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Börsianer Watchlist: Hot and heavy

Der Markt hält auf Trab: Banken im Übernahmekampf, Froots geht KESt-freie Altersvorsorge, Stimmung! und ein SpaceX-Börsengang.

Veröffentlicht

03.06.2026

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5 min
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© Börsianer
Diese Frau findest du in den Seitenstraßen von Palermo.

Fast könnte man meinen, Michael Höllerer, der mit Juli 2026 die CEO-Rolle bei der Raiffeisen Bank International AG übernimmt, sorgt schon jetzt für Auftrieb. Die RBI-Aktie ist heuer mit mehr als 28 Prozent Plus (Einjahressicht plus 83 Prozent) drittbeste (!) Aktie im ATX Index. Das Thema Russland ist in den Hintergrund gerückt, weil die Bank plötzlich wieder Zukäufe tätigt. Beim Übernahmeversuch der Addiko Bank AG sicherte sich die RBI bereits 34,75 Prozent der Aktien - das Ziel sind mindestens 50+ Prozent - und das obwohl das Angebot von 26,50 Euro weit unter dem Angebot der slowenischen NLB (die will aber mindestens 75 Prozent) von 33,50 Euro liegt. Was die NLB unterschätzt hat: 75 Prozent sind unwahrscheinlich, Großaktionäre wie Alexander Schütz wollen raus, da wegen Addiko-Aktionär Alta Group (ist der EZB zu undurchsichtig) keine Dividenden gezahlt werden. Und da verzichtet man anscheinend auf rund 12 Millionen Euro Mehrertrag. Wer hat, der hat! Und eine schöne Prämie sind die 26,50 Euro allemal, die Einstiegskurse der Großaktionäre waren deutlich niedriger. Ich halte die 50 Prozent-Schwelle für möglich, aber das wird noch anstrengend. Bis 21.Juli müssen die Addiko-Aktionäre überzeugt werden. Bei einem Buchwert je Addiko-Aktie von mehr als 46 Euro hätte es mehr Druck auf die RBI geben müssen.

© Addiko Bank /KI
Für mich stellt sich nicht mehr die Frage, wer das bessere Angebot hat, sondern ob die RBI bei der Addiko Bank die 50-Prozent-Schwelle knackt.

Die Banken in Europa sorgen derzeit für die spannendsten News, kommt mir vor. 34,35 Prozent hält die Unicredit bereits an der Commerzbank, die sich weiterhin gegen eine Übernahme wehrt. Wer hat hier den längeren Atem?

Private Altersvorsorge KESt-frei

Andreas Treichl hat sich heute zu einem Lieblingsthema geäußert. Gemeinsam mit dem Fintech Froots (Andreas ist Investor) stellte er heute ein neues privates Altersvorsorge-Produkt vor, das KESt-frei ist. Es funktioniert nämlich wie eine fondsgebundene Lebensversicherung, aber mit deutlich geringeren Kosten. Schlau! Denn vom Staat wird die private Altersvorsorge durch die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge und durch die KESt-Befreiung für Lebensversicherungen gefördert.

"Es ist für alle, die Geld auf die Seite legen können und langfristig ansparen wollen. Alles, was den Kundinnen und Kunden keinen Mehrwert bringt, haben wir weggelassen – Abschlussprovisionen, Kickbacks, überflüssige Verwaltungsstrukturen. Den steuerbefreiten Versicherungsmantel haben wir von der Veranlagung getrennt”, sagte Froots-CEO David Mayer-Heinisch.

Die Veranlagung läuft über ETF und wird von Froots gemanaged. Hier habe ich die zwei für dich:

© Froots
Andreas Treichl meinte heute, als er geboren wurde lag die Lebenserwartung für Männer bei 71 Jahren, für heute Geborene liegt sie bei 90 Jahren. "Es ist ein Unterschied, ob ich für 6 oder 25-30 Jahre fürs Alter vorsorge", meinte er. Da hat er recht. Neben ihm steht Froots-CEO David Mayer-Heinisch.

Wieso ist die Stimmung so schlecht?

Du hast dich sicher auch schon gefragt, wieso die Stimmung im Land so gedrückt ist. Wird das absichtlich von der Politik so schlecht dargestellt? Denn die börsennotierten Unternehmen liefern eigentlich fast alle solide oder wirklich gute Zahlen fürs erste Quartal 2026 ab. Sogar bei der UBM Development AG zeichnet sich ein Turnaround ab - ich halte die Daumen! Da hilft es, dass die Porr AG dem Immobilienentwickler Hybridkapital in Höhe von 56,4 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Die Asta Energy Solutions AG (liefert Kupferkomponenten für Energie-Infrastruktur) verbesserte das Ebitda um fast 70 Prozent. Hallo Energiewende! Auch Voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner präsentierte heute gute Zahlen fürs Geschäftsjahr 2025/2026 (wieso ist das immer noch ein Schiefes? Könnte man doch anpassen), trotz "sehr schwierigem Umfeld". Die Voestalpine AG ist mittlerweile richtig breit aufgestellt und das hilft natürlich. Der Star ist der Eisenbahnbereich mit starkem Wachstum. Davon kann auch die Strabag SE ein Lied singen, die sich Schieneninfrastrukturaufträge in Polen (255 Millionen Euro) und Australien (490 Millionen Euro) gesichert hat.

