Interview

Dachfonds: "Endlich ein Kapitalinstrument für Österreich"

Warum Österreich einen eigenen Dachfonds braucht, wie damit Milliardenpotenziale mobilisiert werden sollen – und warum das nicht nur Start-ups, sondern auch den Mittelstand stärkt: Ein Gespräch mit Invest-Austria Präsident und Business Angel Niki Futter über den Weg zu mehr Risikokapital im Land.

Veröffentlicht

03.10.2025

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4 min
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Ein Mann mit Brille und Bart
© nvest-austria
Niki Futter ist Experte für Privates Anlagekapital. Hier auf der invest.austria conference 2024.

Herr Futter, der Startup Dachfonds ist von der Regierung in Wien auf die Schiene gesetzt worden. Warum brauchen Sie so ein Instrument? - Niki Futter: Der Startup Dachfonds ist für den österreichischen Kapitalmarkt enorm wichtig, denn wir können damit dringend benötigte Liquidität für Fonds und Unternehmen bereitstellen. Österreich ist ja innerhalb der EU ein wenig hinter den Entwicklungen, was solche Instrumente betrifft. Die meisten europäischen Länder haben bereits solche Dachfonds – etwa in Deutschland die KfWCapital oder in Frankreich die Bpifrance – und auch der European Investment Fund (EIF) hat kräftig mitgeholfen, solche Fund-of-Funds aufzusetzen. Wir als Branchenvertreter fordern schon seit rund zehn Jahren ein solches Instrument auch für Österreich.

Wen soll der Dachfonds ansprechen? - Der Dachfonds soll auf Investorenseite institutionelle Investoren ansprechen und bei den Zielfonds jene, die in innovatives europäisches Unternehmertum investieren. Das Ziel ist hierbei die Mobilisierung von nationalem und internationalem Risikokapital, um die Finanzierungsmöglichkeiten für Startups, Scale-ups und KMU in Österreich zu verbessern und deren Wachstum zu fördern.

Wir fordern seit zehn Jahren ein solches Instrument – jetzt kommt es endlich
Niki Futter

Durch das Fund-of-Funds-Konzept des Dachfonds werden die Risiken für die Investoren geringer, weil zwischen den Zielfonds und den Geldgebern eine weitere Ebene eingezogen wird, die zu einer starken Diversifizierung beiträgt. Der Dachfonds kann also risikoaverseres Kapital  gewinnen, das beispielsweise in Versorgungswerken, Pensions- und Vorsorgekassen, Family Offices und Versicherungen liegt. Diese investieren bereits in solche Dachfonds, aber weil es kein Angebot gibt, eben nicht in Österreich.

Wie die jüngst veröffentlichte Studie von Eco Austria zum Dachfonds deutlich macht, kann der geplante Startup-Dachfonds auch erhebliche volkswirtschaftliche Effekte erzielen. Dazu zählen neue Arbeitsplätze, steigende Löhne, höherer Konsum sowie wachsende Staatseinnahmen.

Weitere positive Effekte dieses Modells sind eine stärkere Gründungs- und Unternehmensdynamik, bis zu 270 zusätzliche Unternehmen innerhalb von zehn Jahren, ein höherer Anteil von Schlüsseltechnologien in der österreichischen Wirtschaft und eine deutlich verbesserte internationale Sichtbarkeit Österreichs als Venture-Capital-Standort.

Über welche Summen sprechen wir da? - Österreich mangelt es nicht an Investitionsbereitschaft. Unser Austrian Investing Report 2024 hat zuletzt gezeigt, dass private Investor:innen rund 250 Millionen Euro alleine dieses Jahr im Land investieren wollen. Auch 85 % der hiesigen VC-Fonds und Family Offices wollen ihre Investitionen in Österreich ausbauen.

Gleichzeitig sehen 53 % der privaten Investor:innen die fehlende Verfügbarkeit von großvolumigen Folgeinvestments als zentrales Hindernis. Besonders kritisch wird auch der Rückzug internationaler Investoren gesehen, das macht die Mobilisierung heimischer Kapitalreserven umso dringlicher.

Das gesamte Kapital bei den heimischen institutionellen Investoren wird auf rund 280 Milliarden Euro geschätzt. Das Konzept des Dachfonds zielt darauf ab, für dieses Potenzial ein Angebot zu schaffen, um wichtige Eigenkapitalfinanzierungen hauptsächlich für Startups, Scale-ups und wachstumsstarke KMUs bereitzustellen.

