Watchlist: Öbag, Strategie & Vorsorge
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35 Jahre ist sie jetzt schon in sehr unterschiedlichen Rollen bei der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG), hat mir ÖBAG-Chefin Edith Hlawati heute gesagt. Und kurz vor ihrem Abschied (im Jänner 2027 ist Schluss) durfte sie jetzt noch federführend die neue Strategie ausarbeiten und mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer präsentieren (hier mehr dazu).
Der Minister wünscht sich eine aktivere und noch strategischere Beteiligungsarbeit. Die ÖBAG-Beteiligungen sollen als Leitbetriebe Innovationsmotor und Türöffner ins Ausland sein. Und ein Ökosystem à la XVentures der Verbund AG (Start-ups und Scale-ups) aufbauen, damit der Standort Österreich wettbewerbsfähiger wird.
Vor allem beim Thema Energie sollte es im Inland keine Denkverbote geben (meint er etwa auch Fracking …), denn eine kosteneffiziente Energieversorgung ist ein Standortfaktor. Hehre Pläne, sag ich da! Denn bis jetzt waren OMV AG, Verbund AG, A1 Telekom Austria AG, EuroTeleSites AG und Österreichische Post AG vor allem für eines gut: dem Finanzminister Dividenden und Sonderdividenden fürs Budgetloch abzuliefern. 2025 waren es (für 2024) 1,26 Milliarden Euro! Fantastische Melkkühe sozusagen.
Schau, ich bin gespannt, wie sich der Aufbau der Ökosysteme, der viel Geld kosten wird, mit den Dividendenzahlungen verträgt. Und ob die zukünftigen ÖBAG-Chefitäten diesen Spagat hinbekommen. Die Suche nach der neuen ÖBAG-Führung geht übrigens demnächst offiziell los, Ausschreibung inklusive.
Altersvorsorge: Endlich ohne Kapitalgarantie!
Ich freue mich, dass sich bei der Abfertigung neu endlich etwas bewegt. Die geplante Möglichkeit, Abfertigungsgelder ohne Kapitalgarantie in Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaften anzulegen, ist ein wichtiger Schritt. Die Garantie war lange ein Renditehemmnis – mit konservativen Veranlagungen und teils realen Wertverlusten.
Dass nun auch die Verwaltungskosten sinken und unterschiedliche Risikoprofile samt Lebenszyklusmodell vorgesehen sind, bringt das System näher an internationale Standards. Mehr Risiko in jungen Jahren, weniger Richtung Pension – das ist logisch und stärkt die langfristige Vorsorge.
Unterm Strich: eine längst fällige Reform, die dem System spürbar mehr Dynamik verleiht. Jetzt bin ich optimistisch, dass die Anbieter diesen Spielraum auch aktiv nutzen (mehr dazu hier). Allerdings: Die Kapitalgarantie wurde bisher in Form von höheren Verwaltungskosten an die Kunden verrechnet (die Garantie ist ja auch teuer!). Ob die Vorsorgekassen (nicht alle werden das Modell ohne Kapitalgarantie wählen) jetzt darauf sitzen bleiben?
Die B&C Holding Österreich hat jetzt ihr Angebot für 41,52 Prozent der Aktien der Semperit AG Holding für 15 Euro je Aktie veröffentlicht. Zur Erinnerung: Vor fünf Jahren notierte die Aktie bei fast 40 Euro, vor drei Jahren bei 26 Euro – dann kam die Industrierezession. Da erscheinen mir die 15 Euro ein bisserl gar wenig. Der Semperit-Vorstand hat jetzt bis 4. Mai 2026 Zeit, in sich zu gehen. Ich hoffe, der Vorstand weiß, dass er und das Unternehmen mehr wert sind als 15 Euro. Wie du am Chart sehen kannst, hat sich die Aktie seit dem Übernahmeangebot nicht mehr bewegt.

Splitter
Spannend sind die Zahlen der Bundesfinanzierungsagentur: Österreich hat im Vorjahr 45 Milliarden Euro Bundesanleihen emittiert, grüne Wertpapiere kamen auf 6,1 Milliarden Euro. Die neu aufgenommenen Schulden beliefen sich auf 76,4 Milliarden Euro mit einer Verzinsung von 2,48 Prozent. Die öffentliche Schuldenquote erhöhte sich auf 81,5 Prozent.
Das am AIT Austrian Institute of Technology entwickelte Projekt Voltera bringt KI ins Stromnetz und gewinnt den Houskapreis 2026. Das innovative Netzmanagement-System ermöglicht die sichere Integration erneuerbarer Energien und überzeugt damit auch die Jury.
Das Vorstandsteam der Strabag SE wurde allesamt verlängert. Es schmerzt ein bisschen in der heutigen Zeit, aber da lächeln nur Männer vom Foto. Immerhin sitzen im Aufsichtsrat drei Frauen (von sechs Kapitalvertretern).
Neues gibt es von der AT&S AG, dem aktuellen Börsenstar im ATX Index: Das Unternehmen arbeitet an Glaskern-Substraten für KI-Hochleistungsrechner und Photonik – ein technologischer Schritt mit ordentlich Zukunftspotenzial. Nach plus 563 Prozent auf Einjahressicht liefert AT&S damit auch fundamental gute Gründe, warum die Aktie derzeit so im Rampenlicht steht.
Termine
Kommende Woche sind Hauptversammlungen von Semperit AG Holding (27.4.), Porr AG (28.4.), Mayr-Melnhof Karton AG (29.4.), SBO AG (30.4., sowie Q1-Zahlen von Palfinger AG (28.4.), Mayr-Melnhof Karton AG (28.4.), Andritz AG (29.4.), OMV AG (30.4.), Amag Austria Metall AG (30.4.), Erste Group Bank AG (30.4.) am Programm. Das Konzernbericht 2025 liefern: VIG (28.4.), Strabag SE (28.4.), Warimpex (29.4.), Frauenthal Holding AG (29.4.), Flughafen Wien AG (30.4.)

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