Inflation: Das unbekannte Wesen?
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Dass der Anstieg der Verbraucherpreise zu Jahresbeginn klar unter die Drei-Prozent-Marke fallen dürfte, war den sogenannten Basiseffekten zuzuschreiben. Besonders deutlich erkennbar war dies bei Haushaltsenergie. Diese stieg im Dezember 2025 noch um beachtliche +9,0 Prozent p. a. Im Jänner 2026 waren Wegfall von Strompreisbremse bzw. Netzgebührenanhebung und Verbilligungen bei Energie allgemein dafür verantwortlich, dass der Kostentreiber Energie mit -4,9 Prozent p. a. zum wesentlichen Inflationssenker wurde. Damit wurde auch die hohe Inflationsdifferenz zur Eurozone (+1,7 % p. a.) fast nivelliert, denn dort war schon im Gesamtjahr 2025 Energie ein Preisindexdämpfer.
Dazu beigetragen haben auch Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, deren Preisanstieg von 4,1 % im Dezember auf 2,7 % zurückgegangen ist. Die vielgescholtenen Nahrungsmittelpreise weisen damit die gleiche Teuerung aus wie der Durchschnitt der Eurozone. Die von der Regierung ab Juli geltende USt-Senkung von zehn auf 4,9 Prozent kann daher in die Kategorie Aktionismus eingestuft werden. Die Kosten von jährlich 400 Millionen Euro Steuerausfall rechtfertigen keinesfalls eine maximal 0,1 Prozentpunkte tiefere Inflationsrate. Da machen die Schwankungen der Weltmarktpreise oder die 25-Prozent-Aktionen der Einzelhändler ein Vielfaches dieser Gießkannen-Steuerverschwendung in der Preisgestaltung aus. Klammert man Energie und Nahrungsmittel aus, fällt der Inflationsrückgang bei der sogenannten Kerninflation mit 2,8 % ggü. 3,2 % (Dez.) schon weniger spektakulär aus.
Dienstleistungen und Staat als Preistreiber
Aufholbedarf hat Österreich noch bei den Dienstleistungspreisen. Diese sind mit +3,8 % noch über den +3,2 % in der Eurozone. Auch wenn die Lohnerhöhungen ab 2026 nur noch einen halben Prozentpunkt über dem Eurozonenschnitt liegen, die Lohnschere seit 2022 geht auch heuer weiter auf. So sind auch die Mindestlöhne in den letzten vier Jahren mit +25 % klar über der Inflationsrate angestiegen, allein 2025 um gut einen Prozentpunkt mehr.
Den Vogel bei den Dienstleistungspreisen schießen aber die öffentlichen Haushalte selbst ab. Die massiven Gebühren- und Abgabenerhöhungen auf Bundes- sowie Landesebene von fast 47 % (!) sollten die Jubelgesänge der Regierungsmitglieder rasch wieder verstummen lassen. Die stärker als in der Privatwirtschaft steigenden Personalkosten im öffentlichen Dienst und der immer größer werdende Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt bei anhaltend hohen Budgetdefiziten sind die größte Gefahr, dass die jetzt erreichte Talfahrt bei der heimischen Preisentwicklung nur von vorübergehender Natur sein dürfte. Schon 2025 war der Rückgang der Haushaltslücke im Bund überwiegend der Einnahmenseite geschuldet.
Für einen nachhaltigen Erfolg in der Inflationsbekämpfung wären neben der Förderung des Wettbewerbs vor allem eine Rücknahme des seit 2019 stark angewachsenen öffentlichen Sektors notwendig. Statt auf kosmetische Preiseingriffe, die negative Angebotseffekte auslösen, ist angesichts des demografischen Wandels staatliche Aktivität auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren. Denn wie schon in den letzten zwei Jahrzehnten sind die administrierten Preise um 15 bis 20 Prozent mehr gestiegen als jene des Privatsektors. Eine Goldmedaille erhält die Regierung erst, wenn sie den teuren Staatsapparat mittels KI, Digitalisierung und Föderalismusreform substanziell effizienter macht. Mietpreisbremse, Energiepreisdeckel oder sonstige Preiseingriffe zeigen nur, dass Politiker Preissignale in einer Marktwirtschaft nicht verstanden haben.

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Ökonom, Kolumnist, Kommentator
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