahr und die erste Hälfte des laufenden Jahres ist ernüchternd ausgefallen. Und die im Immobilienbereich entstandene Blase hat noch deutlich mehr und größere Folgen als befürchtet. Die diesbezügliche Schreckensbilanz liest sich wie folgt: Im Vorjahr wurden österreichweit 86 Großinsolvenzen mit Passiva von je mehr als zehn Millionen Euro angemeldet.

45 dieser Insolvenzen oder 52,3 Prozent der gesamten im Vorjahr verzeichneten Großinsolvenzen entfielen auf den Immobiliensektor. Die Summe der Passiva in diesem Sektor macht 9,1 Milliarden Euro aus, was rund 48 Prozent aller Gläubigerforderungen von insgesamt 18,9 Milliarden Euro sind.

Die Lage hat sich um keinen Tick verbessert

Dass sich die Lage auch im laufenden Jahr um keinen Tick verbessert hat, belegen die KSV-Auswertungen für das erste Halbjahr 2025. Demnach mussten in Österreich 45 Unternehmen mit Passiva von über zehn Millionen Euro Insolvenz anmelden. 35 dieser Pleiten entfielen auf den Immobilienbereich. Damit betrug der Anteil an den Großinsolvenzen sogar knapp 78 Prozent. Mit Schulden in Höhe von 2,75 Milliarden Euro betrug das Volumen an allen erfassten Passiva, die sich auf 4,4 Milliarden Euro beliefen, 62,5 Prozent.

Die Immobilienbranche ist noch nicht aus dem Schneider. Eine Marktbereinigung war und ist notwendig.

Die 20 größten Pleiten mit Passiva über 10 Millionen Euro in 2024

Rene Benko, Unternehmer*, Innsbruck/Tirol

2.430,0

Familie Benko Privatstiftung*, Innsbruck/Tirol

2.280,0

SIGNA Prime Beteiligung GmbH, Wien

830,0

IMFARR Beteiligungs GmbH, Wien

600,0

SIGNA Prime Holding GmbH, Wien 

500,0

SIGNA Development Selection Beteiligung GmbH, Wien

310,0

Mariahilfer Straße 10-18 Immobilien GmbH, Wien

300,0

SIGNA Prime 2019 Acht AT GmbH, Wien

296,0

SIGNA Retail GmbH, Wien

150,0

LNR Development GmbH, Wien

150,0

BBB Immo GmbH, Wien 

125,0

VMF Capital Invest GmbH, Wien

100,0

Rosch Immopaket GmbH, Wien

90,0

WRS Energie- u. Baumanagement GmbH, Linz/OÖ

77,3

DUS Carschhaus Beteiligungs Holding GmbH, Wien

66,5

Sveta Levim Invest GmbH, Wien

62,0

SIGNA Real Estate Management GmbH*, Wien 

60,0

IOI Beteiligungs GmbH, Wien 

60,0

Liegenschaftspaket SABA GmbH, Wien

50,0

VMF Vermögensverwaltung GmbH, Wien

40,0

Die 20 größten Pleiten mit Passiva über 10 Millionen Euro im 1. Halbjahr 2025

Herkules Holding GmbH, Innsbruck/Tirol 

710,0

SIGNA Prime Capital Invest GmbH, Wien 

310,0

Herkules Finance Holding GmbH, Innsbruck/Tirol

257,0

SPS Primus Holding GmbH, Wien 

238,0

SÜBA AG, Wien

200,0

SIGNA Prime 2014 Eins GmbH, Wien

150,0

Upper Zeil Beteiligungs Holding GmbH, Wien 

118,0

Immobilienprojekte BOZEN GmbH, Wien

115,0

6B47 Real Estate Investors AG, Innsbruck/Tirol 

70,0

LNR WGMS 191 Projekt GmbH, Wien 

69,0

MID Holding GmbH, Klagenfurt/Ktn 

68,0

GR Real GmbH, Wien

35,0

umfeld holding gmbh, Innsbruck/Tirol 

34,0

6B47 Projektentwicklungs GmbH, Wien 

32,0

SIGNA Prime CM 2017 GmbH, Wien 

25,0

Gebrüder Riha VermögensverwaltungsgmbH, Wien 

25,0

6B47 Immo Elf GmbH & Co KG, Wien

24,0

JP4RE Immobilienprojekt GmbH, Wien 

23,0

VLR2 Projektgesellschaft mbH, Wien 

23,0

Backsteinbau Pernerstorfergasse 57 Besitzgesellschaft mbH, Wien

22,0

Robert Winter

Autor

Robert Winter

Finanzjournalist

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