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Watchlist: Poker um Addiko und relative Gelassenheit

Übernahmepoker, robuste Banken und vorsichtiger Optimismus prägen aktuell die Stimmung an Österreichs Finanzmärkten.

Veröffentlicht

10.04.2026

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3 min
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A European financial scene featuring banking logos, euro banknotes, poker chips, and stock market charts, symbolizing economic and financial dynamics.
© Börsianer
Die angestrebte Übernahme der Addiko Bank hat sich zu einer kleinen Pokerrunde entwickelt. RBI und NLB planen Angebote zu legen.

Was für ein Aufreger: Im Übernahmepoker um die Addiko Bank AG sitzt nun plötzlich auch die Raiffeisen Bank International (RBI) mit am Tisch – und offenbar hat sie mit der serbischen Alta Group, bekannt aus früheren eigenen Übernahmeversuchen, gleich einen strategischen Partner an ihrer Seite. Ob der Einsatz, den CEO Johann Strobl in den Pot legt, für eine erfolgreiche Übernahme reicht, ist allerdings offen. Die slowenische NLB hat jedenfalls umgehend mit einem attraktiveren Angebot nachgelegt (hier lesen).

Ich habe dabei die Worte von Erste‑Group‑CEO Peter Bosek im Ohr, der mir einmal sagte: Wenn viele Bieter im Rennen sind, sollte man sich gut überlegen, wie viel man wirklich bereit ist zu zahlen. Ich bin gespannt, wie locker das Übernahmebörserl am Ende tatsächlich sitzen wird.

Rebound an den Märkten

Mittwoch ging an der Börse die Post ab, auch der ATX feierte den (mittlerweile brüchigen) Waffenstillstand im Nahen Osten. Die Do&Co AG, Voestalpine AG und FACC AG gewannen zweistellig, nur die OMV AG lag mit rund vier Prozent im Minus. Fast könnte man meinen, der leichte Rückenwind nach drei Jahren Industrierezession ist wieder zurück. Tags darauf ging es dann wieder leicht nach unten – so sind die Zeiten derzeit!

In der vergangenen Woche gab es einen starken Rebound bei ATX-Werten. Der Ölkonzern OMV musste Federn lassen.

Eibensteiner entspannt

Relativ entspannt diese Woche Voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner im Klub der Wirtschaftspublizisten, dessen Aufgabe es ist, sein Unternehmen derzeit durch diese schwierigen Zeiten zu navigieren – inklusive Reorganisation, Portfolio-Optimierung und Abbau von Arbeitskräften. Wenn die Energiepreise hoch bleiben, „dann werden Inflation und Zinsen steigen, das kennen wir schon“, meinte der CEO, der kürzlich einen Milliardenauftrag für die Luftfahrtbranche an Land ziehen konnte. Hauptkunde ist Airbus.

Was Eibensteiner fordert? Eine Senkung der Energiepreise durch strukturelle Reformen – „aber die Merit-Order will in der EU keiner angreifen“ –, eine Verlängerung der CO₂-Gratiszertifikate (hier mehr dazu), die Umsetzung der Handelsschutzmaßnahmen und den Ausbau der erneuerbaren Energie inklusive Netze. Ohne den wird es keine Dekarbonisierung in Europa geben, sagt Eibensteiner.

Ich halte überhaupt nichts vom US-Weg, wo die Regulierung sukzessive heruntergefahren wird.
Franz Gasselsberger zählt keineswegs zu den Kritikern der strengeren europäischen Bankenaufsicht.
Oberbank AG

Bankaktien erstaunlich robust

Die Stimmung an Europas Finanzmärkten wirkt derzeit ein wenig wie nach einer zu kurzen Nacht: Man spürt, dass etwas im Busch ist, aber viele Banktitel reagieren erstaunlich gelassen. Die geopolitischen Spannungen treiben Ölpreise und Unsicherheit nach oben, doch an den Kursen sieht man das nur punktuell.

Gleichzeitig zeigt sich, wer stabil dasteht und wer schneller ins Wanken geraten könnte – etwa dort, wo Energieabhängigkeiten oder schwächelnde Immobilienfinanzierungen im Hintergrund drücken. Qualität rückt wieder stärker in den Mittelpunkt, während manche italienische Institute und spezialisierte Kreditgeber eher auf die Beobachtungsliste gehören.

Zu diesem Fazit kommen jedenfalls die Analysten von BNP Paribas, die in ihrer aktuellen Einschätzung vor allem auf Robustheit im Kern und zunehmende Vorsicht an den Rändern verweisen. Insgesamt entsteht der Eindruck: Der Traum vom perfekten Umfeld ist vorbei, aber ein echter Albtraum ist es auch nicht. Und dafür ist auch die europäische Regulierung mit starken Eigenmittelquoten verantwortlich.

Dazu sagt auch der scheidende Oberbank-Boss Franz Gasselsberger: „Ich halte überhaupt nichts vom US-Weg, wo die Regulierung sukzessive heruntergefahren wird.“

Splitter

  • Die BKS Bank AG zahlt ihren Aktionären 0,50 Euro Dividende – das ist Rekord in der Geschichte der Bank. Bei CEO Nikolaus Juhasz funktioniert auch das Nachhaltigkeitsgeschäft (lies hier nach).

  • Oberbank‑Chef Franz Gasselsberger mahnt zum Abschied eine stärkere Börsenkultur in Österreich ein – trotz erneutem Rekordergebnis kritisiert er das schwache IPO‑Umfeld und erinnert daran, dass Wien seit Jahren kaum Börsengänge verzeichnet (hier lesen).

  • Austrian Power Grid-Chef Gerhard Christiner sagt, Photovoltaik ist zu teuer, Windkraft wäre besser. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer will beim Ausbau der Erneuerbaren aber nicht alles vorschreiben.

  • Rosenbauer International AG erzielt 2025 das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte und erreicht Rekordwerte bei Umsatz, Ergebnis und Auftragsstand – während die Nettoverschuldung halbiert und über 100 neue Jobs in Österreich geschaffen werden.

  • Die Wiener Börse startet den Podcast „Safe! Stories übers Investieren“ – ein Format, das mit persönlichen Geschichten prominenter Gäste neue Zugänge zu Finanzbildung und Investmentkultur schaffen soll.

Termine

  • Die nächsten Hauptversammlungen: Österreichische Post AG (15. April), AMAG Austria Metall AG (16. April), Erste Group Bank AG (17. April).

  • SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG präsentiert am 16. April ihr Jahresergebnis 2025 – spannend wird, wie sich die Nachfrage nach Betonfertigteilen zuletzt entwickelt hat.

  • Die nächste Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer geht am 10. Juni 2026 über die Bühne.

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Börsianer Insider

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