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Watchlist: Mehr Empathie auf Führungsebene, bitte!

In vielen Gesprächen der vergangenen Tage – inklusive eines Whistleblowerbriefs – wurde mir einmal mehr klar, dass bei der Auswahl von CEOs durch Aufsichtsräte eine entscheidende Führungsqualität oft unterschätzt wird: Empathie.

Veröffentlicht

14.03.2026

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4 min
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Aufsichtsrat Gruppe von Männern
© KI generiert
Empathische Führung schafft Vertrauen und Leistung – autoritäre Führung dagegen oft nur Distanz.

Ich hatte in den vergangenen Tagen einige Gespräche (und einen Whistelblowerbrief) zum Thema Führung und muss mit Erschrecken feststellen, dass bei der CEO-Wahl durch den Aufsichtsrat das Thema Empathie anscheinend öfter links liegen gelassen wird. Da geht es nicht um einen Kuschelkurs, sondern um die Fähigkeit, für sein Team eine Atmosphäre der Sicherheit zu schaffen. Dadurch entsteht leistungsbereites Arbeiten. Das gilt natürlich nicht nur für CEOs, sondern für alle Personen mit Führungsverantwortung. Nach unten treten? Geht gar nicht, vor allem wenn man dann auf Linkedin die heile Welt postet und sich von der eigenen hässlichen Wahrnehmung derart entfernt hat. Das sollten die Aufsichtsräte mitnehmen: die Themen Governance und Skills in der Mitarbeiterführung müssten noch viel mehr Beachtung in der Befragung von geeigneten Kandidaten finden. 

Um hier das Thema CEO-Suche gleich noch einmal zu bemühen: der Aufsichtsrat der OMV AG hat immer noch keinen Nachfolger für Alfred Stern ernannt. Warum das so ist, kannst du hier nachlesen. Auch die Lenzing AG ist zwar nicht führungslos, aber CEO-los. Und das wird, wie ich höre, auch nicht sofort gelöst, denn der Dreier-Vorstand arbeitet derzeit mit dem Sechser Executive Committee gut zusammen. Ohne CEO wird es nicht gehen, denn die Lenzing AG muss sich für die Zukunft (schon wieder) transformieren. Die größten Chancen bei einer internen Besetzung werden dabei Vorstand Georg Kasperkovitz eingeräumt. Der Aufsichtsrat ist sehr mächtig (lies hier mehr dazu). Gleich unten siehst du die Entwicklung der Lenzing-Aktie auf drei Jahre gerechnet - im Vergleich zum ATX Index. Spricht für sich.

RBI in politischen Turbulenzen

Der spektakuläre Stopp zweier ukrainischer Geldtransporter bei Budapest zieht weitere Kreise – und rückt nun auch die Raiffeisen Bank International AG (RBI) ins Rampenlicht. Die ungarischen Behörden behaupten, der Transport sei nicht korrekt angemeldet gewesen und habe daher einen Anfangsverdacht auf Geldwäsche ausgelöst. Die RBI widerspricht nicht direkt, verweist aber auf das Bankgeheimnis und betont, dass sie seit Jahren im streng regulierten Banknotenhandel tätig ist. Behörden würden regelmäßig detaillierte Informationen über Volumina, Währungen und Zielländer erhalten, die internen Compliance‑Regeln seien strenger als gesetzliche Vorgaben. Kurz: Für die RBI war der Transport Routine – für Ungarn angeblich ein Verdachtsfall.

Politisch bekommt Budapest Rückendeckung aus Österreich: Die FPÖ übernimmt die ungarische Lesart nahezu eins zu eins und spricht ebenfalls von möglichen Geldwäscheaktivitäten. Damit stellt sie sich klar an die Seite Viktor Orbáns, der seit Langem einen konfrontativen Kurs gegenüber der Ukraine fährt. Für die RBI entsteht dadurch ein heikler Nebenschauplatz: Sie ist weder Beschuldigte noch Akteurin, wird aber in ein politisch aufgeladenes Narrativ gezogen, das mit dem eigentlichen Geschäft – einem üblichen Bargeldtransfer zwischen Banken – wenig zu tun hat. Für Investoren bleibt entscheidend: Die RBI sieht sich selbst auf sicherem regulatorischem Terrain, doch das Umfeld wird unruhiger. Anderer Schauplatz: Die RBI will in Rumänien zukaufen (mehr hier dazu). 