Nur 0,25 Prozent des institutionellen Kapitals würden reichen, um den Dachfonds zu starten
Niki Futter

Um die zunächst geplante Zielgröße von 500 Millionen Euro beim Dachfonds zu erreichen, müssten nur etwa 0,25 Prozent des institutionellen Kapitals mobilisiert werden. Die institutionellen Investoren, wie der Versicherungsverband (VVO) reagierten bereits positiv auf den angekündigten Dachfonds.

Reichen 500 Millionen denn aus? - Als Startpunkt ist das jedenfalls eine ganz gute Summe. Aber es ist natürlich im weiteren Verlauf noch Luft nach oben. Nur zum Vergleich: die KfW Capital hat in den letzten 5 Jahren über 25 Milliarden Euro Kapital für Startups mobilisieren können.

Wie viele Zielfonds kommen für Mittel aus dem Dachfonds denn in Frage? - Dies hängt natürlich schlussendlich vom tatsächlich eingesammelten Kapital ab. Es geht jedenfalls nicht nur um Venture-Capital-Fonds für Startups, sondern auch um Kapital für schon reifere Firmen – daher auch der Begriff Scale-Up. Wir sehen jedenfalls, dass die ganze Breite an Fonds abzudecken ist – also von Venture-Capital-Fonds bis zu Private-Equity-Fonds.

Also geht es auch um die Zeit nach der Gründung von Jungunternehmen? - Auf jeden Fall, die Folgefinanzierung ist oft entscheidend, ob ein Startup überlebt. Der Dachfonds wird einen Fokus auf Zielfonds legen, die A- und B-Runden bei den Firmen finanzieren. B-Runden sind in Österreich meist nicht mehr darstellbar und die österreichischen Fonds steigen oft aus, während die angelsächsischen Fonds das Steuer übernehmen. Für die Wertschöpfung in Österreich ist das verheerend.

Private Equity steht damit auch im Fokus? - Ja, wie erwähnt, geht es um das gesamte Spektrum an Fonds. Im Mittelstand haben wir ja beispielsweise die Nachfolgeproblematik und hier sind solche Fonds sehr gefragt. Hier werden Transaktionen im Bereich von beispielsweise 20 bis 40 Millionen Euro getätigt und dann müssen die Fonds ebenfalls 200 bis 300 Millionen Euro an Gesamtvolumen umfassen.

Welche Renditevorstellungen haben Sie für den Dachfonds? - Ich würde sagen, acht bis zehn Prozent muss das Ziel sein. Das deckt sich auch mit den internationalen Erfahrungen. Manche schaffen natürlich auch mehr, aber wichtig ist zu betonen, dass nur ganz wenige Dachfonds weltweit jemals untergegangen sind.

Welche Branchen sollten im Fokus stehen - Biotechnologie könnte ein Schwerpunkt werden, denn hier ist Österreich im internationalen Vergleich sehr weit, Defense ist natürlich auch ein gefragtes Thema. Und ich denke an Hardware für die industrielle Produktion, also etwa Maschinen statt Software. Und bei akademischen Spin-Offs gibt es auch noch Luft nach oben, wie beispielsweise bei  Quanten-Computing.

Mann mit Bart und Brille
Niki Futter: zur Person
Nikolaus Futter ist Business Angel, Präsident von Invest-Austria und Mitgründer von Ownerchip. Der langjährige Compass-Manager investiert in innovative Unternehmen mit Fokus auf Mobility, Biotech und Blockchain.

Welche Vorstellungen haben Sie bezüglich des Managements des Dachfonds? - Nun, die Manager sollten einen soliden, internationalen Track Record und Marktkenntnisse mitbringen, denn das ist keine Aufgabe für Anfänger. Und tagespolitische Überlegungen dürfen jedenfalls keine Rolle spielen.

Wann wird denn der Dachfonds an den Start gehen? - Realistisch wäre aus meiner Sicht, dass die ersten Investments Ende 2026 erfolgen könnten.

Herr Futter, vielen Dank für das Gespräch.

Peter Köhler

Autor

Peter Köhler

Korrespondent Deutschland

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