Und dann gibt es Dinge, die in Österreich kostenlos sind, wie die Vorsorgeuntersuchung, aber nur 19 Prozent nehmen dieses Service in Anspruch, jeder fünfte hat noch nie eine gemacht, sagt mir Uniqa-CEO Andreas Brandstetter, der vergangene Woche im Klub der Wirtschaftspublizisten war. Verrückt! Für Andreas sind die Klimaveränderungen die größte Bedrohung, rund 2 Milliarden Euro an klimabedingten Schäden kommen da jedes Jahr in Österreich zusammen. Langfristig steigt das auf 10 Milliarden Euro jährlich. Die Uniqa Insurance Group AG zahlt deshalb mit steigender Anzahl an Unwettern mehr an die Rückversicherung.

© baha
Hier gehts steil bergauf für die AT&S Aktie. Ich rechne bald mit Gewinnmitnahmen.

Weißt du, wieso meine Stimmung gut ist? Weil die Börsen - sind traditionelle Vorlaufindikatoren - gut laufen. Der ATX steht bei 6.100 Punkten, ATX TR bei 15.177! Kann was. Die Aktie der AT&S AG hat sich in einem Jahr um mehr als 770 Prozent verbessert. Da rechne ich jetzt bald mit Gewinnmitnahmen. Am 11. Juni 2026 veröffentlicht der Konzern genau wie die Do&Co AG die Geschäftszahlen für 2025/2026.

Was erwartet dich nächste Woche?

Am 12. Juni 2026 will SpaceX an die Börse gehen. Ich habe einen sehr spannenden Kommentar von Georg von Wallwitz, Geschäftsführender Gesellschafter von Eyb & Wallwitz, dazu gelesen. Er schreibt: "Dieser Gang auf das Parkett ist so kolossal, dass dafür die Regeln für die Aktien-Indices angepasst werden. Anders wäre das nötige Geld vielleicht nicht aufzutreiben – zumal mit Anthropic und OpenAI noch zwei weitere Mega-IPOs angekündigt sind. Anstatt wie üblich zu warten, bis die Börsenbewertung einer Aktie sich eingependelt hat, sollen nun die großen Indices schon nach wenigen Tagen die Aktie von SpaceX aufnehmen. Das wird einen enormen Kaufdruck durch die Indexfonds erzeugen. Die Indexanbieter nehmen es dabei auch mit dem Thema Governance nicht so genau: Nicht nur bekommt Musk eine praktisch unkündbare Stellung im Unternehmen, es verzichten die Anleger auch weitgehend auf Möglichkeiten, Elon Musk zu verklagen. Während die Indexfonds (ETFs) also kaufen müssen, wird im IPO-Prospekt gewissen Insidern die Möglichkeit eingeräumt, ihre Aktien schneller zu verkaufen als nach der üblichen Ein-Jahres-Frist. Sie suchen also nach einem raschen Ausgang, während das breite Publikum sich für den Kauf der Aktien begeistern soll."

Daumen drücke ich

Georg Kasperkovitz, der mit 1. Juni 2026 bei der Lenzing AG das CEO-Ruder übernommen hat. Seine Bestellung war nicht überraschend. Er hat in den vergangenen Monaten den Vertrieb, besonders in Asien, stark ausgebaut. Leicht wird es für ihn nicht. Ende Dezember 2025 hat er mir gesagt, dass die Lenzing AG bei einem 40-Kilometerlauf erst beim Aufwärmen ist. Ich hoffe, da sind jetzt schon ein paar Kilometer geschafft. Ende 2027 muss die Finishline zu sehen sein. 99 Prozent des Umsatzes wird international erzielt.  

Christoph Rainer, der als Head of Investor Relations von der UBM Development AG (CEO Thomas G. Winkler war nicht erfreut!) zur Asta Group gewechselt hat. Viel Freude mit der neuen Aufgabe!

"Kompetenz bringt dich in den Raum, Mut hält dich dort, Haltung bringt dich nach vorne." Aufsichtsrätin Christina Wilfinger hat den Börsianer Salon (hier mehr dazu) zum Thema "Karrierewege am Kapitalmarkt" pointiert zusammengefasst.

Die nächste Hauptversammlung

ist jene der Uniqa Insurance Group AG am 9. Juni und die der Strabag SE am 12. Juni.

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