Troubles gibt es auch für die Strabag SE: Das Wiener Kartellgericht hat dem Konzern im Zusammenhang mit dem Baukartell den Kronzeugenstatus aberkannt und die ursprünglich festgesetzte Kartellstrafe von 45,4 Millionen Euro auf 146 Millionen Euro erhöht. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) konkretisierte die deutlich höhere Geldbuße am Mittwoch vor Gericht. Es handelt sich damit um die mit Abstand höchste je in Österreich verhängte Kartellstrafe. Die Strabag betont jedoch, dass man das Settlement als wichtigen Schritt zur endgültigen Bereinigung des Baukartell-Komplexes sieht und die Lösung konstruktiv bewertet. Mach dir selbst ein Bild!

Vienna Insurance Group stark unterwegs

"Ein herausragendes Jahr in allen Kennzahlen" nannte Hartwig Löger gestern die Performance der Vienna Insurance Group AG fürs Jahr 2025. Der Kauf der Nürnberger Versicherung ist zwar noch nicht in trockenen Tüchern, aber die Prämien im Lebensversicherungsgeschäft der VIG-Gruppe werden stark steigen. Eine marktdominante Position strebt die VIG in Deutschland allerdings nicht an. Highlight für mich: Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 31,7 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Und: Die Solvenzquote liegt bei 296 Prozent (!), "das heißt, die VIG hat dreimal so viel Eigenkapital wie aufsichtsrechtlich notwendig und wir können die Nürnberger aus eigener Tasche zahlen", erklärte VIG-Finanzvorständin Liane Hirner. Cool! 

Wir haben die Dividende jedes Jahr erhöht und kürzen sie nicht für Zukäufe. Wir sind nicht interessiert an einem Wettrennen um Ausschüttungsquoten.
Hartwig Löger
CEO Vienna Insurance Group AG

Ich bin gespannt, welche zusätzlichen Geschäfte die VIG in Polen durch ihre strategische Partnerschaft mit der Erste Group machen wird. Hartwig Löger hat auch noch Appetit auf weitere Zukäufe in CEE, insgesamt in der Größenordnung der Nürnberger (also um 1,4 Milliarden Euro). Osteuropa (CEE) trug auch bei der Uniqa Insurance Group AG überproportional zum Prämienwachstum von plus 8,2 Prozent bei. Die Aktionäre freuen sich: Die Dividende steigt um 20 Prozent auf 72 Cent pro Aktie. CEO Andreas Brandstetter (Bild unten) bezeichnet CEE als den am stärksten wachsenden Markt der Welt. Polen bezeichnet der CEO als "Tiger in Osteuropa", konkret gäbe es keine Übernahmepläne, aber neben Polen seien auch Ungarn, Tschechien die Slowakei oder Ungarn sehr interessant.

Brandstetter Uniqa vor einem Bildschirm

Kampf gegen Geldwäsche 

Apropos: "Für Banken, die langfristig denken, ist Compliance keine lästige Pflichtübung, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil", schreibt Erste-Group-Boss Peter Bosek im Kommentar im Börsianer Magazin. Und: "Die Stärkung der Geldwäscheaufsicht in Österreich sowie auf europäischer Ebene ist ein ­überfälliger Meilenstein." Das hat auch die FMA gefreut! 

Und: 31 Prozent der Österreicher besitzen laut Aktienforum Wertpapiere - Fondsparplan sei Dank! - 18 Prozent davon Aktien. Da geht was weiter. Bis das in der Politik ankommt, vergehen noch ein paar Generationen...

Was kommt?

Hier die wichtigsten Termine für die kommende Woche:

  • 17. März 2026 – Mayr-Melnhof Karton AG – Jahresergebnis 2025

  • 18. März 2026 – Semperit AG Holding – Veröffentlichung des Jahresergebnisses 2025

  • 18. März 2026 – Verbund AG – Jahresergebnis und Geschäftsbericht 2025

  • 19. März 2026 – SBO AG – Jahresabschluss 2025

  • 19. März 2026 – Lenzing AG – Bilanzergebnisse 2025

Börsianer Insider

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