News

Watchlist: Zwischen Chip-Hype und Zinsfrage

AT&S positioniert sich gerade dort, wo der nächste große Wertschöpfungssprung in der Chipindustrie passiert: im Herz der KI-Infrastruktur und bei den globalen Hyperscalern.

Veröffentlicht

22.05.2026

Lesezeit

3 min
Teilen auf
Chip auf einem Roboterarm
© AT&S
Rechenzentren haben Hunger nach Chips. AT&S mischt hier mit.

AT&S scheint mir gerade genau dort anzudocken, wo künftig das große Geld in der Chipindustrie verdient wird: bei den Hyperscalern und der KI-Infrastruktur. Während viele Anleger den steirischen Leiterplattenhersteller noch immer als klassischen Zulieferer sehen, baut man in Leoben und vor allem im malaysischen Kulim längst an der nächsten Liga der Mikroelektronik. Die neuen IC-Substrate sind nämlich nichts weniger als die Hochleistungs-Autobahnen für KI-Prozessoren. Und dort entsteht derzeit ein Nachfrageboom, den die Silicon-Valley-Größen kaum stillen können. Was man aus der Branche hört: AT&S taucht bei mehreren internationalen Tech-Konzernen inzwischen deutlich stärker am Radar auf als noch vor zwei Jahren. Das wäre dann wohl auch die Erklärung dafür, warum selbst die aktuellen Geschäftszahlen mit einem Minus von 25 Millionen Euro (hier den Artikel lesen) nur kurz Einfluss auf die Aktie hatten.

Blick auf die FED

Was derweil in der Welt geschah: Kevin Warsh wurde als Chef der Notenbank Fed vereidigt – ein erfahrener Krisenmanager übernimmt also das Ruder in wirtschaftlich unruhigen Zeiten. Politisch ist das ein klarer Sieg für Donald Trump. Und genau hier bekommt die Sache einen Beigeschmack: Gerade weil die Fed traditionell unabhängig agieren soll, wirkt die Ernennung eines vom Weißen Haus so offensiv unterstützten Kandidaten heikel. Denn wenn Zinspolitik plötzlich auch nach politischem Kalkül riecht, könnte das Vertrauen der Märkte schneller dahin sein, als einem die Inflation lieb ist. Der Anleihemarkt sendet vor der Amtsübernahme von Kevin Warsh als Fed‑Chef ein klares Warnsignal: Wegen hartnäckiger Inflation rechnen Investoren eher mit weiter hohen oder sogar steigenden Zinsen.

In Wien, bei der 72. Börsianer Roadshow, diskutierten wir nicht nur das große Thema, wie die Energiewende und -unabhängigkeit vorangetrieben werden kann, sondern auch den Zukunftsmarkt der Space Economy. Lohnt es sich, beim möglichen IPO von SpaceX dabei zu sein? Unser Experte Gernot Grömer ist jedenfalls nicht uneingeschränkt euphorisch, was Musks Versprechen an die Investoren betrifft (hier mehr lesen).

„Wir zahlen wieder eine Dividende, wenn das Eigenkapital wieder passt, um für eine schwierige Phase in Zukunft gewappnet zu sein. Dafür braucht man eine Eigenkapitalquote von 40 Prozent."
­ Michael Mertin
... will lieber in Innovation investieren und AT&S zukunftsfähig aufstellen, als Kapital an die Aktionäre auszubezahlen. Derzeit liegt die Eigenkapitalquote bei 22,6 Prozent

News Splitter

Der OGH hat der Strabag SE im Streit mit dem sanktionierten Großaktionär Rasperia nun endgültig den Rücken gestärkt: Die Russen bleiben von Hauptversammlung und Stimmrechten ausgeschlossen. Damit taucht der eingefrorene 24-Prozent-Anteil zwar weiter in der Aktionärsstruktur auf, operativ ist er aber de facto bedeutungslos.

Die Vienna Insurance Group AG (VIG) hat mit der Nürnberger Versicherung die größte Übernahme ihrer Unternehmensgeschichte vollzogen. VIG-CEO Hartwig Löger sagte über die Übernahme im Interview (klick hier) mit dem Magazin Börsianer Perspektiven: „Es gibt hier keine hundertprozentige integrative Angleichung. Die Nürnberger ist die Nürnberger und wird die Nürnberger bleiben. Ihre 140-jährige Geschichte, ihre Marke, ihr Standort, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihre Kundinnen und Kunden werden die Nürnberger weiterhin so wahrnehmen, wie sie sind. Die Nürnberger wird Teil der VIG-Flotte, aber das Schiff selbst hat dieselbe Farbe, denselben Namen und ein sehr erfahrenes Management.“

In den vergangenen Monaten stand die Chemiesparte der OMV AG im Vordergrund (Stichwort Borouge International), jetzt wird im österreichischen Wittau – in der Nähe von Groß-Enzersdorf und der Lobau – Gas gefördert. Der gesamte Ausbau, potenziell 48 Terawattstunden, verdoppelt die Gasproduktion in Österreich. Anfangs werden 11 Terawattstunden erschlossen. Damit können 100.000 Haushalte zehn Jahre lang mit Wärme versorgt werden. Cool! Wie du weißt, ist die OMV AG auch in Rumänien am größten Gasentwicklungsprojekt Europas namens Neptun Deep beteiligt (hier mehr dazu). Dort soll ab 2027 Gas gefördert werden.

Die deutsche Commerzbank hat ein Übernahmeangebot der italienischen Unicredit (und Mutter der Unicredit Bank Austria) zurückgewiesen und empfiehlt auch ihren Aktionären, dieses nicht anzunehmen. Das Management sieht das Angebot als finanziell unzureichend und betont, dass die Bank eigenständig bessere Wachstumschancen habe.­

Termine

In der kommenden Woche stehen vor allem mehrere Ergebnisvorlagen im Fokus: Am 26. Mai präsentiert die EVN ihre Halbjahreszahlen, während am 28. Mai mit CPI Europe AG (ehemals CA Immo) und der Vienna Insurance Group gleich zwei große Börsenplayer ihre Q1-Ergebnisse vorlegen. Insgesamt konzentriert sich die Berichtssaison damit klar auf die Wochenmitte – mit einem Schwerpunkt auf Immobilien- und Finanzwerten an der Wiener Börse.

Börsianer Insider

Autor

Börsianer Insider

ist für dich anonym am Kapitalmarkt unterwegs und bringt die heißesten Storys.

Teilen auf
Anzeige