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Watchlist: Rekorde, Sparpläne und Pokerfaces

Während die OMV Stellen abbaut und die Addiko Bank im Übernahmepoker steckt, kämpfen Österreichs Konzerne mit Druck auf Gewinne, Kommunikation und Märkte.

Veröffentlicht

08.05.2026

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© Börsianer
Zwischen Börsenrekorden, Sparprogrammen und Übernahmepoker: Die heimische Finanzwelt liefert derzeit Spannung.

Die menschliche Psyche ist ein Hund. Da schickt uns die Meldung, dass das Barrel Brent-Öl 100 US-Dollar kostet, derzeit beinahe in eine kollektive Depression. Dabei sind die Preise, die sich dann an den Zapfsäulen ergeben, historisch gesehen absolut günstig. Das deutsche Ifo-Institut rechnete jetzt aus, wie lange man für einen Liter Normalbenzin arbeiten muss: etwa fünf Minuten. Wenn man sich die Entwicklung der Durchschnittslöhne ansieht, ist das demnach weniger als in den Jahren 2006 bis 2013. Liegt vielleicht auch daran, dass wir uns alle so schwer tun, Zinseszins zu rechnen – wie gestern WU-Professorin Bettina Fuhrmann bei der Recommender Gala des Finanzmarketingverbandes (FMVÖ) ausführte. Tja, beim Thema Finanzbildung ist eben noch Luft nach oben, obwohl Österreich da im OECD-Vergleich gar nicht schlecht dasteht.

OMV mit Sparprogramm

Du hast es mitbekommen: Die OMV AG muss bei einem Ölpreis von rund 100 Euro sparen und kürzt deshalb die Belegschaft in Österreich um 400 Köpfe. Insgesamt sind es 2.000 Mitarbeiter, die gehen müssen. Wie viel dieser Personalabbau (die OMV nennt es „freiwilliges Austrittsprogramm“) die OMV kosten wird, will mir das Unternehmen nicht sagen. Es spart sich dadurch bis 2027 30 Prozent von 400 Millionen Euro, also 120 Millionen Euro. Warum mich die Kosten des Austrittsprogramms und die „Golden Handshakes“ interessieren? Naja, Aktionäre sollte das schon interessieren. Der Einfachheit halber multipliziere ich jetzt die 400 von 2.000 mit einem Jahresgehalt und komme auf einen Millionenbetrag.

Ich hoffe, die neue OMV-CEO Emma Delaney bringt auch die Kommunikation der OMV AG wieder in Schuss. Derzeit ist das sehr Marke Weichspüler. Da geht mehr!

Übernahmepoker

Was läuft bei der Addiko Bank AG, werdet ihr euch fragen – und ich sage euch: Ihr seid nicht die Einzigen! Der Status: zwei angekündigte, sehr unterschiedliche Übernahmeofferte, eines von der Raiffeisen Bank International AG und eines von der NLB, aber noch kein offiziell eingereichtes Angebot bei der Übernahmekommission. Was jetzt kommt: Die NLB muss zwischen 13. und 18. Mai 2026, die RBI zwischen 14. und 19. Mai mit der Wahrheit raus.

Für dich zum Verständnis: Die NLB weiß schon jetzt, dass sie nicht alle Aktien bekommen wird, weil die serbische Alta Group (hält 9,63 Prozent) einen Deal mit der RBI geschlossen hat. Die Frage, die sich mir stellt: Wieso sollten Aktionäre ein Angebot von 23,05 Euro je Aktie (von der RBI) annehmen, wenn sie die Aktie am Markt aktuell um 27,50 Euro verkaufen könnten oder an die NLB um 29 Euro? Eine Dividende bekommen sie dadurch keine mehr, und diese wird ihnen von der RBI für 2024/2025 auch nicht im Preis abgegolten. Mein Take: Die RBI wird ihr Angebot nachbessern müssen.

Aus der Affäre gezogen hat sich das Management der Semperit AG Holding beim Übernahmeoffert der B&C Gruppe (hier mehr dazu).

Splitter

  • Die Lenzing AG verdient im Q1 deutlich weniger: Der Gewinn sinkt auf 24 Mio. Euro, belastet durch niedrigere Zellstoffpreise und geringere Absatzmengen. Die Probleme bleiben die gleichen: Trotz Umbau und besserem Cashflow bleibt der Ausblick vorsichtig. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie geopolitische Risiken drücken weiter auf die Perspektiven.

  • Mini-Strafe für großen Vorteil: Elon Musk zahlt nur 1,5 Millionen US-Dollar Strafe, obwohl er durch verspätete Offenlegung beim Twitter-Einstieg rund 150 Millionen US-Dollar gespart haben soll. Der Deal mit der US-Börsenaufsicht beendet den Streit. Ob eine solche Strafe abschreckenden Charakter hat?

  • Die Uniqa Insurance AG refinanziert sich am Kapitalmarkt: Der Versicherer startet ein Rückkaufangebot für eine alte Tier-2-Anleihe und platziert gleichzeitig eine neue über 500 Millionen Euro. Die neue Anleihe bietet einen Coupon von 4,5 Prozent für zehn Jahre und soll die Kapitalbasis stabilisieren und regulatorisch stärken.

Termine

Am 8. Mai stehen die Quartalszahlen der Österreichischen Post AG im Fokus. Die Agrana Beteiligungs AG legt am 12. Mai die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2025/26 auf den Tisch. Die Ergebnisse von Q1 liefern die BKS Bank AG und die Addiko Bank AG am Mittwoch. Die Polytec Holding AG liefert am Mittwoch einen Zwischenbericht.

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Börsianer Insider

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